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Journalistenausbildung: Neue Wege in den Umweltjournalismus

Weltweit reagieren Hochschulen in der Journalistenausbildung auf den Thementrend der Nachhaltigkeit. Die Weiterentwicklungen im Bereich Umweltjournalismus sind in Deutschland besonders gut zu beobachten.

Grüne Themen sind in den vergangenen Jahren wichtiger geworden. Deshalb haben nicht nur Unternehmen auf den Trend reagiert und Nachhaltigkeit als neues Marketinginstrument entdeckt. Auch in der Journalistenausbildung macht sich der Trend bemerkbar, denn es werden verstärkt neue Umweltjournalismus-Studiengänge an Hochschulen angeboten. Experten bewerten dies als wichtige Entwicklung, da Krisen wie Klimawandel, Artensterben oder Überfischung zunehmend journalistisches Fachwissen nötig machen. Ebenso wichtig sei es, sagt etwa Prof. Dr. Gerd Michelsen von der Universität Lüneburg in Deutschland, dass Journalisten auch den Begriff der Nachhaltigkeit kennenlernen. Denn die Forschung in diesem Feld halte viele neue Medienthemen bereit.

Umweltjournalismus in den USA

In Deutschland ist der Trend hin zum Umweltjournalismus derzeit besonders gut zu beobachten. Vorbild sind Studiengänge und Module an amerikanischen Universitäten. Dort hat der Umweltjournalismus eine lange Tradition. Und es gibt mit der Society for Environmental Journalism (SEJ) einen starken Fachverband, der auch mit Hochschulen kooperiert.

In einer Übersicht über Programme und Kurse listet er 31 Adressen auf, die in den USA jungen Journalisten den Weg in den Umweltjournalismus ebnen. Eines der Zentren ist die Universität in Boulder (Colorado). Rege Aktivitäten und Angebote zur Journalistenausbildung gibt es aber auch an anderen Hochschulen wie etwa an der Michigan State University mit dem Knight Centre for Environmental Journalism, der University of California in Berkeley oder der New York University.

Journalistenausbildung: Der Trend zur Nachhaltigkeit fördert den Umweltjournalismus

In Deutschland steht der Aufbau von Studiengängen erst am Anfang. Fast zeitgleich sind verschiedene Hochschulen mit Projekten zum Umweltjournalismus aktiv. Die Universität Lüneburg bietet für Journalisten mit Berufserfahrungen das Programm „Nachhaltigkeit und Journalismus“ an. Es geht darin um Themen wie Nachhaltigkeit und Politik, grüne Ethik, Umweltbewusstsein sowie wirtschaftliche Aspekte der nachhaltigen Entwicklung. Das Thema ist bewusst Nachhaltigkeit und nicht nur Umwelt – auch, damit Journalisten den Blick auf Umweltthemen um soziale und ökonomische Sichtweisen erweitern.

Auch an anderen Orten reagiert die Journalistenausbildung auf den Umwelttrend. Die Technische Universität Dortmund hat im Frühjahr 2013 das Projekt „Medien-Doktor Umwelt“ gestartet, bei dem Umweltjournalisten Artikel nach festen Kriterien bewerten. In der Nachbarschaft gibt es die erste Möglichkeit, Umweltjournalismus als Bachelor zu studieren: Die Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg hat in den Studiengang Technik- und Innovationskommunikation den Schwerpunkt „Umweltwissenschaften“ aufgenommen. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die Fachhochschule Ansbach, die für ihren Studiengang Ressortjournalismus jüngst eine Professur für Umweltjournalismus ausgeschrieben hat.

Forschung und Lehre im Umweltjournalismus finden verstärkt auch an der Hochschule Darmstadt statt. Sie bietet Seminare an im Rahmen der Studiengänge „Onlinejournalismus“ und „Wissenschaftsjournalismus“. Daneben baut ein Team im Projekt Forum Futura eine Rechercheplattform für grüne Themen auf, die ab Sommer 2013 online geht. Sie wird neben vielen Tipps und Quellen auch Ideen zu Bereichen wie „storytelling“ und Datenjournalismus aufbereiten.

Weiterbildung im Umweltjournalismus weltweit

Diese Weiterentwicklungen in der Journalistenausbildung finden nicht nur in Deutschland statt. Auch Österreich und Frankreich haben eine rege Fachdebatte zum Umweltjournalismus. Studiengänge gibt es auch in Lateinamerika und Asien. In diesen Regionen bieten auch europäische Stiftungen wie etwa die Friedrich-Ebert-Stiftung oder die Konrad-Adenauer-Stiftung immer wieder Umweltjournalismus-Seminare an. Führend auf diesem Feld ist weltweit übrigens das Earth Journalism Network aus den USA. Aber auch die Deutsche Welle Akademie aus Deutschland engagiert sich in der Aus- und Weiterbildung für Umweltjournalisten.

Das Motiv der ganzen Angebote ist klar: Nur, wenn Medien eigenständig Fachwissen zu Umwelt und Nachhaltigkeit aufbauen, können sie kompetent darüber berichten. Fachwissen ist auch Voraussetzung dafür, andere Systeme wie Wirtschaft und Politik kritisch beobachten zu können – eine grundlegende Aufgabe des Journalismus weltweit. Gerade bei der Debatte zur Nachhaltigkeit, in der es auch viele Unklarheiten und „Greenwashing“ gibt, ist diese kritische Kontrolle wichtig.

August 2013

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Kommentare

Feli Ma
18. Mai 2014

Vielen Dank für diesen außerordentlich spannenden Artikel! Die Kobination von Umwelt und Journalismus klingt wirklich spannend und abwechslungsreich. Ich hoffe, die Möglichkeiten zum Studieren und co. werden in Deutschland dahingehend noch erweitert. Dieser Bericht hat mir jedenfalls erstmal weitergeholfen, auf dem aktuellen Stand zu sein. Danke!

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