International Deans‘ Course: Eine Erfahrung fürs Leben

Ein Netzwerk aus Freunden in ganz Südostasien will sich Tran Manh Cuong aufbauen. Im Juni hat der Dekan an der Vietnam National University of Science in Hanoi, Vietnam, den Grundstein dafür gelegt und die erste Phase eines International Deans‘ Course (IDC) abgeschlossen. Der jährlich stattfindende Trainingskurs richtet sich an neu gewählte Dekaninnen und Dekane sowie deren Stellvertretende in Entwicklungs- und Schwellenländern, die sich in Hochschul- und Fakultätsmanagement weiterbilden möchten. „Alle Kursthemen sind sehr praxisnah“, berichtet Tran Manh Cuong, „besonders im Projektmanagement habe ich viel dazugelernt.“ Zu den Modulen gehören Finanzmanagement, Führung und Kommunikation, Qualitätssicherung, Internationalisierung und Change Management.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen in diesem Jahr aus ganz Südostasien: aus Indonesien, von den Philippinen, aus Myanmar, Thailand, Kambodscha, Malaysia, Laos und Osttimor. „Für mich ist es immer wieder spannend, so viele verschiedene Menschen und Vorgehensweisen kennenzulernen“, sagt Professor Duu Sheng Ong. Der frühere Vizepräsident der privaten Multimedia University in Malaysia (MMU) ist seit 2014 Trainer des IDC Südostasien und lehrt unter anderem Führung, Forschungsmanagement und Qualitätssicherung. Im Jahr 2008 hat Duu Sheng Ong selbst an einem IDC teilgenommen.

Horizont erweitern, Karriere fördern

Damals war er gerade von einem Forschungsaufenthalt als Humboldt-Stipendiat in Darmstadt an die MMU zurückgekehrt, wo er zum Leiter des Zentrums für Forschungsmanagement ernannt wurde. „Ich wusste damals sehr wenig über Management – das war eine steile Lernkurve“, erinnert er sich. Die Weiterbildung habe nicht nur seinen Horizont erweitert, sondern auch seine Karriere befördert: „Kurz nach dem Ende des Kurses wurde ich Dekan des Institute for Postgraduate Studies und später Vizepräsident der MMU. Die Erfahrungen aus dem IDC haben mir sehr dabei geholfen, meine neuen Aufgaben in Personalmanagement, Qualitätssicherung und strategischem Fakultätsmanagement zu bewältigen.“ Viele Freundschaften, die er im Kurs von 2008 geschlossen hat, halten bis heute.

Markenzeichen der Trainingskurse sind Praxisprojekte, sogenannte Project Action Plans (PAP): Die Teilnehmer erwerben nicht nur theoretische Kenntnisse, sondern setzen sie direkt an ihrer Hochschule in die Praxis um. Ein Projekt kann beispielsweise der Aufbau eines neuen Studiengangs oder eines Career Centers sein, die Vorbereitung einer internationalen Akkreditierung oder auch die Entwicklung eines Strategiekonzepts für die Forschung. Tran Manh Cuongs Projekt zum Beispiel hat das Ziel, mehr und höher qualifizierte Studienanfängerinnen und -anfänger der Mathematik und verwandter Fächer für seine Hochschule zu gewinnen. Geplant sind unter anderem Vorträge an Schulen, die Organisation von Career Days sowie eine Werbekampagne in vietnamesischen Medien und sozialen Netzwerken.


International Deans‘ Course (IDC)

Seit 2007 wird der International Deans‘ Course (IDC) abwechselnd für Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Südostasien oder Afrika angeboten, in der Regel bewerben sich 100 bis 150 Interessenten auf die 30 Plätze. Die Hochschule Osnabrück organisiert den Kurs gemeinsam mit dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Als assoziierter Partner unterstützt die Alexander-von-Humboldt-Stiftung den Kurs. Einen weiteren International Deans‘ Course für Lateinamerika bietet die Universität des Saarlandes gemeinsam mit der spanischen Universidad de Alicante an. Die Kurse sind Teil des Programms „Dialogue on Innovative Higher Education Strategies“ (DIES) des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und der Deutschen Hochschulrektorenkonferenz, das aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit finanziert wird. DIES hat zum Ziel, mit Trainingskursen, Dialogveranstaltungen, Projekten und Partnerschaften Hochschulen in Entwicklungs- und Schwellenländern dabei zu unterstützen, ihr Management zu professionalisieren, ihre Ausbildungsgänge nach internationalen Qualitätsstandards auszurichten und Forschungskapazitäten auszubauen.


Teamwork als Schlüssel zum Erfolg

Die Kursteilnehmenden stellen ihre PAPs einander vor, besprechen Schwierigkeiten und suchen Lösungen. „Teamwork ist der Schlüssel zum Erfolg des IDC“, erklärt Duu Sheng Ong. „Die Teilnehmenden lernen einander so gut kennen, dass sie nicht nur über ihre Leistungen, sondern auch über ihre Probleme und Misserfolge sprechen können. Dieser Austausch funktioniert nur, wenn man Vertrauen zueinander aufbauen kann.“

Im Jahr der Corona-Pandemie ist das schwieriger als sonst, weil der mehrteilige Kurs online stattfindet, während sich normalerweise Präsenz- und Online-Lernphasen abwechseln. Damit sich die Teilnehmer trotzdem privat kennenlernen können, gab es zusätzliche Online-Treffen, bei denen auch über Hobbies, Haustiere oder Lieblings-Kaffeetassen geplaudert wurde. „Dadurch ist in den ersten zwei Wochen eine Gemeinschaft entstanden, obwohl wir uns nicht persönlich treffen konnten“, meint Duu Sheng Ong.

Normalerweise findet die erste Phase des IDC für Südostasien an der Hochschule Osnabrück statt, außerdem fahren die Teilnehmenden gemeinsam für ein paar Tage nach Berlin, wo sie die FU Berlin besuchen. Danach treiben sie an ihren Heimathochschulen ihren PAP voran und treffen sich bei einem Zwischenworkshop in der Region. Auch das Abschlussmodul findet in Südostasien statt.

Der rein virtuelle Kurs in diesem Jahr hat aus Sicht von Khaing Khaing San, Dekanin der geologischen Fakultät an der Yadanabon University in Myanmar, auch Vorteile: „Mir macht es sehr viel Spaß, weil ich auf diese Art besonders viel über die Organisation der digitalen Lehre lerne“, sagt sie. „Für mich ist das ausgesprochen nützlich!“ Ihr Project Action Plan ist der Aufbau eines neuen Studienmodells an ihrer Fakultät, das je zur Hälfte aus Präsenz- und Online-Anteilen bestehen wird. „Im Moment diskutieren wir an der Fakultät darüber, welche Inhalte online gelehrt werden können, wie wir Multimedia-Vorlesungen vorbereiten und wie wir die Dozenten dafür weiterbilden“, erklärt Khaing Khaing San. Hintergrund ist eine Bildungsreform in Myanmar, die einem weit größeren Teil der Bevölkerung als bislang ein Hochschulstudium ermöglichen soll. Khaing Khaing San, die 2002 sechs Monate mit einem DAAD-Stipendium in Göttingen geforscht hat, ist für die Umgestaltung ihrer Fakultät im Rahmen dieser Reform verantwortlich: „Um das zu erreichen, möchte ich im IDC mehr Wissen über Führung und Management erwerben.“

Tran Manh Cuong findet es zwar schade, dass der Kurs in diesem Jahr nur online stattfindet, „trotzdem war die erste Phase eine unvergessliche Erfahrung“, sagt er. 2016 hat er schon an UNILEAD teilgenommen, dem DIES-Trainingskurs für jüngere Hochschulmanager aus Entwicklungs- und Schwellenländern. Bald darauf stieg er zum Dekan seiner Fakultät auf. Am wichtigsten sei für ihn aber, dass ihn die Fortbildung persönlich vorangebracht hätte, betont Tran Manh Cuong: „Beide Kurse haben mich selbstbewusster gemacht und mir geholfen, mich weiterzuentwickeln.“

Erfahren Sie mehr über die DIES Training Courses und die DIES-Alumni.

DIES Training Courses


Hier stellen wir Ihnen die Teilnehmer*innen von International Deans‘ Course vor, die wir für diesen Beitrag interviewt haben:

Dr. Tran Manh Cuong

Dr. Tran Manh Cuong, 42, ist seit 2019 Dekan der Fakultät für Mathematik, Mechanik und Informatik der vietnamesischen VNU University of Science in Hanoi, wo er 2011 promoviert wurde. Von 2014 bis 2016 leitete er stellvertretend die Abteilung für Studienangelegenheiten. 2016 übernahm der Experte für Stochastik und Statistik das Amt des Vizedekans seiner Fakultät, 2018 das des amtierenden Dekans (Acting Dean). 2016 nahm  Tran Manh Cuong an einem UNILEAD-Kurs und 2020 an einem IDC teil.

Prof. Dr. Khaing Khaing San

Prof. Dr. Khaing Khaing San ist Professorin an der Yadanabon University in Myanmar und Leiterin der Geologischen Fakultät. Sie setzt sich aktiv für Qualitätssicherung und eine Umgestaltung des Bildungssystems ein. Derzeit erwartet sie ihre Berufung zur Prorektorin der Universität durch das Ministerium für Hochschulbildung in Myanmar. Sie bemüht sich sehr darum, das Thema Qualitätssicherung an ihrer Universität voranzutreiben und hat an einem Workshop zur Umsetzung der Weiterentwicklung von Universitäten teilgenommen, der vom Bildungsministerium, dem nationalen Ausschuss für Bildungspolitik und der Rektorenkonferenz durchgeführt wurde. Im Jahr 2020 nahm sie an einem IDC teil.

Prof. Dr. Duu Sheng Ong

Prof. Dr. Duu Sheng Ong, 51, lehrt Elektrotechnik an der Multimedia University (MMU) in Cyberjaya, Malaysia. 1998 wurde er an der University of Sheffield promoviert. 2006 erhielt er ein Humboldt-Stipendium für einen einjährigen Forschungsaufenthalt an der TU Darmstadt. An der MMU war Duu Sheng Ong 2009/10 Dekan des Institute for Postgraduate Studies, von 2011 bis 2014 Vizepräsident. Seit 2018 ist er Hauptprüfer der malaysischen Qualifikationsagentur (Principal Assessor of Malaysian Qualifications Agency). Duu Sheng Ong nahm 2008 am IDC Südostasien teil und ist seit 2014 Trainer der Kurse

 

Autorin: Miriam Hoffmeyer

August 2020

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