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Studieren für alle und überall: Mit MOOCs Vorlesungen online besuchen

Sie finden im Internet statt und bieten eine interessante Alternative zum klassischen Seminar: MOOCs. Das sind Massive Open Online Courses, also webbasierte Lehrveranstaltungen, die für alle offen und kostenlos sind. Was unterscheidet MOOCs vom schon lange bekannten E-Learning? Welche Chancen, aber auch welche Risiken gibt es?

Online-Bildungsangebote fordern das herkömmliche Bildungssystem geradezu heraus. Der neueste Trend zeigt in Richtung MOOCs: Online-Kurse, die offen und in der Regel für alle zugänglich sind. Sie erreichen in den USA und Kanada mit Leichtigkeit Teilnehmerzahlen im sechsstelligen Bereich. Das gilt auch in Deutschland: Hier startete im Herbst 2013 iversity und bejubelte zum Jahresende bereits mehr als eine Viertelmillion Studierende. Dabei gab es E-Learning auch schon vorher, neu ist die Idee also nicht, wenn man an Fernstudiengänge oder Videos von Lehrveranstaltungen denkt.

Universität 2.0: die ersten MOOCs

Die Kanadier Stephen Downes und George Siemens führten 2008 einen offenen Online-Kurs mit dem Titel „Connectivism and Connective Knowledge“ (CCK08) durch. Damit läuteten sie den offiziellen Beginn der MOOC-Bewegung ein.

Im Jahr 2011 bot die Stanford-Universität dann zum ersten Mal drei offene Informatik-Online-Kurse an. Der Initiator dieser Kurse war Sebastian Thrun, Professor für Künstliche Intelligenz. Was als Bildungsexperiment begann, führte zu Udacity, der ersten Online-Akademie, die überwiegend Informatikkurse anbietet. Kostenlos, frei verfügbar und didaktisch fürs Internet aufbereitet. In einem Interview mit Spiegel online erklärt Thrun: „Durch das Internet-Lehrprojekt habe ich gemerkt, was für eine wahnsinnige Macht dieses Medium hat. Als wir 160.000 Anmeldungen hatten, wurden wir von Stanford gebeten, keine weiteren Studenten mehr aufzunehmen. 23.000 Studenten haben am Ende eine Prüfung abgelegt und bestanden.“

Die ersten MOOCs waren unerwartet erfolgreich und wurden aufmerksam von den Medien verfolgt. So gründeten sich in den vergangenen Jahren mehrere Konsortien, die MOOCs anbieten (darunter Udacity, Coursera, edX und iversity). In der Regel sind dies eine Art Spin-off von Universitäten oder Zusammenschlüsse beziehungsweise Kooperationen von Universitäten und Unternehmen.

Lernen interaktiv: cMOOCs und xMOOCs

Genau wie an den Universitäten haben die meist englischsprachigen MOOCs einen Vorlesungsplan und sind in einzelne Lektionen unterteilt. In diesen Modulen werden viele Video-Vorlesungen, Animationen und Wikis eingesetzt und weitere Lektüre, Quizfragen und Hausaufgaben angeboten. Die Inhalte sind für die die Online-Vermittlung konzipiert und eigens dafür produziert. Entscheidend bei den MOOCs ist der Einsatz von Social Media, denn durch Kommunikationskanäle wie Twitter und Facebook, Foren, Videoplattformen und Blogs vernetzten sich die Teilnehmer.

Es gibt unterschiedliche Formen von MOOCs. Bei den cMOOCs definieren die Teilnehmenden ihre Lernziele selbst. Dabei setzen sie beispielsweise über Blogs und RSS-Feeds eigene Inhalte ein. Diese Arbeitsweise nennt man konnektivistisch – das „c“ steht für „connectivism“. Konnektivismus geht davon aus, dass Wissen nicht nur in einer Person liegt, sondern auch in den Verknüpfungen mit anderen, beispielsweise über das Internet.

Ein xMOOC hingegen gleicht einer klassischen Vorlesung. Das „x“ steht für „extension“ und hat seinen Ursprung in Harvard. Die Universität hatte in ihrem Vorlesungsverzeichnis die Online-Varianten ihrer Kurse hinter der Kursnummer mit einem x bezeichnet. Bei den xMOOCs steht der instruktionale, das heißt der lehrende oder anleitende Ansatz im Vordergrund. Das sind direkte Anweisungen und die Überprüfung von Wissen durch Tests.

Welcome to the Brave New World of MOOCs – Beitrag der New York Times

Chancen und Risiken der MOOCs

Was bedeuten MOOCs für die Zukunft der Bildung? Ein kostenloser Zugang zur Universität von jedem Ort der Welt aus, Bildung für alle auch an sogenannten Elite-Universitäten, das könnte für Schwellenländer und Entwicklungsländer vollkommen neue Möglichkeiten bieten. Doch ohne stabile Internetverbindung und ohne englische Sprachkenntnisse sind die Grenzen schnell erreicht. Und wer nicht die nötige Selbstdisziplin für konsequentes Arbeiten aufbringt, ist mit MOOCs schnell überfordert.
In Zeiten übervoller Hörsäle und in vielen Ländern mit enormen Studiengebühren gelten MOOCs jedenfalls als Alternative oder zumindest als Ergänzung zum klassischen Studium. Studenten können in aller Ruhe Kurse nach ihren Schwerpunkten auswählen und so oft wie möglich den Stoff durcharbeiten. Das entlastet auch die Universitäten.

Doch auch wenn die hohen Teilnehmerzahlen beeindrucken: Viele probieren die Kurse nur aus. Beim Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam, das die Online-Kurse über die Plattform openHPI anbietet, gibt nur etwa jeder Dritte, der sich anmeldet, auch Hausaufgaben ab und nimmt an Diskussionen teil. Zumindest beim webbasierten Lernen, das teilweise isoliert stattfindet, brauchen soziale Kompetenzen eine neue Definition: Helfen kann man auch auf virtuellem Wege, aber die Verbindlichkeit wie beim realen Zusammenarbeiten wird geringer.

Und dann sind da noch die ungeheuren Datenmengen. Denn letztlich wird das Angebot mit den persönlichen Daten der Teilnehmer finanziert. Der Sprachwissenschaftler Joachim Metzner sieht deshalb Plattformen wie Udacity eher kritisch, weil die MOOCs wertvolle Daten erzeugen, die verkauft werden könnten.

MOOCs sorgen für Transparenz in der Lehre

Seit iversity in Deutschland die Pforten der virtuellen Universität geöffnet hat, ist das Interesse groß. Beirat und Gesellschafter Marcus Riecke sagt dazu in einem Blog: „Plötzlich ist es für jedermann online erkennbar, was gut und populär ist und was nicht. Die MOOCs bringen Transparenz in die Lehre. Mittelmäßige Lehrangebote werden als solche schlicht erkennbar. Es wird dann etwas schwierig werden, mit weniger guten Lehrinhalten auf Lernwillige zu treffen.”

Was MOOCs also in jedem Fall zu leisten vermögen: Sie dienen der internationalen Profilierung einer Hochschule, indem sie Angebote und Dozenten erlebbar machen.

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Januar 2014

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Kommentare

Beatriz Acosta
18. August 2017

Ich habe die Technologie MOOCs mit viel Erfolg für kurze Läufe auf zum Beispiel Allgemeiner Geschichte benutzt, weil ich als Lehrerin von Geschichte und den MOOCs arbeite, dienen sie mich, um meine Klassen vorzubereiten und zu historischen Dokumenten Zugang zu haben, die ich anders nicht Zugang haben kann.
Auch gefallen sie mir, um meine Aussprache des Englisches zu verbessern und um Lektionen in Deutschem zu hören.

Trisha
19. Dezember 2015

This: I don’t worry that computers will get smeatrr and virtual classrooms will remediate embodiment better than they do now. It doesn’t matter to me if my classroom is a little rectangle in a building or a little rectangle above my keyboard. Doors are rectangles; rectangles are portals. We walk through. Really lovely. What you write here speaks to something so important to me re: any kind of online/virtual learning. The learning doesn't happen on the screen or in the RAM or in the 1s and 0s of the computer code. The learning happens in our heads and hearts and in our fingertips and across the skin on the backs of our neck. I've been a classroom teacher primarily since 1999 but have taught online and hybrid classes since 2001. Something has happened to me in the last year and a half my online work has come alive, grown ecstatic, in a way that it had never been before. What's most wonderful, though, is the way this new revelation infuses (and is infused by) the other teaching I continue to do. What can’t be digitized is love. Your students are lucky folk.

Tom
25. Februar 2015

Ich finde MOOCs sind generell ein gutes Angebot. Ein großes Problem ist jedoch als Teilnehmer am Ball zu bleiben. Der Aufwand einen MOOC zu erstellen, steht noch nicht im Verhältnis zu den hohen Abbrecherquoten. Dennoch sehe ich die Aufzeichnung von Vorlesungen als posititiv. Wissen wird somit zugänglicher gemacht, evt. auch für Gruppen, die keinen einfachen Zugang zu Bildung haben. Wie oben schon erwähnt, werden viele Kurse von Arbeitgebern nicht anerkannt. Udacity strebt jedoch eine Anerkennung in der Wirtschaft an. Mehr dazu unter http://www.lernstellen.de/elearning/formen/online-vorlesungen/

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