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Erick Tambo: „Digitale Bildung leistet einen wichtigen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung“

Name: Dr. Erick R. Gankam Tambo
Lebt in: Bonn, Deutschland
Herkunftsland: Kamerun
Deutschlandaufenthalt: 1998 bis heute
Bildungseinrichtungen: Technische Universität Dortmund, FernUniversität in Hagen
Beruf: Associate Academic Officer am Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS) in Bonn

Dr. Erick R. Gankam Tambo kam 1998 als Student nach Deutschland. Nach seinem Studium an der TU Dortmund und seiner Promotion an der FernUniversität in Hagen ist er heute an der Universität der Vereinten Nationen in Bonn tätig. Er forscht und entwickelt Projekte im Bereich digitale Bildung als Teil der Entwicklungszusammenarbeit in der Wissenschaft. Mit seiner Arbeit möchte er vor allem einen Beitrag zum nachhaltigen Austausch und Transfer von Wissen und Technologien von Nord nach Süd leisten.

Was macht für Sie den Reiz digitaler Bildung in der Entwicklungszusammenarbeit aus?

Erick Tambo: Bildung – ob digital oder nicht – ist die Grundlage jeder Entwicklung. Mit digitaler Bildung erreicht man aber eine sehr viel größere Zielgruppe. Und man erreicht sie direkt. Die eingesetzten Mittel kommen so bei den Menschen an, für die sie bestimmt sind. Der größte Reiz der digitalen Bildung liegt für mich darin, dass es eine direkte Interaktion gibt. So werden Ergebnisse der Zusammenarbeit sofort sichtbar. Digitale Bildung ist ein sehr dynamisches Feld, man lernt dabei auch selbst viel.

Zur Person

Erick Tambo ist über sein Institut UNU-EHS an einem Projekt mit dem 2014 von der Afrikanischen Union (AU) gegründeten Institut für Wasser- und Energiewissenschaften sowie Klimawandel (PAUWES) der Panafrikanischen Universität beteiligt. Als eines von fünf in ganz Afrika ansässigen Instituten der Panafrikanischen Universität soll PAUWES daran mitwirken, ein Hochschulnetzwerk in Afrika aufzubauen, Lücken in der afrikanischen Hochschulbildung zu schließen und Wissenschaft und Technologie auf exzellentem Niveau zu fördern.

Andere deutsche Hochschulpartner des Projektes sind das Institut für Technologie- und Ressourcenmanagement in den Tropen- und Subtropen (ITT) der Fachhochschule Köln und das Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn. Das Projekt wird über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert. Außerdem sind die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und die KfW Entwicklungsbank beteiligt.

Beschreibung des Projekts „Hochschulkooperation mit PAUWES“ (englisch)

Digitale Bildung schafft Jobs

Welche Chancen werden dadurch denn noch eröffnet?

Erick Tambo: Digitale Bildung kann einen großen Beitrag zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit leisten, vor allem unter jungen Leuten. Das ist besonders für Afrika mit einem großen jungen Bevölkerungsanteil wichtig. In der digitalen Bildung selbst und in ihrem Umfeld liegen die Jobs der Zukunft. Außerdem können gut ausgebildete Leute in ihrem Heimatland gehalten werden. Wissen und Arbeitsmöglichkeiten sind unabhängig und nicht mehr an den Standort gebunden. So kann Know-how beziehungsweise Expertise in der Diaspora zur Entwicklung der Heimatländer sowie des Kontinents effizient eingesetzt werden. Das ist ganz im Sinne des Brain Gain und der Brain Circulation. Ein weiterer großer Vorteil besteht darin, dass digitales Wissen von staatlicher Seite aus nur schwer zu zensieren ist.

Und wo liegt für Sie das größte Risiko digitaler Bildung in der Entwicklungszusammenarbeit?

Erick Tambo: Wenn nicht Hilfe zur Selbsthilfe erzielt wird, sondern Hilfe zum Selbstzweck: Projekte werden dann nur durchgeführt, weil die Themen vielleicht gut klingen oder gerade aktuell sind. Aber sie wirken nicht nachhaltig vor Ort, und die Mittel könnten effizienter eingesetzt werden. Daher sollte man sich im Bereich der digitalen Bildung auf den Aufbau und die Stärkung von geeigneten Strukturen und Kompetenzen vor Ort konzentrieren (materielle und ideelle Förderung lokaler Initiativen, Multiplikatoren-Bildung beziehungsweise „Training of Trainers“) – ganz im Sinne des Austausches und Transfers von Wissen und Technologie.

Digitale Bildung ist alternativlos

In einem Streitgespräch des Hochschulforums Digitalisierung zu den Vor- und Nachteilen digitaler Bildung Anfang April 2016 in Bonn haben Sie E-Learning als existentiell bezeichnet. Warum?

Erick Tambo: Die Anzahl der Abiturienten steigt enorm – gerade in den Entwicklungsländern. Durch E-Learning kann man wesentlich mehr Studenten erreichen und ihnen eine qualitativ hochwertige Bildung bieten. Die meist knappen Ressourcen können viel effizienter eingesetzt werden, zum Beispiel in digitale Lerninfrastrukturen (virtuelle Klassenräume, Bibliotheken oder Labore). Und Experten in der Lehre und Forschung können unabhängig von ihrem Standort lokal eingebunden werden. Anders ist der vorhandene Bedarf nicht zu decken. Daher sehe ich digitale Bildung als existentiell und als alternativlos an.

Sie leben seit 1998 in Deutschland. Warum sind Sie nach Deutschland gekommen?

Erick Tambo: Das hatte vor allem pragmatische Gründe. Mein Studium in Deutschland wurde von meiner Familie und mir privat organisiert und finanziert. In Deutschland konnte ich gebührenfrei, aber qualitativ hochwertig studieren. Außerdem hatte ich die Möglichkeit, bereits während des Studiums zu arbeiten und praktische Erfahrungen zu sammeln.

Ging die Rechnung auf?

Erick Tambo: Ich denke schon: Vom Wintersemester 1999 bis zum Sommersemester 2006 habe ich an der TU Dortmund erfolgreich Angewandte Informatik studiert. 2005 erhielt ich vom Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) sogar eine Auszeichnung für hervorragende Leistungen ausländischer Studierender an der TU Dortmund. Der DAAD hat mich im Hauptstudium zudem durch ein sechsmonatiges Stipendium unterstützt.

Parallel zum Studium konnte ich als studentischer Mitarbeiter an der FernUniversität in Hagen als Systementwickler für „Interaktive Lernsysteme“ arbeiten. Dort habe ich von 2006 bis 2010 auch promoviert. Meine Promotion wurde von der Hans-Böckler-Stiftung mit einem dreimonatigen Stipendium gefördert.

Hochschulforum Digitalisierung: Streitgespräch „Digitale Lehre in der Entwicklungszusammenarbeit“

Privaten Sektor stärker einbinden

Was kann Deutschland durch digitale Bildung leisten, damit mehr Menschen von unserem Bildungssystem profitieren können?

Erick Tambo: Deutschland könnte die digitale Bildung als Element der Entwicklungszusammenarbeit in drei Bereichen fördern: Zum einen durch die finanzielle Förderung von Innovationen in der digitalen Bildung, zum anderen durch Technologietransfer und zum Dritten durch eine stärkere Einbindung des privaten Sektors.

Gerade im letzten Punkt sehe ich riesige Möglichkeiten. Durch die ökonomische Zusammenarbeit kann sich eine Win-win-Situation ergeben: Die Zielländer profitieren von neuen Kompetenzen vor Ort und die Unternehmen von neuen Kunden. Gerade diese Form der Zusammenarbeit wirkt nachhaltig.

Was liegt Ihnen an Ihrer Arbeit besonders am Herzen?

Erick Tambo: Mir ist der Wissenstransfer sehr wichtig. Nur durch den Austausch und die Weitergabe von Wissen und Technologien über Kontinente hinweg können wir lokale Probleme mit globaler Relevanz wie zum Beispiel den Klimawandel angehen. So leiste ich durch meine Arbeit meinen eigenen Beitrag zur Entwicklung des Afrikanischen Kontinents und zur Lösung globaler Probleme. Das macht mich zufrieden.

Zum Profil von Dr. Erick R. Gankam Tambo in der Community

Interview: Verena Striebinger

April 2016

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