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N'Golo Konare: „In Deutschland hat mir gefallen, wie Menschen mit einer Behinderung gefördert werden“

Name: N'Golo Konare
Lebt in:  Bamako, Mali
Deutschlandaufenthalt: 2002-2003 mit DAAD-Stipendium
Bildungseinrichtung: Philipps-Universität Marburg
Beruf: Deutschlehrer

Ich bin blind und arbeite als Sprachlehrer am nationalen Sprachzentrum des Bildungsministeriums. Meine Aufgabe als Ausbildungshilfe besteht darin, malischen Soldaten die deutsche Sprache und Kultur näher zu bringen. Diese Soldaten bekommen ein Stipendium von der Bundeswehr und werden zunächst bei uns sprachlich betreut.

„In Deutschland habe ich gelernt, auf eigenen Füßen zu stehen“

In meinem Land gab es keine Einrichtung, die die Zuständigkeit hatte, Menschen mit einer Behinderung zu betreuen. In der Schule mussten wir wie normale Schüler lernen und alles machen wie die anderen. Viele mussten deshalb die Schule verlassen.

In Deutschland hat mir gefallen, wie Menschen mit einer Behinderung behandelt und gefördert werden. Bei uns sind solche Menschen benachteiligt. In Deutschland habe ich gelernt, auf eigenen Füßen zu stehen und nicht bloß auf die Hilfe anderer Menschen zu warten. Ich habe durch den Kontakt mit anderen Behinderten aus der Blinden-Studienanstalt gelernt, mein eigenes Leben zu steuern.

Die Menschen in Deutschland tolerieren sich trotz Unterschiede. Obwohl der Kontakt am Anfang meistens nicht leicht ist: Viele Deutsche sind zurückhaltend, wenn sie einen nicht kennen. Bei uns in Mali kann man auch einen fremden Menschen auf der Straße grüßen. Die Deutschen sind meiner Meinung nach sehr misstrauisch, aber wenn sie einen einmal kennengelernt haben, werden sie offener. Ansonsten finde ich es gut, dass Deutschland auf die Umwelt achtet und ein sehr sauberes Land ist.

„Mein Ziel ist es, ein Sekretariat ins Leben zu rufen, das sich mit behinderten Lernenden beschäftigt“

Ich möchte meine in Deutschland erworbenen Kenntnisse hier in Mali einsetzen und versuche seit mehreren Jahren, ein Studiensekretariat für behinderte Studenten an der Universität einzurichten. Die universitäre Infrastruktur hier berücksichtigt behinderte Menschen bisher leider nicht. Mein Ziel ist es, ein Sekretariat ins Leben zu rufen, das sich mit behinderten Lernenden beschäftigt. Wir wollen den Behinderten eine Chance geben, ihr Studium zu verfolgen und zu Ende zu bringen. Das Büro soll sich um passende Infrastrukturen, alltägliche Probleme wie Einschreibung, Beratung und Stipendien kümmern.

Die Einrichtung des Studiensekretariats war wegen der instabilen politischen Lage in Mali seit 2012 nicht einfach. Ein solches Projekt braucht Stabilität. Trotz aller Schwierigkeiten will ich weiter für die Rechte behinderter Menschen kämpfen. Die Umsetzung des Studiensekretariats wird ein bedeutender Schritt zur Unterstützung blinder Studierender in Mali sein. Es kann auch viele Vorurteile gegenüber behinderten Menschen abbauen. Sein Erfolg hängt aber von dem Engagement des Staats beim Thema Inklusion ab.

Seit 2012 bin ich Vorsitzender des Vereins der ehemaligen Schüler der Blindenschule in Mali. Der Verein sammelt vor allem Spendengelder, um damit Braille-Papier und andere Hilftsmittel für Blinde zu kaufen.

Übrigens bin ich auch Musiker. Ich spiele Gitarre, Klavier und Flöte. 1995 gewann ich bei einem Musikwettbewerb der UNESCO. Von dem Preisgeld kaufte ich Musikinstrumente und gründete ein Orchester mit anderen behinderten Musikern. Musik ist von großer Bedeutung für die Entwicklung behinderter Menschen.

N'Golo Konare zum Alumniportal Deutschland

Im Alumniportal Deutschland würde ich mich gerne über kulturelle und interkulturelle Themen austauschen. Politik interessiert mich auch.

Zum Profil von N'Golo Konare in der Community


Aktualisiert: Juni 2016

Kommentare

Yezad Kapadia
15. Juni 2016

Meine Hochachtung fuer Herrn Konare. Wir brauchen mehr von solchen Leuten.

Maria Angela Torres Kremers
15. Juni 2016

Ich kenne ihm nicht, aber sein Leben ist sicher ein Besipiel für alle.

Bourahima Zongo
23. Oktober 2012

Herrn Konaré kenne ich persönlich.... ein eminenter Alumnus. Ein echtes Vorbild für die afrikanischen Jugend. Millionen Menschen, die mit so einem Handicap leben, geben einfach auf. Viele sitzen einfach am straßenrand und betteln, leben von Almosen. Der Herr Konaré ist die Säule einer riesen Familie. Er ist auch bekannter Musikmacher inseinem Land und engagiert sich sehr stark in der Förderung der Rechte von Menschen mit einer Behinderung

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