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Arnab Mandal: „Der Traum von einer Grünen Zukunft“

Name: Arnab Mandal
Lebt in: Delhi (Indien)
Herkunftsland: Indien 
Deutschlandaufenthalt: von Januar bis März 2012
Bildungs- und Forschungseinrichtung:
Freie Universität Berlin
Beruf: Experte für Entwicklung, Innovation und Unternehmertum, Mentor im Start Up India-Programm der indischen Regierung, Vorstandsmitglied des indischen Start-ups Frugal Ventures Pvt Ltd

Im Alter von 25 Jahren präsentierte der Inder Arnab Mandal vor dem US-Kongress in Washington DC seine Ideen einer „Green Economy“. Im selben Jahr forschte er im Rahmen eines DAAD-Programms an der FU Berlin an nachhaltigen Entwicklungsstrategien – und ist dem Thema nach wie vor verbunden.

Im Jahr 2012 waren Sie der bis dahin jüngste Inder, der je vor dem US-Kongress gesprochen hatte. Wie ist es dazu gekommen?

Arnab Mandal: Ein Jahr zuvor hatte ich im Rahmen des MIT Climate CoLab meinen „Dream for a Green Future“ skizziert. Die MIT Sloan School of Management hat mich dann eingeladen, meine Ideen nicht nur vor dem US-Kongress in Washington sondern auch in der Zentrale der Vereinten Nationen in New York zu präsentieren. Das war eine unglaubliche Chance, zumal ich damals erst 25 Jahre alt war. Mein Vorschlag für eine Grüne Zukunft umfasste sieben Themen: nachhaltige Entwicklungsplanung mithilfe von Informations- und Kommunikationstechnologie, einen Index für unternehmerische Nachhaltigkeit, systemisches Denken, die Synchronisierung von Nachfrage und Angebot, Grüne Fonds, Planung auch auf der Mikro-Ebene und Grüne Maßnahmen wie zum Beispiel die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Umweltfragen. 

Wie muss sich die Weltwirtschaft aus Ihrer Sicht verändern?

Arnab Mandal: Natürlich gibt es mehrere Dinge, die getan werden müssen. Ich bin aber ein großer Befürworter der regenerativen „Kreislaufwirtschaft “. Sicherlich bieten auch die Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs) einen großartigen Rahmen für den gemeinsamen Wohlstand der Menschheit und eine fortschrittliche Zukunft unserer Erde. Aber es braucht drastische Veränderungen in der globalen Regierungsführung, ebenso verschiedene unternehmerische Initiativen, welche die SDGs unterstützen. Diese Ziele sind auf das Jahr 2030 ausgerichtet; wir haben nicht mehr viel Zeit. Nötig ist ein fundamentaler Wandel, der auch die Überarbeitung der Charta der Vereinten Nationen einschließt: Der Einfluss von Intellektuellen sollte gestärkt und die Macht von korrupten, engstirnigen Politikern beschränkt werden.

Im Jahr 2015 wurde Ihr Buch „Sustainable Development: Goals and Strategies“ veröffentlicht. Was hat Sie zu diesem Buch motiviert?

Arnab Mandal: Während meiner Zeit an der FU Berlin forschte ich über „Nachhaltige Entwicklungsstrategie: Lehren aus der EU“. In dieser Zeit konnte ich meine Forschungskompetenz dank der Erfahrung und der Fachkenntnisse meiner Professoren stärken. Ich beschloss, mein gesammeltes Wissen zu einem geeigneten Zeitpunkt einem Verleger zur Verfügung zu stellen, um es einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Die Ankündigung der Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) 2015 durch die Vereinten Nationen war dann für die Veröffentlichung des Buches ausschlaggebend. Das Buch soll dazu dienen, Menschen, ohne Erfahrung in Fragen der nachhaltigen Entwicklung relevante Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Ein zentraler Punkt sind die von der EU schon frühzeitig auf Nachhaltigkeitsstrategien angewendeten Überwachungsmechanismen. Diese werden nun auch mit Blick auf die SDGs eingesetzt und beruhen auf zahlreichen Indikatoren, von der soziökonomischen Entwicklung bis zur „Good Governance“. 

Wie wichtig sind globale Partnerschaften, um nachhaltige Entwicklungsstrategien umzusetzen?

Arnab Mandal: Äußerst wichtig, für Entwicklungsländer ebenso wie für Industrieländer. Sie schaffen eine Win-win-Situation: Die Partnerschaften ermöglichen den Austausch von finanziellen, technischen und personellen Ressourcen sowie die Erschließung neuer Märkte und Handelskooperationen. So lassen sich die SDGs weltweit gemeinsam verfolgen.

Bei Tata Trusts beschäftigen Sie sich mit digitalen Technologien und ihren gesellschaftlichen Wirkungen. Kann die Digitalisierung zu einer nachhaltigen Zukunft beitragen?

Arnab Mandal: In der Tat bin ich in der glücklichen Lage, bei Tata Trusts einer der Leiter hinter dem Entwurf und der Umsetzung einer Informations- und Kommunikationstechnologie für Entwicklungsprojekte zu sein. Mit Blick auf die Digitalisierung ist mir eine Unterscheidung wichtig, die sich in zwei unterschiedlichen englischen Wörtern ausdrückt: Während sich die „digitization“ lediglich auf den Ansatz beschränkt, analoge Informationen in digitale Formate umzuwandeln, ist das Konzept der „digitalization“ viel breiter gefächert. Es geht um den Einsatz digitaler Werkzeuge, Techniken und Technologien, um den Gewinn von Informationen sowie darum, die Entscheidungsfindung zu optimieren und angemessene Maßnahmen effizient umsetzen zu können. Sowohl „digitization“ als auch „digitalization“ sind entscheidend für eine nachhaltige Zukunft. Es gibt mehrere Initiativen, die von Regierungen, internationalen Organisationen und Unternehmen in diesen Bereichen unternommen werden. Ich möchte hier auf den Weltentwicklungsbericht 2016 der Weltbank , dessen Fokus auf der „Digitalen Dividende“ lag, verweisen. Die Analyse der aktuellen Situation wie auch Best Practices und Fallstudien, die in dem Bericht aufgeführt werden, lassen einen optimistisch in die Zukunft schauen. Dennoch müssen einige Entwicklungsländer, insbesondere in Afrika und Lateinamerika, auch künftig an der Umsetzung digitaler Entwicklungsprogramme arbeiten.

Im Jahr 2012 besuchten Sie im Rahmen des Programms „A New Passage to India“ die Freie Universität Berlin; ihr Schwerpunkt lag dort auf „Public Policy“. Wie hat Sie die Zeit in Deutschland geprägt?

Arnab Mandal: Der Aufenthalt in Berlin hat mein Leben wirklich verändert. Die Internationalität der Stadt ist außergewöhnlich: Sie bietet ein kosmopolitisches Umfeld und ist zweifellos ein Gewinn für jeden ausländischen Studenten. Durch meine Zeit in Deutschland konnte ich mich auch beruflich weiterentwickeln. Ich habe die Kunst der logischen Argumentation gelernt und eine kritische Denkweise entwickelt. Darüber hinaus wertet die Förderung durch den DAAD meinen Lebenslauf wesentlich auf. 

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Arnab Mandal: Neben meiner Arbeit für Tata Trusts bin ich auch als Mentor bei der „Start-up India“-Initiative der indischen Regierung tätig. Dadurch habe ich die Möglichkeit, junge Unternehmer zu unterstützen, indem ich sie bei ihrer Geschäftsidee und den dazugehörigen Schritten berate und ihnen helfe, sich zu vernetzen. Zudem bin ich Vorstandsmitglied von Frugal Ventures Pvt Ltd., ein indisches Start-up-Unternehmen, das an der Kreislaufwirtschaft arbeitet. Es nutzt „Design Thinking“, „System Thinking“ und „Blockchain“, um das gigantische Problem des Abfallmanagements und des Recyclings anzugehen. Mein Wunsch ist es, das Unternehmen zu vergrößern, um es weltweit bekannt zu machen. 

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Interview: Alumniportal Deutschland

Arnab Mandal träumt von einer grünen Zukunft. Der Weg: eine Green Economy, die Ökonomie und Ökologie verbindet. Wie sieht nachhaltiges Wirtschaften Ihrer Meinung nach aus, das Ressourcen schont und die Umwelt weniger belastet? Sagen sie uns Ihre Meinung in der Community-Gruppe Nachhaltigkeit / Sustainability 

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Januar 2019

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