Herausforderung Online-Studium

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) organisierte am 27. November 2020 die Online-Informationsmesse Virtual Fair on Online Studies. Dabei konnten sich Teilnehmende mit Hochschulvertreterinnen und -vertretern aus ganz Deutschland über digitales Lernen auszutauschen, Informationsmaterial sammeln und Videos zu verschiedenen Themen anzusehen, beispielsweise wie Studierende in Deutschland leben.

In vielen afrikanischen Ländern fehlte bisher ein solches Angebot zur Online-Lehre. Das Online-Studium ist noch kaum Teil der Lernkultur. Die Studentinnen und Studenten sind vor allem die Campus-Atmosphäre und die Vorlesungen im Hörsaal gewohnt.

Wandel durch die Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie hat allerdings den Trend in eine andere Richtung gelenkt. Fast alle Universitäten haben Online-Kurse teilweise eingeführt oder das Studium sogar komplett darauf umgestellt. Wir haben mit einigen gesprochen.

Glamy Junior von der Universität Bouaké in der Elfenbeinküste ist Stipendiat des DAAD und erhält seit August 2020 eine Förderung für den Masterstudiengang German Studies an der Universität Nairobi. Wegen der besonderen Lage hinsichtlich der Covid-19-Pandemie wurden an beiden Hochschulen Online-Kurse eingeführt. An der Universität von Bouaké, an der Glamy seine „Licence“ (vergleichbar mit dem Bachelor) absolvierte, stießen die Online-Kurse auf viel Kritik, vor allem weil das System beziehungsweise die benötigte Zeit der Umsetzung vielen zu lange dauerte. An der Universität von Nairobi wurden Google-Meet-Anwendung genutzt. Glamy Junior nahm sie als zuverlässig wahr: „Der Zugang ist einfach. Man kann sogar Kurse durchführen, ohne dafür ein eigenes Konto zu haben.“

Finanzielle und technische Hindernisse

Alassane Traore, ein anderer Student des Programms German Studies an der Universität Nairobi, schildert die Schwierigkeiten seiner Heimatuniversität Joseph Ki-Zerbo in Ouagadougou, Burkina Faso: „Es gibt keine Online-Kurse bei uns an der Universität. Nur erste Ideen, die bisher aus technischen, organisatorischen und finanziellen Gründen noch nicht umgesetzt wurden. Sowohl Dozenten als auch Studierende brauchen Fortbildungen für Online-Kurse.“

Online-Kurse stoßen besonders dann auf Kritik, wenn die Mittel fehlen, sie effizient umzusetzen. Laut der ARTCI (Autorité de Régulation des Télécommunications/TIC de Côte d‘Ivoire) stieg die Zahl der 4G-Internetnutzer in der Elfenbeinküste im Jahr 2020 auf 58,51 Prozent. In vielen westafrikanischen Ländern ist die Situation noch schwieriger als in der Elfenbeinküste. Ein Gigabyte Internetvolumen kostet zum Beispiel in Burkina Faso oder Benin ungefähr zwei Euro – aber viele Menschen verdienen dort nur etwa einen Euro am Tag.

Digitale Möglichkeiten in Nairobi

Merveilles Tazou ist 24 Jahre alt und studierte Germanistik an der Universität Yaoundé 1 in Kamerun, die aufgrund der Corona-Pandemie Online-Kurse eingeführt hat. Seinen Master absolviert Merveilles nun online an der Universität Nairobi, die eine eigene E-Class entwickelt hat. Auch Plattformen wie zum Beispiel Google Classroom, Zoom oder Google Meet finden Anwendung. Die Kurse finden direkt online statt und es gibt eine Anwesenheitspflicht. Dokumente werden zudem auch online gestellt zur Lektüre. Spätestens ein Tag vor dem Termin empfangen die Studierenden den Link zum Kurs und jeder muss mit dem Computer zuschalten.

Für Merveilles ist es das Wichtigste, dass die Kurse überhaupt stattfinden können: „Natürlich gibt’s manchmal Verbindungsprobleme oder andere technische Schwierigkeiten. Das ist jedes Mal peinlich, aber es gelingt uns immer, unsere Sitzungen zu halten.“

Sonderleistung für DAAD-Stipendiaten

Eine einmalige „Digitalisierungspauschale“ des DAAD soll den Stipendiatinnen und Stipendiaten helfen, die Kosten ihrer Online-Kurse zu finanzieren, etwa Ausgaben für Computer und andere Hardware oder Internetkosten. Die Leiterin des DAAD Regional Office Nairobi, Beate Schindler-Kovats, ist in Kontakt mit den DAAD-Geförderten: „Die DAAD-Stipendiatinnen und Stipendiaten des neuen Intakes für den German Studies Masterstudiengang sind noch in ihren Heimatländern, sie studieren online und hatten noch nicht die Gelegenheit sich untereinander und uns an der DAAD Außenstelle persönlich kennenzulernen. Wir hoffen, dass die Geförderten dennoch erfolgreich studieren können, die Sonderleistung des DAAD (,Digitalisierungspauschale‘) eine Unterstützung für den virtuellen Unterricht ist und sie gut betreut werden“.

Die Studentinnen und Studenten freuen sich über diese Sonderleistung, sind aber ebenso gespannt auf die Präsenzkurse in Nairobi. Ob es allerdings zu dieser Präsenzphase kommen wird, bleibt abzuwarten, schließlich ist in der Corona-Pandemie noch nicht das letzte Wort gesprochen.

ÜBER DEN AUTOR UND ALUMNUS

  • Gabriel Kombassere Gabriel Kombassere

Gabriel Kombassere, 23, ist Germanist. Er hat einen Bachelor in seinem Heimatland Burkina Faso abgelegt und studiert jetzt im Master Literatur und Landeskunde. Er ist freier Journalist und Autor von fünf Büchern. Sein jüngstes Buch, „Séquelles et autres nouvelles“, wurde im August 2020 veröffentlicht. Gabriel Kombassere schreibt für das Alumniportal Deutschland und eine Studentenzeitschrift in Ouagadougou.

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Januar 2021

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