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Ousmane Somah, Ouagadougou, Burkina Faso

Name: Ousmane Somah
Lebt in: Burkina Faso
Deutschlandaufenthalt: April-September 2007 (Hamburg), 2010-2012 (Bielefeld, Köln)
Bildungseinrichtung: Universität Bielefeld
Beruf: Deutschlehrer

Während meines ersten Aufenthalts in Deutschland 2007 habe ich in Hamburg für  meine Magisterarbeit geforscht.  Das Thema der Arbeit lautete „Genese der Ethnizität während der deutschen und belgischen Kolonialzeit in Ruanda 1885-1962“. Von 2010 bis 2012 habe ich dann meinen Master in Deutsch als Fremdsprache (DaF) und Germanistik in Bielefeld gemacht.

„Durch mein Studium und meine Forschungen in Deutschland konnte ich mein Wissen enorm erweitern“

Im Moment bin ich Deutschlehrer im burkinischen öffentlichen Dienst. Mit meinem Master in DaF kann ich zukünftig auch für das Goethe-Institut oder für ein Sprachzentrum tätig sein. Außerdem plane ich zu promovieren, denn ein Doktortitel trägt dazu bei, den heranwachsenden Generationen in Afrika noch effektiver Deutsch beizubringen, und ich möchte nach der Promotion meinem Kontinent helfen können. Ein weiteres großes Zukunftsprojekt von mir ist ein eigenes Dolmetscher- und Übersetzungsbüro zu gründen. Neben meiner Tätigkeit als Deutschlehrer zeichne ich Comics.

Durch mein Studium und meine Forschungen in Deutschland konnte ich mein Wissen enorm erweitern. Dass ich unter anderem an deutschen Universitäten studiert habe, ist auch positiv für meinen weiteren beruflichen Werdegang. Allerdings ist es schwierig, diese Vorteile in meinem Land zu nutzen und umzusetzen. Man gilt als Angeber, wenn man versucht, durch seine erworbenen Fähigkeiten etwas in seinem Land zu bewirken. Diese Erfahrung habe ich gemacht, nachdem ich von meinem sechsmonatigen Aufenthalt in Hamburg zurückkam. Deswegen arbeiten viele Alumni lieber dort, wo der Wert ihrer Arbeit geschätzt wird.

Das erlernte Wissen in die Praxis umzusetzen kann sehr mühsam sein. Es hat beispielsweise drei Jahre gedauert, bis ich durchsetzen konnte, dass an unserer Schule hier in der Stadt Deutsch schon in der Unterstufe unterrichtet wird – aber ich habe es geschafft! Durch meinen Deutschlandaufenthalt wurde nicht nur mein Leben beeinflusst, sondern auch meine Unterrichtsweise als Deutschlehrer und meine ganze Persönlichkeit.

„Die Lernenden können ihre Bildung aktiv mitgestalten“

In meinem Land gibt es viele Probleme, die die Vermittlung von Wissen beeinträchtigen. Zum einen fehlen oft die nötigen Räumlichkeiten für die Studierenden, zum anderen haben wir einen Mangel an Lehrkräften. Die Universitäten sind außerdem dafür bekannt, Orte des Protestes zu sein. Sie werden von der Regierung als Hochburg der Opposition angesehen, und das erschwert die Beziehungen zur Regierung zusätzlich.

Im Gegensatz zu vielen ihrer afrikanischen Kollegen benehmen sich die Professoren in Deutschland nicht wie kleine Götter. Ihre Bereitschaft, zuzuhören und auch die Meinung der Studenten in Betracht zu ziehen, gefällt mir sehr. Dadurch findet ein wechselseitiger Wissensaustausch statt und die Lernenden können ihre Bildung aktiv mitgestalten.

„Wer sich anständig benimmt, wird auch anständig behandelt“

Die Gastfreundschaft und Friedfertigkeit in Deutschland ist mir ebenfalls positiv aufgefallen. Wer sich anständig benimmt, wird auch anständig behandelt. Die Raucherkultur in Deutschland gefällt mir allerdings gar nicht. Obwohl es sehr gesundheitsschädigend ist, rauchen viele Frauen, Männer und auch Jugendliche. Das Problem der Fremdenfeindlichkeit kann ich nicht verstehen: Wieso können Menschen ihre Mitmenschen nicht einfach so akzeptieren, wie sie sind?

Natürlich gibt es viele Unterschiede zwischen Burkina Faso und Deutschland. In Deutschland kann man auf der Straße beobachten, wie sich die Menschen ganz selbstverständlich bewegen, Pärchen küssen sich in der Öffentlichkeit und man sieht auch Männer, die einen Kinderwagen schieben. In Burkina Faso ist man noch mehr auf die traditionelle Rollenverteilung festgelegt und es ist klar, dass sich die Frau um die Kinder kümmert und ihrem Mann Bescheid geben muss, wenn sie in ihrer Freizeit etwas unternehmen möchte.

Ousmane Somah über das Alumniportal Deutschland

Ich denke, es ist wichtig, Kontakte nach Deutschland zu halten, wenn man schon einmal dort war, denn das kann in der Zukunft nützlich sein. Außerdem kann man durch regelmäßigen Kontakt nach Deutschland seine Sprachkenntnisse weiter verbessern. Über das Alumniportal und die Facebook-Seite stehe ich mit vielen Alumni aus meinem Land in Verbindung. Ich denke, das Portal ist eine gute Möglichkeit, alle Alumni zusammenzubringen.

Zum Profil von Ousmane Somah in der Community

Januar 2013

Kommentare

Ivica Kosak
29. Januar 2013

"In meinem Land gibt es viele Probleme, die die Vermittlung von Wissen beeinträchtigen. " ... Und nicht nur im Burkina Faso!

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