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Brahim Oubaha, Tanger, Marokko

Name: Brahim Oubaha
Lebt in: Tanger, Marokko
Deutschlandaufenthalt: September 2013 und Juli 2014 in Berlin, Essen und Bonn
Bildungseinrichtung: Praktikum im Deutschen Bundestag und Studienreise vom DAAD
Beruf: Student

Mein Name ist Brahim Oubaha, ich komme aus Marokko und habe Germanistik an der Universität Hassan II in Casablanca studiert. Zurzeit absolviere ich ein Master-Studium als Übersetzer für Arabisch, Deutsch und Französisch am König-Fahd-Institut in Tanger.

Durch mein Studium habe ich ohnehin viel mit Deutschland zu tun und natürlich auch schon viel gelesen, vor allem in den Bereichen Literatur, Kultur, Geschichte, Politik und Menschenrechte.

Im Jahr 2013 habe ich am Internationalen Parlamentsstipendium des deutschen Bundestags teilgenommen. Das IPS-Programm ist eine Initiative des Deutschen Bundestags, die unter der Schirmherrschaft des Bundestagspräsidenten steht.

„Das IPS-Programm richtet sich an politisch engagierte junge Menschen, die sich in ihren Heimatländern aktiv für demokratische Grundwerte einsetzen“

Seit 2014 bin ich Mitglied im Verein der Marokkanischen IPS-Stipendiaten. Dieser Verein setzt sich zum Ziel, die Kontakte sowohl zu den ehemaligen IPS-Stipendiaten als auch zum Deutschen Bundestag dauerhaft zu pflegen. Darüber hinaus wollen wir die Zusammenarbeit mit anderen IPS-Alumni-Vereinen (in über 20 Ländern) verstärken. Eine der Aufgaben des Vereins ist es außerdem, engagierte, aufgeschlossene und politisch interessierte junge Erwachsene über das IPS-Programm zu informieren.

Der IPS-Alumni-Verein Marokko hat es sich ferner zur Aufgabe gesetzt, die deutsch-marokkanische Zusammenarbeit auf kultureller und politischer Ebene zu fördern und das gegenseitige Verständnis zwischen den beiden Völkern und Kulturen zu vertiefen. Mit unseren Aktivitäten möchten wir den Transformationsprozess in Marokko unterstützen, die Zivilgesellschaft stärken und Demokratie fördern.

„Das deutsche politische System ist für mich ein gutes Beispiel in Europa“

In Marokko fehlt es uns an Ausbildung in demokratischen Prozessen. Ich weiß, dass eine Demokratie nur dann eine wirkliche Demokratie werden kann, wenn die Menschen von funktionierenden Demokratien anderer Länder lernen können. Deshalb möchte ich direkt vor Ort lernen, zum Beispiel wie Wahlen funktionieren. Die Hälfte der Bevölkerung bei uns kann weder lesen noch schreiben und daher ist alles leicht manipulierbar.

Als Übersetzer möchte ich helfen, das deutsche politische System ins Arabische und Berberische zu übersetzen, weil die Menschen in Marokko noch nicht so viel über Deutschland wissen. Übersetzung nimmt eine wichtige Rolle bei der Veränderung und dem demokratischen Prozess in meinem Land ein. Deutschland ist sehr wichtig für mich und ich möchte das dort Gelernte direkt in meinem Heimatland verbreiten und umsetzen.

„In Deutschland habe ich meine Weltanschauung verändert“

Man denkt in Deutschland nicht so regional und national, sondern globaler – das hat mir gefallen. Viele Marokkaner haben auch ein falsches Bild von den Deutschen und Deutschland. Sie denken, dass die Deutschen sehr egoistisch sind und vielleicht nicht so gastfreundlich wie die Marokkaner, aber ich kann nur sagen, dass ich in Deutschland sehr herzlich aufgenommen wurde. Außerdem war alles sehr gut organisiert, aber dafür sind die Deutschen ja auch bekannt.

Deutschland ist ein Land des kulturellen Austauschs und der Begegnung und hat es mir ermöglicht, Leuten aus verschiedenen Ländern der Welt zu begegnen. Wir konnten uns miteinander austauschen und mehr voneinander erfahren. Meiner Meinung nach kann eine Weiterentwicklung nur aus Erfahrungsaustausch entstehen.

„In Online-Netzwerke wie dem Alumniportal Deutschland kann ich über meine Erfahrung und Aktivitäten berichten“

Ich nutze das Alumniportal Deutschland besonders, um Leute kennenzulernen, die ihre Beziehung mit Deutschland verstärken wollen.

Mit meinen Kommilitonen habe ich unterschiedliche Vereine gegründet, die sich für die Forderung nach Freiheit, mehr Demokratie und interkultureller Kommunikation einsetzen, beispielsweise den Timatarin-Verein und den Deutsch-Marokkanischen Verein für kulturellen Austausch und Zusammenarbeit.

Timatarin wurde 2009 in Biougra gegründet und ist ein marokkanischer eingetragener Verein, der sich für die Förderung der masirischen Sprache und Kultur, der Festigung demokratischer Werte und Toleranz sowie den Kulturaustausch für ein friedliches und bereicherndes Zusammenleben von Völkern und Religionen einsetzt.

„Ein Anliegen des Timatarin-Vereins ist es, das Verständnis für kulturelle Vielfalt zu vertiefen“

Ein anderes Ziel des Timatarin-Vereins ist es, mehr Menschen zu mehr Partizipation zu befähigen und politische Bildung für zivilgesellschaftliche Akteure zu ermöglichen. Er engagiert auch sehr stark im sozialen Bereich, in dem er die Jugendlichen der Region bei ihren schulischen Leistungen unterstützt.

Neben Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen zu den Themenbereichen Demokratie, Transformationsprozess und Dialog zwischen den Kulturen der Welt werden auch Foren für politische Bildung und Sommeruniversitäten für Jugendliche organisiert. Sitz des soziokulturellen Vereins Timatarin ist Agadir, aber der Wirkungskreis ist überall in Marokko.

Beim Timatarin-Online-Magazin für interkulturellen Dialog bin ich als Chefredakteur aktiv. Timatarin fördert als unabhängiges Medium das friedliche Zusammenleben der verschiedenen Kulturen der Welt und den interkulturellen Dialog insbesondere mit dem deutschen Kulturkreis sowie auch den gegenseitigen Austausch. Timatarin behandelt Themen wie Interkulturalität, den kulturellen Dialog mit dem deutschen Kulturkreis, die kulturellen Beziehungen im Mittelmeerraum, die deutsche Sprache und Kultur in Marokko, Zivilgesellschaft und Bildung.

„Es geht um den kulturellen Austausch und Entwicklung“

Der Deutsch-Marokkanische Verein für kulturellen Austausch trug zuerst den Namen „Marokkanischer Verein für Germanistik-Studierende und Absolventen (MVGSA)“. Der MVGSA wurde 2010 in Agadir gegründet und hat dort auch seinen Sitz. Der Vorstand des Vereins hat sich zum Ziel gesetzt, das Lernen und Lehren der deutschen Sprache in Marokko zu stützen und die freundschaftlichen, kulturellen und sozialen Beziehungen zwischen Marokko und der deutschsprachigen Ländern zu fördern. Der Verein ist gemeinnützig und verfolgt keine wirtschaftlichen oder eigennützigen Zwecke.

Nach der Generalversammlung vom 14. August 2013 haben wir den Namen des Vereins umgewandelt zu „Marokkanisch-Deutsche Gesellschaft für den kulturellen Austausch und Zusammenarbeit“. Zudem wurden auch einige Ziele neu definiert. Dies findet im Einklang mit den Volksbewegungen und den damit verbundenen Entwicklungen und Themen in Nordafrika statt. Unser Verein organisierte bereits mehrere kulturpolitische Veranstaltungen mit Liedermachern, Frauenrechtlerinnen und Akteuren – und das alles ohne staatliche Mittel.

Ich bin auch Projektleiter des deutsch-marokkanisches Kulturforums, das in Agadir von 27. bis 29. März 2015 stattfand. Das deutsch-marokkanische Forum ist ein Treffpunkt für Dialog und Austausch zwischen Fachleuten aus Politik, Kultur, Geschichte, Zivilgesellschaft und Medien beider Länder. Ziel des dreitägigen Forums ist es einerseits, gemeinsam über die bestehenden bilateralen Beziehungen zu diskutieren und andererseits Reflektionen darüber anzustellen, wie und in welchen Bereichen die kulturelle Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Marokko in Zukunft noch vertieft werden könnte, um neue Perspektiven für die deutsch-marokkanischen Beziehungen zu eröffnen. Im Rahmen dieses Forums wurden Workshops, Vorträge, Diskussionsrunden, Ausstellungen und Exkursionen veranstaltet.

Auch in anderen zivilgesellschaftlichen und politischen Vereinen bin ich in ganz Marokko aktiv. Dazu gehören das nordmarokkanische Forum für Menschenrechte in Tanger und die Izerfan-Stiftung in Casablanca. 

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April 2015

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