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Eddy Odari: „Anderen helfen, so wie mir geholfen wurde“

Name: Dr. Eddy Okoth Odari
Lebt in: Nairobi, Kenia
Herkunftsland: Kenia
Deutschlandaufenthalt: von 2011 bis 2014
Bildungs- und Forschungseinrichtung:
Ludwig-Maximilians-Universität München
Beruf: Dozent in der Abteilung für medizinische Mikrobiologie an der Jomo Kenyatta Universität für Landwirtschaft und Technologie

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“. Dieses Zitat des berühmten deutschen Schriftstellers Erich Kästner könnte auch das Motto des Deutschland-Alumnus Eddy Odari aus Kenia sein. Er hat es sich neben seinem Beruf zur Aufgabe gemacht, Menschen zu helfen, die gesellschaftlich im Abseits stehen.

Herr Odari, neben Ihrem Beruf als Forscher und Universitätsdozent sind Sie stark sozial engagiert. Was machen Sie genau?

Eddy Odari: Im Jahr 2012 gründete ich gemeinsam mit zwei Freunden die Ogallo-Osako Memorial Foundation. Mit ihr will ich dort Hoffnung spenden, wo die Menschen die Hoffnung verloren haben. Dabei geht es meist um kleine Projekte in Dörfern im Westen Kenias. Ein afrikanisches Sprichwort besagt „Es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen“. Die Stiftung soll ein Teil dieses Dorfes sein und die Menschen zur Zusammenarbeit motivieren, damit sie die Herausforderungen der Gesellschaft meistern.

So haben wir beispielsweise ein kleines Heim für Kinder mit körperlichen Behinderungen gebaut und unterstützten dort momentan 26 Kinder. Wir kümmern uns auch um ihre Schulgelder, um Hilfsmittel wie Rollstühle und Prothesen und übernehmen unter anderem mit Spendengeldern aus Deutschland und Italien die Gehälter für Sozialarbeiter, eine Hausmutter sowie die Kosten für Operationen. Dank dieser Hilfe können heute sieben Kinder selbstständig gehen, was ihnen zuvor nicht möglich war.

Durch das Heim ist auch im Dorf viel Positives geschehen: Die Menschen verstecken zum Beispiel ihre behinderten Angehörigen nicht mehr länger zu Hause und die Dorfgemeinschaft übernimmt die Versorgung des Heims mit Essen. Dieses Projekt zeigt, dass es oft keine großen Projekte internationaler Geber braucht! Wenn sich die Gesellschaft gemeinsam engagiert, kann auch mit sehr geringem finanziellen Aufwand viel Gutes geschehen.

Was war Ihre Konsequenz aus dieser Erkenntnis?

Eddy Odari: Sie war der Anlass für ein zweites Projekt, das ich mit einem anderen Deutschland-Alumnus ins Leben rief: Wir möchten die ländliche Bevölkerung zu einem nachhaltigeren Handeln befähigen und haben ein Bildungszentrum eröffnet, wo wir Trainings zum Anbau dürreresistenter Nutzpflanzen anbieten. Mit der Initiative „Eier für Bildung“ (Eggs for Education) stellen wir Frauen Hühner zur Verfügung. Vom Verkaufserlös der Eier legen sie 30 Prozent für die Bildung ihrer Kinder zur Seite und 20 Prozent für Gesundheitskosten.

Erfolgsgeschichten der Ogallo-Osako Memorial Foundation in Kenia

  • Korrigierende Operationen für körperlich behinderte Kinder vor der Einschulung

    Korrigierende Operationen für körperlich behinderte Kinder vor der Einschulung

  • Korrigierende Operationen für körperlich behinderte Kinder vor der Einschulung

    Korrigierende Operationen für körperlich behinderte Kinder vor der Einschulung

  • Förderung von Ausbildung und Hochschulbildung durch Stipendien

    Förderung von Ausbildung und Hochschulbildung durch Stipendien

  • Verbesserung der Infrastruktur

    Verbesserung der Infrastruktur: Aus einem Kochschuppen aus Wellblech ...

  • Aus einem Kochschuppen aus Wellblech wird eine verbesserte Küche und Mehrzweckhalle

    ... wird eine verbesserte Küche und Mehrzweckhalle

  • Moderner und behindertengerechter Waschraumblock

    Bau eines modernen und behindertengerechten Waschraumblocks

  • Moderner und behindertengerechter Waschraumblock

    Bau eines modernen und behindertengerechten Waschraumblocks

  • Trainings zum Anbau dürreresistenter Nutzpflanzen

    Trainings zum Anbau dürreresistenter Nutzpflanzen

  • Training und Projekt zur Hühner- und Schweinezucht

    Training und Projekt zur Hühner- und Schweinezucht

Sie waren aber nicht immer in der Situation, anderen zu helfen?

Eddy Odari: Ich wuchs mit meiner Mutter und meinen sechs Geschwistern in einem Slum von Kisumu im Westen Kenias auf. Schon früh musste ich Geld verdienen, um zum Familieneinkommen beizutragen und den Schulbesuch meiner jüngeren Geschwister mitzufinanizieren.

Allerdings habe ich mich schon während meiner Schulzeit sehr für andere Jugendliche eingesetzt. Ich fand es zum Beispiel nicht hinnehmbar, dass Mädchen nicht mehr zur Schule gingen, sobald sie ihre Periode bekamen, weil es ihnen an Hygieneartikeln fehlte. Aufgrund dieses Engagements haben mich Priester und Nonnen unterstützt und meine Schulgebühren übernommen. Später hatte ich das Glück, Stipendien zunächst für ein Masterstudium in Nairobi und dann für mein Promotionsstudium in München zu bekommen. Ich konnte es kaum glauben, dass mit dem Katholischen Akademischen Ausländer-Dienst (KAAD) jemand in Deutschland die Kosten für meine Ausbildung übernehmen wollte.

Später hatte ich das Bedürfnis, etwas an die Gesellschaft zurückzugeben. Ich wollte benachteiligte Menschen die Leiter hochziehen, so wie mich andere die soziale Leiter hochgezogen hatten. Wenn viele Menschen so denken wie ich, kann das eine Kettenreaktion auslösen.

Was geben Sie Ihren Studierenden – abgesehen vom Lernstoff zur medizinischen Mikrobiologie – mit auf den Weg?

Eddy Odari: In meinen Universitätskursen müssen die Studierenden die wichtigsten lokalen Herausforderungen in ihren Herkunftsorten zunächst identifizieren und dann den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) zuordnen. Das ist aber nur der Anfang, denn ich will ihnen nicht nur die SDGs vorstellen. Sie bekommen die Aufgabe, im Kleinen ein Ziel konkret umzusetzen. Dafür bilden die Studierenden Arbeitsgruppen aus unterschiedlichen Fachbereichen und übersetzen die SDGs in die alltägliche Praxis.

Und welche Rolle spielen die SDGs für Sie in Ihrer Rolle als Deutschland-Alumnus?

Eddy Odari: In Nairobi trifft sich einmal im Monat ein Stammtisch von Deutschland-Alumni. Früher erinnerten wir uns lediglich gemeinsam an unsere Zeiten in Deutschland und sprachen dann immer öfter auch über die aktuelle politische Situation in Kenia. Schließlich befassten wir uns intensiver mit den SDGs – erst redeten wir nur darüber und fragten uns dann allerdings: Was können wir selbst tun? So kam es, dass wir aktuell ein Treffen lokaler Autoritäten zur Umsetzung der Agenda 2030 organisieren.

Auch hier gilt meine feste Überzeugung: Gemeinsam lassen sich sogar tiefe Gräben überbrücken. Wir Alumni müssen den Kontakt zu unseren Freundinnen und Freunden in Deutschland halten. Ihnen verdanke ich zu einem großen Teil den Erfolg der Stiftung, denn sie haben nicht nur viele Spenden mobilisiert, sondern glauben wie ich an die Idee dahinter.

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Interview: Susanne Reiff, to the point communication

Eddy Odaris Überzeugung ist: „Gemeinsam lassen sich tiefe Gräben überbrücken“ (Together we can bridge the gap). Erleben Sie das auch in Ihrer Arbeit, in Ihrem Alltag oder in Ihrer Rolle als Deutschland-Alumni? Berichten Sie uns von Ihren Erfahrungen in der Community-Gruppe „Zukunftsthema Nachhaltigkeit“.

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August 2018

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