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Damien Ehrhardt, Paris, Frankreich

Name: Damien Ehrhardt
Lebt in: Saint-Mandé (bei Paris), Frankreich
Deutschlandaufenthalt: 1991 bis 1992 und 1998 bis 2002 in Saarbrücken, Regensburg, Weimar und Jena
Bildungs- und Forschungseinrichtung: Universität des Saarlandes, Universität Regensburg, Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena  
Beruf: Hochschullehrer


Während meiner Deutschlandaufenthalte war ich als Hochschullehrer tätig und habe über deutsch-französische Beziehungen auf dem Gebiet der Programmmusik geforscht. Meine Entscheidung fiel auf Deutschland, weil ich an der deutsch-französischen Grenze aufgewachsen bin. Das ganze Land gefällt mir, aber als Ausflugsziel würde ich die Regensburger Altstadt und den Goethepark in Weimar empfehlen.

Das Hochschulsystem in Deutschland ist anders. Das Studium ist freier als in Frankreich. Die Alumni-Arbeit wird mehr in den Vordergrund gestellt, und das gefällt mir als Leiter der französischen Alumnivereinigung der Alexander von Humboldt-Stiftung besonders gut. Darüber hinaus weiß ich die Geselligkeit in der Forschungswelt zu schätzen, beispielsweise bei Tagungen.

Auch in meiner Freizeit spielt die Welt der Künste im allgemeinen Sinne eine wichtige Rolle, insbesondere die bildende Kunst und die Kochkunst.

„Meine Deutschlandaufenthalte haben mein Leben enorm beeinflusst“

Von Anfang an beschäftigte ich mich wissenschaftlich mit Deutschland in Frankreich (Dissertation über Robert Schumann an der Sorbonne) und mit Frankreich in Deutschland (Forschungsprojekt als Humboldt-Stipendiat in Regensburg und Weimar/Jena über Programmmusik in Frankreich 1871-1914). In Deutschland begründete ich 1994 nach meinem Studium an der Universität des Saarlandes mit deutschen Kollegen dieser Universität einen deutsch-französischen Verein zum Thema Musik und Musikwissenschaft. Als Alumnus der Alexander von Humboldt-Stiftung organisiere ich regelmäßig seit 2005 Humboldt-Kollegs mit weiteren Humboldtianern. Dies hat zur Gründung der französischen Alumnivereinigung der Alexander von Humboldt-Stiftung (Association Humboldt France) im Jahr 2008 erheblich beigetragen.

Für meine Magisterarbeit wollte mein Betreuer an der Universität Metz, dass ich mich mit Mendelssohn beschäftige. Ich beabsichtigte aber, über Schumanns Symphonischen Etüden zu arbeiten. Mein Betreuer sagte also zu mir: „Wenn das Ihr Wunsch ist, dann sollten Sie das erst einmal mit Kollegen in Deutschland (zum Beispiel Saarbrücken) besprechen“. Das habe ich getan. Daraufhin traf ich gleich mehrere renommierte Schumann-Forscher, die mir den Kontakt mit der Robert-Schumann-Forschungsstelle in Düsseldorf und dem Schumann-Haus in Zwickau ermöglicht haben. Durch die Kontakte war es mir möglich, 1994 an einer Tagung in Düsseldorf teilzunehmen. Während dieser Tagung bin ich schon meinem künftigen Gastgeber im Rahmen des von mir später erhaltenen Humboldt-Stipendiums begegnet.

„Gerade ist ein Band der Neuen Robert-Schumann-Gesamtausgabe erschienen, den ich selbst mit einem deutschen Kollegen herausgegeben habe“

In Deutschland konnte ich meine Kenntnisse in Musiktheorie (zum Beispiel das Riemannsche System betreffend) und der musikalischen Editionspraxis vertiefen. Allgemeiner betrachtet habe ich vor allem neue wissenschaftliche Methoden kennengelernt und konnte dadurch unterschiedliche Wissenschaftstraditionen vergleichen.

Wenn ich an meinen Deutschlandaufenthalt zurückdenke, denke ich an nichts Besonderes beziehungsweise an nichts mehr oder nichts weniger als bezüglich meines eigenen Lands. Im heutigen Frankreich sollten internationale Beziehungen entwickelt werden, ohne die nächsten Nachbarn, mit denen wir viele Affinitäten haben, zu vernachlässigen.

Ich habe zahlreiche Kontakte nach Deutschland und stehe auch mit vielen Deutschland-Alumni aus meinem Land in Verbindung. Die Erfahrung, die Deutschland-Alumni gemacht haben, ist viel wert. Nichtsdestotrotz wird der Gewinn aus diesem Erlebnis nicht sofort nach der Rückkehr im eigenen Land klar. Es ist ein langfristiger Gewinn, den man erst nach einiger Zeit zur Geltung bringen kann.

„Ich schätze Alexander von Humboldt aufgrund seiner Weltoffenheit und Franz Liszt für seine Fähigkeit, seine Umwelt zu verändern“

Als Vorsitzender der Association Humboldt France möchte ich zur Entwicklung eines lokalen und internationalen Alumni-Netzwerks beitragen. Mein Wunsch ist es, am interkulturellen und interdisziplinären Dialog teilzunehmen. Dieser Dialog sollte ein weit gefasster Dialog sein, so dass sich ein indischer Germanist, ein kanadischer Physiker und ein deutscher Künstler treffen können, um miteinander Projekte zu entwickeln. Dank der von der Alexander von Humboldt finanzierten Humboldt-Kollegs können Menschen und Fächer einander näher gebracht werden.

Online-Netzwerke wie das Alumniportal Deutschland nutze ich nicht in meinem Privatleben, sondern um Ereignisse bekannt zu machen oder allgemeiner gesagt Informationen weiterzugeben, die schon im Netz zu Verfügung stehen. Sie erlauben mir, mehr Menschen zu erreichen, auch viele, an die ich keine E-Mail schreiben würde. Virtuelle und reale Welten hängen heutzutage eng zusammen und wirken stark auf einander. Wir brauchen beide. Wir müssen bloß das richtige Gleichgewicht finden.

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November 2014

Kommentare

Mohan Barathi Gnanathilake
21. November 2014

Ich wünsche Herrn Ehrhardt von meinem ganzen Herzen alles Gute für seine Zukunft. Ich glaube,dass alle seine zukünftigen Absichten in Erfüllung gehen werden.

nadine magaud
20. November 2014

Kongatulation für diese Bericht ! Bis bald
Nadine

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