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Varun Poonekar: „Durch die duale Weiterbildung habe ich meinen Horizont ungemein erweitert“

Name: Varun Poonekar
Lebt in: Pune, Maharashtra, Indien
Herkunftsland: Indien
Deutschlandaufenthalt:
Ende September bis Mitte Oktober 2013
Bildungseinrichtung: Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW)
Beruf: Supply-Chain-Management

Die Hochschulbildung in Indien gilt als sehr gut, aber meist fehlt der Praxisbezug. Das Indo-German Training Centre (IGTC) bietet daher in Kooperation mit der deutschen Wirtschaft in Indien eine Weiterbildung für Hochschulabsolventen an. Für Varun Poonekar hat sich die Teilnahme auf jeden Fall gelohnt.

„Beruflich hat sich bei mir in den letzten zwei Jahren viel getan. Zum Beispiel fange ich nun ganz pünktlich um acht Uhr morgens an“, sagt Varun Poonekar und lacht. Er arbeitet in der westindischen Millionenstadt Pune für die indische Tochtergesellschaft der deutschen BPW Gruppe. „Aber im Ernst: Natürlich haben sich noch ganz andere Dinge verändert. Ich trage nun viel mehr Verantwortung, ich habe meinen Horizont ungemein erweitert – und ich spreche Deutsch.“

Praktische Erfahrungen durch duale Weiterbildung

Varun Poonekar hat an dem Weiterbildungsprogramm „Post Graduate Programme of Business Administration (PGBA)“ des Indo-German Training Centre (IGTC) teilgenommen. Angelehnt an das duale Studium in Deutschland durchlaufen die Teilnehmer zunächst eine einjährige theoretische Ausbildung mit einem kaufmännischen Schwerpunkt. Danach gehen sie zu einem sechsmonatigen Praktikum in ein – meistens – deutsches Unternehmen. „Mein Praktikum konnte ich bei Bosch in Indien machen“, erzählt Varun Poonekar. „Das war sehr interessant für mich, da ich in unterschiedlichen Abteilungen in ganz Indien eingesetzt wurde. Ich habe also nicht nur fachlich profitiert, sondern auch viele verschiedene Menschen und kulturelle Besonderheiten aus dem ganzen Land kennengelernt. Wann hat man dazu schon mal die Möglichkeit?“

Video: Weiterbildungsprogramm PGBA des IGTC 2014-2016 (englisch)

Deutsche Unternehmen profitieren von dualem Programm

Von dem Programm hat er in einem Artikel in der größten indischen Zeitung „Times of India“ erfahren. Zu diesem Zeitpunkt hatte Varun Poonekar bereits Maschinenbau studiert und einen Job in einem indischen Unternehmen. „Ich habe gezielt nach einer Weiterbildung gesucht“, sagt er. „Und ich wollte dabei einen Deutschlandbezug haben.“ Zwei Monate später konnte er anfangen.

Wer an der dualen Weiterbildung teilnehmen möchte, muss zunächst ein Auswahlverfahren durchlaufen. Dieses besteht aus einem schriftlichen Test, einer Gruppendiskussion und schließlich aus einem Bewerbungsgespräch mit Vertretern des Unternehmens, das sich der Kandidat für sein Praktikum ausgewählt hat. Jeder Teilnehmer muss etwa 3.500 Euro für das Programm selbst bezahlen. „Gebühren für die eigene Ausbildung zu bezahlen, ist in Indien aber gang und gäbe“, sagt Judith Evers von der Deutsch-Indischen Handelskammer in Mumbai. Die restlichen Kosten für das Programm tragen die Unternehmen, welche die Praktikumsplätze anbieten.

Die Investitionen lohnen sich für beide Seiten: „Wir schreiben eine wirkliche Erfolgsgeschichte“, sagt Radhieka R. Mehta, Direktorin des IGTC. „Seit dem Beginn des Programms 1991 haben wir etwa 1.500 Absolventen ausgebildet. Wir sind damit die Plattform Nummer eins für deutsche Unternehmen, die in Indien qualifizierte Arbeitskräfte suchen.“ Die Absolventen des Programms punkten vor allem durch die praktischen Erfahrungen, die sie während der Weiterbildung machen können. „Die Hochschulbildung ist in Indien qualitativ sehr hochwertig“, sagt Judith Evers. „Oft fehlt aber der praktische Teil“, ergänzt Varun Poonekar. „Ich habe erst durch die Weiterbildung aus der Praxis heraus gelernt, wie ein Unternehmen funktioniert und welche Bedürfnisse die Industrie hat.“

Mein Studium in meinem Heimatland ...

Fließend Deutsch in knapp drei Jahren

Teil der Weiterbildung ist außerdem ein zweiwöchiger Deutschlandaufenthalt, der in Kooperation mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) organisiert wird. Varun Poonekar war im Herbst 2013 in Karlsruhe. „Das hat mich sehr motiviert, Deutsch zu lernen. In Indien habe ich dann an Deutschkursen am Goethe-Institut teilgenommen“, erzählt er. Mit großem Erfolg: Heute spricht er fließend Deutsch und ist die Schnittstelle in seinem Unternehmen, an der die Kommunikation aus Deutschland und Indien zusammenläuft. „Ich schreibe und spreche mit den deutschen Kollegen fast nur auf Deutsch. Das ist effektiver für die gesamte Kommunikation“, sagt er.

Seine guten Deutschkenntnisse haben neben seiner dualen Weiterbildung übrigens dazu beigetragen, dass BPW ihn eingestellt hat. „Ich würde jedem raten, Möglichkeiten zur praktischen Fortbildung zu nutzen und eine Fremdsprache zu lernen“, sagt Varun Poonekar. „Das erhöht die Chancen auf dem Arbeitsmarkt enorm.“

Und seine Ziele? „Ich möchte gerne noch einmal nach Deutschland reisen – und dann länger als ein paar Tage. Vielleicht bekomme ich ja in Zukunft die Chance, für mein Unternehmen einige Wochen in Deutschland zu arbeiten.“

Zum Profil von Varun Poonekar in der Community

Interview: Verena Striebinger

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Juli 2016

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