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Dr. Shaban Mayanja: „Die Germanistik hat in Ostafrika eine große Zukunft“

Name: Dr. Shaban Mayanja
Lebt in: Nairobi, Kenia
Herkunftsland: Uganda / Österreich
Deutschlandaufenthalt: seit 1991 immer wieder
Bildungs- und Forschungseinrichtung: Leibniz Universität Hannover
Beruf: Universitätsdozent

Ist die Germanistik in der Krise? Über die zuletzt unter anderem im Nachrichtenmagazin „Spiegel“ und in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ diskutierte Frage kann man wahrlich streiten. In Kenia erlebt DAAD-Lektor Dr. Shaban Mayanja jedenfalls das Gegenteil: Seine Studierenden finden Arbeit bei deutschen Firmen, im Tourismus oder werden Deutschlehrer. Sie interessieren sich für Literatur ebenso wie für die aktuellen politischen Entwicklungen in Deutschland.

Nachwuchsförderung in der Region Subsahara-Afrika

Shaban Mayanja wurde in Uganda geboren. Dort hat er Germanistik an der Makerere-Universität in Kampala studiert. „Ich hätte auch Jura studieren können, aber mein Interesse an Germanistik und meine Begeisterung für die deutsche Sprache waren stärker“, erzählt er. Dann ging er an die Universität des Saarlandes in Saarbrücken und wurde schließlich an der Leibniz Universität Hannover promoviert. An den Universitäten von Hannover, Bayreuth und Wien unterrichtete er Deutsch und Übersetzungswissenschaft. Seit Oktober 2012 unterrichtet Mayanja – er ist mittlerweile österreichischer Staatsbürger – als DAAD-Lektor mit einer Kollegin deutsche Literatur, Landeskunde und Interkulturelle Studien an der Universität von Nairobi: „Außerdem koordiniere ich das vom DAAD geförderte Masterprogramm, an dem neben Kenia Studierende aus sieben afrikanischen Ländern teilnehmen: Uganda, Sudan, Äthiopien, Simbabwe, Kamerun, Ghana und Nigeria.“ Dieses Programm mit derzeit zehn Studierenden sei zentral für die Nachwuchsförderung der Germanistik in der Region Subsahara-Afrika.

Aufgrund seines Werdegangs ist Shaban Mayanja für die Studierenden ein gesuchter Ansprechpartner: „Sie fragen mich zum Beispiel ‚Kann ich auch DAAD-Lektor werden?‘ und wollen wissen, wie es mir als Afrikaner in Deutschland ergangen ist.“ Als starke Wirtschaftsmacht, aber auch als erfolgreiche Fußball-Nation habe Deutschland ein positives Image in Kenia. Die Studentinnen und Studenten –  der Frauenanteil liegt bei etwa 70 Prozent – seien sehr gut informiert und brächten gute Sprachkenntnisse mit. „Sie verfolgen aufmerksam die Diskussionen über Flüchtlinge. Die Situation der Ausländer in Deutschland liegt ihnen sehr am Herzen“, sagt Mayanja.

„Wie eine europäische Stadt“

An der Universität von Nairobi schätzt der DAAD-Lektor unter anderem die gute Ausstattung: „In Kenia funktioniert die Infrastruktur. Es gibt kaum Engpässe, das erleichtert die Arbeit.“ Wissenschaftliche Quellen online zu studieren und im Unterricht den Laptop zu nutzen, sei nahezu Standard. Kontakte zur Bevölkerung außerhalb der Hochschule gebe es allerdings kaum, erzählt Mayanja. „Nairobi wirkt auf mich eher wie eine europäische Stadt. Ich wohne mit meiner Frau und meinem Sohn ein wenig außerhalb in einem Mehrfamilienhaus. Es ist sehr schön dort und es gibt auch einen kleinen Swimmingpool. Zwar haben wir wenig Kontakt zu den Nachbarn, dafür aber einen recht großen Freundeskreis außerhalb unseres Wohnorts. Das erinnert mich tatsächlich etwas an Hannover.“

Die Angst vor Terroranschlägen wie der Überfall auf das Westgate-Einkaufszentrum in Nairobi im September 2013 durch die somalische Al-Shabaab-Miliz hat sich auf den Campus ausgewirkt. „Die Hochschule gleicht einem Hochsicherheitstrakt“, sagt Mayanja. „Am Haupteingang und an den Eingängen vor jedem Hörsaal gibt es Taschenkontrollen.“ Auch sollte man aufpassen, wenn man an die Küste geht. „Aber wir haben gelernt, mit dieser Situation umzugehen“, so der DAAD-Lektor.

Viele seiner Studentinnen und Studenten belegen Germanistik in Kombination mit Chinesisch, Koreanisch oder Internationalen Beziehungen, berichtet Mayanja: „Sie erhoffen sich davon bessere berufliche Chancen, bei einer international tätigen deutschen Organisation arbeiten zu können.“ Deutsche Firmen in Kenia, die Gastronomie und der Tourismus sind weitere Ziele. Auch der Job des Deutschlehrers ist zu einer festen Option geworden. Dass die dritte große Tagung des 2015 gegründeten Ostafrikanischen Germanistenverbandes Ende Juni 2017 in Nairobi stattfinden wird, freut Shaban Mayanja: „Die Germanistik hat in Ostafrika eine große Zukunft“, sagt er.

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Dieser Artikel wurde ursprünglich auf DAAD.de publiziert.

(c) Claudia Wallendorf / Societäts-Medien, DAAD aktuell

März 2017

Kommentare

Kouadio DIAN
15. Mai 2017

Ich heiße Kouadio DIAN. Ich komme aus der Côte d'Ivoire(Elfenbeinküste). Von 1975 bis 1978 habe Germanistik an der Abidjaner Universität studiert. 1979 Pädagogische Hochschule in Abidjan. 1979 - 1980 war ich in Saabrücken an der Universität des Saarlandes. Zur Zeit bin ich Fachberater für Deutsch in San Pedro, der zweiten Hafenstadt der Côte d'Ivoire. Unser Land ist das erste Kakaoproduzent der Welt. Meine Liebe zu dieser Sprache besteht darin, dass ich 6-mal nach Europa gereist als deutscher Stipendiat.

Emmanuelle Nkodia
11. April 2017

Ich komme aus dem Kongo, wo das Studieren der Deutschsprache bisher unvorstellbar. Für die meisten Kongolese ist es empfehlenswert Englisch, Italienisch und sogar Chinesisch zu studieren. Lust an der Deutschsprache haben sie nicht. Ich bin echt ersttaunt, dass es nicht nur der Fall in Kenia ist, sondern auch dass dieser Bereich gefördert ist.

Abdenaceur
30. März 2017

In Marokko, wenn Sie deutsch beherrschen, dann landen Sie in call center und nichts anders. Deutsch hat leider noch nicht durschsetzen koenen gegen franzoesich oder english

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