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„Ich wollte wissen, wie die Welt funktioniert“

Über ein DAAD-Stipendium konnte Isabela Paredes Cisneros in Heidelberg und Santiago de Chile Medizinische Physik studieren. Inzwischen arbeitet die Kolumbianerin an ihrer Doktorarbeit und hat ein gutes Rezept für den Culture Clash gefunden.

Bevor sie Leute zu sehr mit wissenschaftlichen Phrasen verschreckt, setzt Isabela Paredes Cisneros auf den „Radio Man“. Das ist eine Superhelden-Figur, die sehr unterhaltsam erklären kann, wie Strahlentherapie funktioniert und wie die Krebsforschung versucht, diese immer weiter zu optimieren. Mit dieser Showeinlage konnte sie als Studentin in Heidelberg 2018 einen Preis bei einem Science-Slam gewinnen. Im Gegensatz zu Poetry Slam, wo einfache lustige Geschichten erzählt werden, geht es beim Science-Slam darum, wissenschaftliche Fakten möglichst humorvoll auf einer Bühne zu präsentieren. Am Ende stimmen die Zuschauer ab, wem das am besten gelungen ist. In der Summer School des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) konnte der Radio Man, der als Comicfigur durch die Präsentationsfolien wirbelte, offenbar überzeugen.

Inzwischen ist die 26-Jährige an dieser renommierten Heidelberger Institution Doktorandin, aber ihre Leidenschaft, komplizierte Sachverhalte schwungvoll zu vermitteln, ist geblieben: „Ich mag es, Leute zu unterhalten. Science-Slam ist auch eine gute Möglichkeit, Wissenschaft der Öffentlichkeit näher zu bringen. In Zusammenhang mit Krebs gibt es so viele Vorurteile: Viele Leute denken zum Beispiel, dass eine Chemo- oder Strahlentherapie generell etwas Schlimmes ist. Aber das stimmt nicht. Ich finde es deswegen wichtig, Menschen aufzuklären. Dabei kann Humor hilfreich sein.“ Dass Isabela heute am DKFZ forschen kann, hat die gebürtige Kolumbianerin einem DAAD-Stipendium zu verdanken, mit dem sie ihr Masterstudium parallel in Santiago de Chile und der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg absolvierte. Diese besondere Kooperation läuft über das Heidelberg Center Latein Amerika, eines der Exzellenzzentren des DAAD. 

Menschen direkt helfen

Schon als Kind wollte Isabela „wissen, wie die Welt funktioniert“. Nach der Schule war klar, dass sie Physik studieren würde. Doch nach dem Bachelor-Studium kam die erste Krise: „Meine Liebe zu dieser Wissenschaft schwand erstmal, weil ich nicht wusste, welchen Beruf ich damit ausüben wollte. Dann entdeckte ich für mich die Medizinische Physik. Daran gefällt mir, dass es Menschen direkt hilft, denn es geht darum, Strahlentherapie, Lasertechnik oder die medizinische Bildgebung zu verbessern.“ Mitten im Entscheidungsprozess, wie es nach dem Physik-Bachelor weitergehen soll, stieß sie zufällig auf den DAAD. Sie traf zwei Professoren vom Heidelberg Center für Lateinamerika, dem DAAD-Exzellenzzentrum in Chile. Isabela: „Mit dem DAAD-Stipendium konnte ich Medizinische Physik gleich auf höchstem Niveau studieren. Deutschland ist sozusagen der Standard für viele Bereiche der Physik. Die Möglichkeit, von weltweit führenden Forschern zu lernen, war großartig.“

Wenn alles nach Plan läuft, kann sie in zwei Jahren einen Doktortitel vor ihren Namen setzen und überlegen, in welche Richtung sie beruflich gehen will. Denn die Möglichkeiten für Medizinphysiker sind vielfältig: „Ich forsche sehr gern, aber es ist schwer, Professorin zu werden, weil es in Deutschland viel Konkurrenz gibt. Der Managementpart in der Wissenschaft reizt mich auch. Ebenfalls könnte ich in die Industrie gehen oder in die Wissenschaftskommunikation.“


Den Kulturschock überwinden

Eine Rückkehr nach Lateinamerika kann sich Isabela erstmal nicht vorstellen, „denn die Situation ist dort gerade sehr kompliziert“. Außerdem hat sie sich an ihre neue Heimat schon ein wenig gewöhnt: „Ich bin zwar durch und durch kolumbianisch, aber inzwischen auch ein wenig deutsch.“ So ist sie mit dem Kulturschock – der wohl jeden Menschen aus Lateinamerika früher oder später einholt, der Zentraleuropa besucht, – ganz gut zurechtgekommen. „Ich nehme mir einfach das Beste aus beiden Welten, schließlich mag ich es, von anderen Kulturen zu lernen. Ich bin sehr pünktlich und sage immer klar, was ich möchte. Auf der anderen Seite nehme ich die Dinge etwas leichter, so wie bei uns in Kolumbien.“ Auf die Frage, was Deutsche von Kolumbianern lernen könnten, muss die Nachwuchsforscherin nicht lange überlegen: „Tanzen! Das wäre das wichtigste. Außerdem solltet ihr schätzen lernen, was für gute Sachen ihr habt. Ihr beschwert euch so oft, dass die Bahn Verspätung hat – aber viele Menschen auf der Welt haben solche öffentlichen Verkehrssysteme gar nicht.“

Autor: Klaus Rathje


Isabela Paredes Cisneros

Die 26-Jährige ist in der kolumbianischen Stadt Popayán aufgewachsen und studierte zunächst Physik an der Universidad Nacional de Colombia in Bogotá. Über ein DAAD-Stipendium konnte sie den internationalen Masterstudiengang Clinical Medical Physics (CMP) besuchen, der von der Päpstlichen Katholischen Universität in Santiago de Chile und der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg angeboten wird. Darüber hinaus ist das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) an diesem Studiengang beteiligt. Hier hat Isabela Paredes Cisneros seit ihrem Abschluss 2018 eine Doktorandenstelle und ist an Forschungsprojekten für Angewandte Medizinische Strahlenphysik beteiligt.


Exzellenzzentren für Forschung und Lehre

Das Interview mit Isabel Paredes Cisneros wurde im Rahmen der Feier zum zehnjährigen Jubiläum der „Exzellenzzentren in Forschung und Lehre“ geführt. Diese fand am 7. November 2019 in Berlin statt. Dazu kamen Verantwortliche aus allen fünf Instituten und den zugehörigen Hochschulen nach Berlin und berichteten von ihrer Arbeit


Haben Sie Ideen, wie man – abgesehen vom Science Slam – Wissenschaft der Öffentlichkeit näher bringen kann? Lassen Sie es uns in den Kommentaren wissen!

Dezember 2019

Kommentare

Rafael Quintero
21. Januar 2020

Wunderbar!!!!

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