Deutsch als Wissenschaftssprache lernen: drei Strategien für internationale Studierende und Wissenschaftler:innen

Wer Deutsch lernt, muss viele Register beherrschen: persönliche und berufliche, passive und aktive, informelle und formelle Kommunikation. Ressourcen und Hilfsmittel zum Erlernen der deutschen Wissenschaftssprache gibt es reichlich, doch bei der riesigen Auswahl kann man leicht den Überblick verlieren.

Falls Sie vorhaben, in Deutschland zu studieren oder zu forschen (oder dies bereits tun), empfehle ich Ihnen drei Strategien, wie Sie die deutsche Wissenschaftssprache lernen können. Stellen Sie sich diese drei Strategien als einen Prozess mit folgenden Stufen vor:

  1. vor der Studienzeit oder Forschungstätigkeit,
  2. während der Studienzeit oder Forschungstätigkeit und
  3. Vorbereitung auf die Jobsuche und den Einstieg in den Arbeitsmarkt. Los geht‘s.

Die ersten Schritte: Deutsch als Wissenschaftssprache

Deutsch als Wissenschaftssprache anzuwenden, heißt, auf Deutsch zu studieren, zu forschen und zu publizieren. Trotz der globalen Dominanz des Englischen, gerade im Hochschulwesen und in der Wirtschaft, ist Deutsch in der akademischen Welt eine beliebte Sprache. Viele gute Gründe sprechen dafür, Deutsch als Wissenschaftssprache zu erlernen. Lassen Sie mich gleich vorwegnehmen, dass es alles andere als einfach ist, auf Deutsch zu studieren und in dieser Sprache auf akademischem Niveau schreiben zu können. Noch immer tue ich mich schwer damit, wissenschaftliche Texte auf Deutsch abzufassen, während es mir auf Englisch keine großen Probleme bereitet. Auch wenn Englisch nicht Ihre Muttersprache sein sollte, haben Sie wahrscheinlich erst Englisch und später Deutsch gelernt, sodass es Ihnen leichter fallen dürfte, auf Englisch zu schreiben. Und falls Sie wissenschaftlich tätig sind, wird man Ihnen womöglich nahelegen – oder Sie sogar dazu verpflichten –, in englischer Sprache zu publizieren. Dennoch möchte ich allen, die vorhaben, in Deutschland zu studieren, zu forschen oder aus der Ferne mit deutschen Kolleg:innen zusammenzuarbeiten, meine Sicht der Dinge darlegen: Englischsprachige Publikationen sind zwar auf vielen Fachgebieten ein absolutes Muss, aber wenn Sie im deutschsprachigen Teil der Welt an wissenschaftlichen (und nicht wissenschaftlichen!) Konversationen teilhaben wollen, kommen Sie um Deutsch als Wissenschaftssprache nicht herum. Der Klett Verlag hat eine sehr nützliche Buchreihe rund um die Themen Lesen, Schreiben und Präsentieren auf Deutsch aufgelegt: Deutsch für das Studium. Die Bücher richten sich an internationale Studierende in Deutschland, eignen sich aber auch für alle, die in der Forschung tätig sind und Ihre Kenntnisse verbessern möchten.

Falls Sie studieren, sollten Sie unbedingt das Kursangebot Ihrer Hochschule prüfen. Viele Hochschulen bieten spezielle Lehrgänge an, beispielsweise Bildungssprache Deutsch. Vielleicht käme für Sie sogar ein Sommer- oder Winterkurs, wie Deutsch als Wissenschaftssprache in Halle, infrage. 

Deutsch im wissenschaftlichen Alltag: Textbausteine

Wenn Sie bereits seit einiger Zeit Deutsch lernen, haben Sie sicher schon festgestellt, dass Textbausteine ein nützliches Hilfsmittel beim Lernen sind. Die meisten Sprachen haben sehr kreative – und grammatisch nuancierte – Ausdrucksmöglichkeiten, und dies trifft durchaus auch auf das Deutsche zu. Allerdings gibt es im Deutschen bestimmte Wendungen und Formulierungen, die standardisiert sind oder es zumindest sein können, ohne klischeehaft oder repetitiv zu klingen. Solche Textbausteine können Ihnen beim Lernen helfen, den Rhythmus und die Struktur der Sprache zu verinnerlichen. Davon abgesehen haben sie eine ganz praktische Dimension: In manchen Situationen ist einfach nützlich zu wissen, wie man ein bestimmtes Anliegen formell artikulieren kann, ohne erst mühsam einen grammatisch korrekten Satz bilden zu müssen. Ein empfehlenswertes Tool dafür ist UniCommDeutsch, ein Online-Formulierungswörterbuch, das Studierenden dabei hilft, Gespräche mit Lehrkräften zu führen, E-Mails zu verfassen, mündliche Präsentationen vorzubereiten und an Gruppendiskussionen im Seminar teilzunehmen.

Vor der Jobsuche: auffrischen und wiederholen

Beim Schreiben, etwa beim Formulieren einer Bewerbung, weiß man mitunter ganz genau, wie man sein Anliegen in der eigenen Muttersprache ausdrücken würde. In einer Fremdsprache wie Deutsch ist es oft nicht so einfach. Deshalb empfiehlt es sich, zur Vorbereitung auf Bewerbungen und Vorstellungsgespräche nützliche Satzstrukturen, Vokabeln und grammatische Regeln zu wiederholen. Das Goethe-Institut bietet dafür das kostenlose Übungsangebot „Training für den Beruf“, das eine hervorragende Gelegenheit darstellt, Bewerbungsschreiben, Lebensläufe und Vorstellungsgespräche zu üben. Das Angebot geht nicht allzu sehr in die Tiefe, reicht aber völlig aus, um Ihr sprachliches Wissen für diese Anwendungszwecke aufzufrischen. Selbst Fortgeschrittene können davon profitieren, gewisse Grundkonzepte zu wiederholen – schließlich vergisst jeder Mensch Gelerntes, das er längere Zeit nicht angewendet hat.

Allen, die in Deutschland studieren, forschen oder arbeiten möchten, empfehle ich seit jeher, von Anfang an Deutsch für den Beruf zu lernen. Deutsch als Wissenschaftssprache ist seltener ein Thema, obwohl es schon lange vor der Arbeitssuche in Deutschland benötigt wird. Wenn Sie sich auf Deutsch für den Beruf – und für die Wissenschaft – konzentrieren und das Fachvokabular Ihrer Disziplin aneignen, wird Ihre Motivation schnell steigen, was den weiteren Lernerfolg begünstigt.

Autorin: Jessica Schüller

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Wer ist Jessica Schüller?

Jessica Schüller ist Graduierte und Erasmus Mundus-Stipendiatin im Rahmen des Programms Master in Research and Innovation in Higher Education (MaRIHE) an der Universität Tampere in Finnland und der Donau-Universität Krems in Österreich. Derzeit plant sie ihre Rückkehr in die USA, um dort im Bereich Bildungspolitik und Verwaltung zu promovieren. Dennoch möchte sie ihre binationale Karriere ausbauen und dafür zwischen Deutschland und den USA pendeln. Wohin auch immer es sie letztlich verschlagen wird, sollen Deutschland und die Zusammenarbeit mit Menschen aus Deutschland auch weiterhin eine prominente Rolle in ihrer Tätigkeit spielen. Hier können Sie mehr über ihre Arbeit erfahren und sich mit ihr in Verbindung setzen:

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