European Studies: von und für Europa lernen

Europa ist mehr als nur ein Erdteil. Rund 750 Millionen Menschen leben in den fast 50 verschiedenen Ländern des Kontinents – damit ist Europa der Inbegriff einer Vielfalt historischer, kultureller, wirtschaftlicher, rechtlicher und ideeller Aspekte. Diese einzufangen und ihnen auf den Grund zu gehen, ist Ziel der European Studies (ES). In Deutschland kann man den noch jungen, internationalen Studiengang zurzeit an 28 Hochschulen zumeist auf Master studieren – wie beispielsweise in Magdeburg, Passau, Leipzig oder Düsseldorf.

Studieren für Europa

Eine der Alumnae ist Aleksandra Zogleva. Die 35-Jährige absolvierte 2009 mit Unterstützung des DAAD und einem Stipendium der nordmazedonischen Regierung ihren Master in European Studies, Public and Private Management, an der Hochschule Bremen. „Der Studiengangs bereitet die Studierenden auf europäische Führungsrollen im privaten und öffentlichen Sektor vor“, erklärt Aleksandra Zogleva. „Das Programm ist so konzipiert, dass es eine umfassende und aktuelle Aufarbeitung der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung Europas sowie des rechtlichen Hintergrunds liefert.“

Über Aleksandra Zogleva

Aleksandra Zogleva, 35, lebt in Skopje und ist leitende Mitarbeiterin im Regierungssekretariat für EU-Angelegenheiten der Regierung Nordmazedoniens. Mit einem DAAD-Stipendium machte sie ihren Master in European Studies an der Hochschule Bremen. An ihrer Arbeit liebt sie, dass sie an der europäischen Integration ihres Landes mitarbeiten kann.

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Interdisziplinär und interkulturell

Der Studiengang ist inter- oder auch multidisziplinär aufgebaut und verbindet verschiedene Methoden und Theorien. Je nach Ausrichtung kann man ES mit den Schwerpunkten Kultur, Wirtschaft, Politik und Recht oder Soziologie studieren. Gemeinsam ist den Studiengängen, dass sie Wert auf den Erwerb mindestens einer weiteren (meist neben Englisch) europäischen Sprache legen. Die gewählte Fremdsprache wird meist nicht nur in Sprachkursen gelehrt, sondern ist auch in entsprechenden Seminaren und Vorlesungen Unterrichtssprache.

Für Aleksandra Zogleva war European Studies genau der richtige Studiengang. Sie wollte über und von Europa lernen, um „meinem Land auf dem Weg in die EU zu helfen und Teil der großen europäischen Familie zu werden“. Und das tut sie jetzt auch: Aleksandra Zogleva arbeitet für die nordmazedonische Regierung als Leitende Mitarbeiterin im Regierungssekretariat für EU-Angelegenheiten. Seit 2005 ist Nordmazedonien offizieller Beitrittskandidat der Europäischen Union.

Internationale Ausrichtung

Khalid Rajabov, 41, stammt aus Aserbaidschan und hat an der Universität Leipzig ES studiert. Unterstützt wurde auch er vom DAAD. Sein Schwerpunkt ist die politische und Wirtschaftsgeschichte insbesondere Osteuropas. „Mein Studium half mir zu verstehen, wie wirtschaftliche und politische Entwicklungen stattfinden“, sagt er. Es ermöglichte ihm, die komplexen gesellschaftlichen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Zusammenhänge zu entschlüsseln. „Dies stärkte mein Selbstvertrauen und gab mir die Aufgeschlossenheit, die für meinen Karriereweg von entscheidender Bedeutung war“, erinnert sich Khalid. Heute ist er Social Investment Manager beim internationalen Energieunternehmen BP in Aserbaidschan.

Über Khalid Rajabov

Khalid Rajabov, 41, hat in Baku, Aserbaidschan, Internationale Beziehungen und als DAAD-Stipendiat European Studies an der Universität Leipzig studiert. Heute ist er Social Investment Manager beim Energieunternehmen BP Aserbaidschan und kümmert sich um die Umsetzung sozialer Projekte.

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Wo kann man arbeiten?

European Studies eröffnen ein sehr breites Feld möglicher Berufe. Neben Regierungsorganisationen (auch deutschen) wie bei Aleksandra Zogleva oder privaten Unternehmen wie bei Khalid Rajabov sind es Regionen und Gemeinden, öffentliche Verwaltungen oder Bildungseinrichtungen wie Schulen und Universitäten oder nicht-staatliche Organisationen, die auf europäischer Ebene agieren. An einigen Studienorten kann ES daher auch als binationales Studienprogramm absolviert werden – in Mainz sogar als trinationales gemeinsam mit den Universitäten Dijon in Frankreich und Opole in Polen.

Khalid Rajabov hat nach seinem Studium zunächst bei der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, GTZ, (heute Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, GIZ) gearbeitet. Den Job fand er über eine Bekannte: „Nach ihrer Empfehlung erhielt ich zuerst eine Teilzeitstelle als Übersetzer und nach etwa einem Jahr wurde ich Projektbeauftragter.“

Absolventen und Absolventinnen der ES finden aber auch Betätigungsfelder bei international ausgerichteten Medien, wie zum Beispiel der Deutschen Welle, die in 30 Sprachen weltweit Informationen anbietet.

Die beiden, die es geschafft haben, finden, dass es die solide Ausbildung und die vielfältigen Kenntnisse sind, die die Voraussetzung für einen guten Job schaffen: „Ein Master-Abschluss in ES ist eine gute Vorbereitung für Karrieren in europäischen und internationalen Institutionen, in Regierung und Verwaltung, in der Wirtschaft, in Nichtregierungsorganisationen oder für weitere europäische akademische Forschung“, sagt Aleksandra Zogleva.

Europa, Europa!

Ein quasi „natürlicher“ Arbeitgeber für ES-Absolventen sind die Europäische Union und deren Institutionen wie der Europäische Auswärtige Dienst, der Europäische Rat oder die Europäische Kommission. Wie man zu einem Job bei der EU kommen kann und was es genau dafür braucht, erklärt Fabio Galatioto, Leiter des Personalreferats, Generaldirektion Externe Politikbereiche der Union beim Europäisches Parlament. Er empfiehlt, erst einmal auszuprobieren, ob einem das Leben eigentlich gefallen würde, das eine Arbeit bei der Europäischen Union mit sich bringt. Hervorragend dafür geeignet sind Praktika oder Studienzeiten im Ausland, wie sie die meisten ES-Studiengänge verlangten.

Europa ist schließlich das, worum es geht: Für Khalid Rajabov ist es „ein Maßstab, an dem das Niveau der globalen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen gemessen wird.“ Und Aleksandra Zogleva fasst es so zusammen: „Europa bedeutet für mich Identität. Einigkeit. Solidarität. Hoffnung. Teilhabe. Transparenz. Gemeinsamer Fortschritt. Frischer Geist. Gelegenheiten. Keine Grenzen. Ein Aufruf zum Handeln.“ 


Autorin: Sabine Giehle

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September 2020

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