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Digital vernetzt: Dhoch3

Eine innovative Plattform auf höchstem wissenschaftlichem Niveau, die Hochschulen weltweit kostenfrei und digital zur Verfügung steht: Mit dem neuen Förderprogramm Dhoch3 setzt der DAAD bei der akademischen Deutschlehrerausbildung neue Impulse.

Globalisierung, internationalisierte Hochschulen, eine starke deutsche Wirtschaft: In vielen Regionen der Welt steigt die Nachfrage nach Deutsch, denn die bilaterale Zusammenarbeit und der deutsche Wissenschafts- und Arbeitsmarkt bieten interessante Perspektiven. Mit dem Fokus auf die berufliche Laufbahn ändern sich jedoch die Anforderungen an die Vermittlung von Deutsch als Fremdsprache (DaF), wie Lyubov Nefedova, Germanistikprofessorin an der Pädagogischen Universität Moskau, erklärt. „Neue Anwendungsbereiche für den Spracherwerb erfordern neue Konzepte, und internetgestützten Lernformen kommt dabei eine wachsende Bedeutung zu“, sagt sie. Nicht zuletzt deshalb stehe Dhoch3, das neue Förderprogramm des DAAD zur akademischen Deutschlehrerausbildung, für die Entwicklung des neuen Masterstudienganges „Deutsch und moderne Bildungstechnologien“ an ihrer Hochschule Pate. „Dadurch verzeichnen wir einen echten Qualitätszuwachs“, erzählt Nefedova. „Nun können wir beispielsweise den Unterricht komplett auf Deutsch gestalten.“

Die vom Auswärtigen Amt finanzierte digitale Plattform, die seit Mai online ist, hilft nicht nur russischen Hochschulen, dem wachsenden Bedarf an Deutschlehrern gerecht zu werden: Mit virtuellen Kursräumen, einer umfassenden Datenbank und Volltextzugang zu Fachliteratur ist Dhoch3 überall auf der Welt einsetzbar. „Dozenten und Studierende auf Masterniveau können unabhängig vom jeweiligen Aufenthaltsort auf die Übungen, Texte sowie umfassende Lehrmaterialien zugreifen und sich darüber in Chats oder Wikis austauschen“, sagt Benjamin Schmäling vom DAAD-Referat Germanistik, deutsche Sprache und Lektorenprogramm. Und all dies auf dem aktuellen Stand der Forschung: Die Onlineplattform, die in acht Module zu praxisnahen Themen wie „Deutsch für den Beruf“, „Fachsprachliche Kompetenzen“, „Normen und Anforderungen des wissenschaftlichen Diskurses in Deutschland“ sowie „Lernen mit Onlinemedien“ gegliedert ist, wurde von DaF-Experten deutscher Hochschulen entwickelt, begleitet von einem wissenschaftlichen Beirat.

Lust auf Deutsch

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Austausch mit Experten weltweit

Dabei liegt jedem Modul ein Baukastensystem zugrunde. Wissenschaftliche Literatur und Vorschläge für die Lehre dienen der Weiterbildung von Dozenten; Einführungstexte, Aufgaben und Videos der Ausbildung fortgeschrittener Studierender auf Masterniveau. Zudem sollen Literaturhinweise und Fragestellungen zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema anregen. Dennoch gilt: Ein Fernstudium ist Dhoch3 nicht. „Die Lehrenden können und sollen die Materialien individuell an ihre eigenen Unterrichtskontexte und regionalen Besonderheiten anpassen“, verdeutlicht Schmäling.

Wie wichtig diese Anpassung ist, zeigte ein von DAAD-Lektor Steven Heimlich organisierter Workshop an der Makerere University in Uganda. Germanistinnen und Germanisten aus acht Ländern der Region Ostafrika informierten sich dort über das neue Angebot des DAAD und loteten die Entwicklung bestehender Curricula aus. Dr. William Wagaba, Leiter der deutschen Abteilung der Makerere University, sieht für den Einsatz der Module an seiner Hochschule großes Potenzial: „Dhoch3 orientiert sich an aktuellen Themen, die auch unsere Studierenden beschäftigen“, sagt er. „Als Lehrender bietet mir die Plattform zudem die Möglichkeit, mich unbegrenzt weiterzubilden, neue Fachbereiche kennenzulernen und mich mit lokalen und globalen Fachkollegen auszutauschen. So können auch regionalspezifische Fragestellungen und Perspektiven entwickelt werden.“

Interkulturellen Dialog unterstützt Dhoch3 auch im europäischen Kontext, wie Christian Tremmel betont. Der DAAD-Fachlektor arbeitet an der Université Nice Sophia Antipolis am Aufbau eines deutsch-französischen Doppelabschlussprogrammes, das Studierende der Fächer Französisch und Deutsch für das Lehramt in beiden Ländern qualifiziert. „Das französische System hat seine eigene Tradition und ist beispielsweise im Bereich der Literaturvermittlung stark aufgestellt“, sagt er. „Neue Impulse bietet uns Dhoch3 allerdings in der Fachdidaktik.“ Ab September 2018 wird Tremmel deshalb Inhalte von Dhoch3 in seine Veranstaltungen einbauen, die sich mit der Schulpraxis, insbesondere mit Unterrichtsmethoden, auseinandersetzen.

Weltweite Verteilung der Deutschlernenden

  • Europa: 9,4 Millionen
  • Naher und Mittlerer Osten: 310.000
  • Afrika: 850.000
  • Gemeinschaft Unabhängiger Staaten: 3,1 Millionen
  • Asien: 790.000
  • Ozeanien: 120.000
  • USA /Kanada: 535.000
  • Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und karibischen Staaten: 350.000

Quelle: Deutsch als Fremdsprache weltweit, 2015

Denn ob kognitive oder handlungsorientierte Ansätze, kommunikatives oder interkulturelles Lernen: „Erfolgreicher Unterricht zeichnet sich durch Vielfalt und Abwechslung aus. Wichtig ist zudem, die individuellen Unterschiede der Lernenden zu berücksichtigen“, sagt Professor Dietmar Rösler von der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), Mitautor des Dhoch3- Moduls „Methoden und Prinzipien der Fremdsprachendidaktik Deutsch“. Das von Experten der JLU und der Universität Leipzig erarbeitete Modul stellt traditionelle Techniken des Fremdsprachenunterrichts, aber auch alternative Ansätze wie die Dramapädagogik vor. Dabei wird deutlich: Typische Schwierigkeiten wie das Üben von Wechselpropositionen – „Ich gehe ins Zimmer“ versus „Ich bin im Zimmer“ – lassen sich auf verschiedene Arten meistern. Als Onlineplattform ermöglicht Dhoch3 auch ein lebensnahes, interkulturelles Schreibtraining: „beispielsweise in Form von gemeinsam genutzten Wikis oder Chats mit einer anderen internationalen Partnerklasse“, sagt Rösler.

Neben der Methodik ist auch die Lehr- und Unterrichtsplanung eine anspruchsvolle Aufgabe. Vorgaben des Lehrplans, institutionelle Rahmenbedingungen und Voraussetzungen seitens der Lernenden müssen berücksichtigt werden; Unterrichtspläne gilt es zu reflektieren und kritisch zu erproben. „Wichtig ist, dass die Studierenden gegenüber dem eigenen Unterricht eine forschende Haltung entwickeln“, sagt Dr. Susanne Guckelsberger, die gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen der Universität Duisburg-Essen ein Modul zu diesem Thema entwickelt hat. Dabei geht es neben der Planung von DaF-Unterricht auch um Ansätze zur Planung von fach- und sprachintegriertem Unterricht: Denn die Vermittlung von Deutsch in Verbindung mit einem Fach wie Geografie, Geschichte, Wirtschaft oder Elektrotechnik gewinnt schulisch wie universitär immer mehr an Bedeutung. 

So nutzen Sie Dhoch3

Dozentinnen und Dozenten an ausländischen Hochschulen können sich gemeinsam mit ihren Studierenden auf der Dhoch3-Moodle-Plattform moodle.daad.de registrieren. Zur ersten Orientierung über Module, Inhalte und Materialien erhalten die Dozenten zunächst einen Gastzugang. Lehrenden,
die Texte und Materialien für ihren Kontext umgestalten oder ergänzen möchten, wird innerhalb der Dhoch3-Plattform ein lokaler virtueller Kursraum eingerichtet. Zudem bietet der DAAD gemeinsam mit den Modulentwicklern Workshops zu Dhoch3 an. Anfragen nimmt Benjamin Schmäling entgegen. Aktuelle Informationen rund um das Projekt bietet die Projektwebsite www.daad.de/dhoch3.

Pilotprojekt in China

Von der Kombination aus Didaktik, wissenschaftlichen Arbeitsformen und berufsorientierten Lernzielen profitieren auch Hochschulen in China: Dort existiere bislang keine Institution zur Deutschlehrerausbildung, erklärt Jin Zhao, Germanistikprofessorin an der TongjiUniversität in Shanghai. „Alleine in der Mittelschule, die in Zukunft Deutsch als erste oder zweite Fremdsprache anbieten wird, fehlen rund eintausend qualifizierte Deutschlehrer“, sagt Zhao. „Zudem steigt auch unter Studierenden der technischen Fächer das Interesse an berufsorientiertem DaF-Unterricht und fachsprachlichen Kompetenzen.“ Ein Pilotprojekt soll Abhilfe schaffen: Die Tongji-Universität wird Dhoch3-Module zur Didaktik und zum berufsorientierten DaF-Unterricht evaluieren und gegebenenfalls in den bestehenden Germanistik-Masterstudiengang integrieren, um Studierende für den Lehrberuf zu qualifizieren. „Aufgrund der digitalen, interaktiven Struktur von Dhoch3 verändern wir gleichzeitig die Lernkultur“, so Zhao.

Offenheit für innovative Konzepte – das ist im Sinne des Teams von Dhoch3. „Perspektivisch können internationale Anwender an der Weiterentwicklung der Module mitarbeiten und auf regionale Besonderheiten oder neue Forschungsfragen aufmerksam machen“, sagt Benjamin Schmäling. Und ob China, Frankreich, Russland oder Ostafrika: Ziel und Zweck der Deutschlehrerausbildung gehen über den Erwerb didaktischer, kommunikativer und beruflicher Kompetenzen hinaus. „Gegenseitiges Verstehen und Verständnis, darin sehe ich eine Basis für den Frieden“, so DAAD-Fachlektor Christian Tremmel.

Autorin: Christina Pfänder, LETTER 02/2018

LETTER – Das Magazin für DAAD-Alumni erzählt spannende Geschichten aus Wissenschaft, Kultur, Deutschland und dem DAAD-Alumni-Netzwerk.

September 2018

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