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Fedor Smirnov: „Das Alumniportal ist mein Deutschlandbezug“

Name: Fedor Smirnov
Lebt in: Moskauer Region, Russland
Herkunftsland: Russland
Deutschlandaufenthalt: 2001 bis 2002 und 2006 in Marburg 
Bildungs- und Forschungseinrichtung: Philipps-Universität Marburg (Semesterstipendium des DAAD für Germanisten, Forschungsaufenthalt)
Beruf: Geschäftsführer bei Realtime Register RUS, der russischen Vertretung eines niederländischen Unternehmens aus dem IT-Bereich

Sie sind Computerfachmann, Herr Smirnov, Sie arbeiten in führender Position im Bereich Marketing und Öffentlichkeitsarbeit in Moskau – und Sie betreuen auf dem Alumniportal Deutschland die mit mehr als 1.000 Mitgliedern alles andere als kleine Gruppe „Digitale Gesellschaft“. Was hat Sie gereizt, auf dem Alumniportal die Aufgabe eines Gruppenmoderators zu übernehmen?

Fedor Smirnov: Mein Job nimmt wirklich viel Zeit in Anspruch, aber das bedeutet für mich keinesfalls, dass ich auf meine Interessen und Hobbys verzichte. Ich versuche eine vielseitige Person zu bleiben, und etwas Zeit zum Abschalten von Alltagsproblemen ist doch nötig.

Das Alumniportal ist mein Deutschlandbezug: schöne Erinnerungen an die Forschungsaufenthalte, ein Territorium der deutschen Sprache und Kultur im Internet – und das schätze ich sehr hoch. Als ich im Frühjahr 2014 als Alumniportal-Nutzer eine Einladung zu der Gruppe „Digitale Gesellschaft“ bekommen habe, sah ich plötzlich ein, dass die zwei wichtigsten Bereiche in meinem Leben – das Internet und Deutschland – nun zu einer Community geworden sind.

Natürlich hat ein Moderator auch Aufgaben zu erledigen, die nicht immer interessant und abwechslungsreich sind oder manchmal nach Routine schmecken. Die Hauptsache ist eine persönliche Einstellung zu dieser Tätigkeit. Moderation in der Gruppe bedeutet für mich viel Positives, die Vertiefung von Sprachkenntnissen (Englisch und Deutsch) und neue Kontakte mit hervorragenden Menschen aus der ganzen Welt.

„Ein guter Moderator kennt seine Gruppe“

Hinter jeder erfolgreichen Gruppe steckt ein guter Moderator. Er ist oft Katalysator, Zuhörer, Input-Geber und muss Fachleute und Laien aus unterschiedlichen Kulturen und Ländern an einen Tisch bringen. Was ist für Sie persönlich die größte Herausforderung?

Fedor Smirnov: Ein guter Moderator kennt seine Gruppe, hat eine Vorstellung von ihren Interessen, hat einen persönlichen Kontakt zu den aktivsten Mitgliedern. Die größte Herausforderung für einen Moderator ist, „das große Los zu ziehen“ mit einem Thema, das besonders gut von der Community akzeptiert wird. Das schönste Gefühl ist ein Volltreffer, wenn deine Inhalte eine lebhafte Diskussion provoziert haben. Ein Moderator kann nur vermuten, dass dieser oder jener Beitrag bei der Gruppe gut ankommt. Er versucht das Thema möglichst optimal zu servieren und schlägt es der Community vor – und dann wartet er atemlos, wie die Gruppe reagiert. Einen Volltreffer zu entdecken – das ist wirklich ein Traum für jeden Moderator.

Kann man alles moderieren und oder geht die Community auch manchmal eigene Wege? Reagiert die Community immer so auf die von Ihnen vorgeschlagenen Themen, wie Sie sich das gedacht haben?

Fedor Smirnov: Die Internet-Community ist in der Regel eine sich selbstorganisierende Struktur, die schwer zu verwalten ist. Ein Moderator kann sehr wenig Zeit am Steuer verbringen, häufiger spielt er eine andere Rolle – zum Beispiel die eines Beobachters, eines Analytikers, eines Beraters. Man kann wohl sagen, er spielt mit der Community und mit den Inhalten: Manche Themen reizen Gruppenmitglieder, die anderen lassen sie eher kalt. Es ist oft schwierig zu reflektieren, warum. Überraschungen sind nicht selten.

Als Sie 2006 als DAAD-Stipendiat in Marburg geforscht haben, gab es das Alumniportal Deutschland noch gar nicht. Wie und wann sind Sie vom Stipendiaten zum Deutschland-Alumnus und dann zum Moderator geworden?

Fedor Smirnov: Stimmt, zum ersten Mal habe ich vom Portal erst Ende 2013 gehört und später eine E-Mail mit der Einladung in die Gruppe „Digitale Gesellschaft“ bekommen. Ich fand einige Themen, die damals aufgegriffen wurden, sehr interessant und habe an einigen Webinaren teilgenommen. Digitale Gesellschaft und die Weiterentwicklung des Internets sind mir viel früher wichtig geworden als meine erste Begegnung mit dem Alumniportal Deutschland. Ich bin in der globalen Organisation „Internet Society“ aktiv, die für ein offenes und zugängliches Internet weltweit und auch in Russland wirbt. Als ich auf die Anzeige stieß (Moderator für die Gruppe „Digitale Gesellschaft“ gesucht), dachte ich, es sei eine Chance – meine Sprachkenntnisse aufzufrischen, eine neue Rolle auszuprobieren, neue Bekanntschaften zu machen. 

Community-Management: Aller Anfang ist schwer

Welche Tipps können Sie aus Ihrer Erfahrung heraus anderen Gruppenmoderatoren auf dem Alumniportal für ein gutes Community-Management geben?

Fedor Smirnov: Aller Anfang ist schwer, also: Ruhe, Selbstvertrauen und Motivation sind wichtig – egal, was kommt. Man muss in der großen Masse der Portal-Nutzer diejenigen entdecken, die bereit sind zu kommunizieren, Ideen auszutauschen und etwas Leben in die Gruppe zu bringen. Es ist besonders wichtig, diese Aktiven zu finden, sie für die Gruppe zu begeistern und diese Begeisterung dann aufrechtzuerhalten. Wenn man ein großes Interesse fürs Thema hat, so kommen die Schlüsselkompetenzen in der Moderation von selbst.

Zum Profil von Fedor Smirnov in der Community

Dieses Interview stammt aus dem Jahresbericht 2014 des Alumniportals Deutschland.

Juni 2016

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