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Richtig lernen: Welche Lerntechniken das Gehirn wirklich braucht

Eine Prüfung steht an und alle Schüler, Studenten und Auszubildenden tun das Gleiche: Sie pauken oder büffeln, hämmern oder bläuen sich den Lernstoff ein. Aber haben sie auch richtig gelernt? Welche Lerntechniken können bei der Prüfungsvorbereitung helfen?

Das sture Auswendiglernen von Lernstoff ist vor allem dann sinnvoll, wenn es zum Beispiel um Paragraphen, Jahreszahlen, die Molekularstruktur der Nichtmetalle, Vokabeln oder das menschliche Skelettsystem geht.

Es ist jedoch vollkommen klar, dass Auswendiglernen nicht reicht. Denn das Gehirn ist auf Effizienz angelegt. Der Mensch besitzt rund 100 Milliarden Nervenzellen – das sind die Neuronen – und circa 100 Billionen Synapsen – das sind die Verknüpfungen, über die die Neuronen ihre Aktivität verbreiten und die Signale austauschen. Mit diesem hochaktiven System wird gearbeitet, gelernt und gedacht, werden Sinneseindrücke und Emotionen verarbeitet. Doch wer nur liest und auswendig lernt, nutzt nicht das gesamte Potenzial des Gehirns – mit Verstand lernen geht anders.

Tricks und Lerntechniken einer Gedächtnisweltmeisterin

Die mehrfache Gedächtnisweltmeisterin Christiane Stenger verrät in einem Interview mit dem Bildungsportal des Schulministeriums Nordrhein-Westfalen, mit welchen Lerntechniken sie so erfolgreich ist: „Beim Gedächtnistraining bringt man die Fähigkeit des Gehirns ein, dass wir uns beispielsweise die Dinge am besten einprägen, die wir uns gerne vorstellen und spannend finden.“ Das Zauberwort heißt „Visualisierung“: Die Informationen, die man sich merken möchte, muss man sich bildhaft vorstellen.

Ein anderer Trick ist, sich eine kleine Phantasiegeschichte auszudenken, gerne auch ungewöhnlich oder witzig, um Dinge, Begriffe oder Fakten miteinander zu verknüpfen.
Das ist natürlich aufwendig, aber so bringt man seine Neuronen in Bewegung. Christine Stenger: „Durch die Visualisierung und die Umwege, die man beim Erinnern geht, kann sich das Gehirn die Zahlen und Begriffe viel länger merken.“

Was sind eigentlich Gedächtnisweltmeisterschaften?

Die „World Memory Championships“ finden seit 1991 jedes Jahr statt – sehr häufig in London, so auch 2013 Anfang Dezember. Sie werden von dem internationalen Gedächtnissportverband (World Memory Sports Council – WMSC) organisiert. Der englische Psychologe und Mentaltrainer Tony Buzan ist der Gründer der Gedächtnisweltmeisterschaften, die als Zehnkampf durchgeführt an drei Tagen stattfinden. Der Gesamtsieger erhält den Titel Gedächtnisweltmeister oder englisch World Memory Champion.

Klassiker der Lerntechniken: Mindmapping

Verknüpfungen werden auch beim Mindmapping aktiv – ein Klassiker unter den effektiven Lerntechniken. Mindmaps sind ideal, wenn sich der Lernstoff gruppieren lässt. Zu einem Oberbegriff, der das Zentrum bildet, zweigen dazugehörige Begriffe oder Zusammenhänge ab. Das Ganze wird farbig markiert und auch mit Bildern und Symbolen versehen. So werden Texte und Themen übersichtlich zusammengefasst.

Eine traditionelle Lerntechnik ist nie aus der Mode gekommen: Das Zusammenfassen wichtiger Textstellen, auch exzerpieren genannt. Dabei markiert man den Lernstoff im Text, dann wird er strukturiert und auch mit Randbemerkungen versehen. Die Zusammenfassung selber muss mit den eigenen Worten erfolgen. Wenn dann noch das gegenseitige Abfragen hinzukommt, dann „sitzt“ der Stoff.

Lernen mit Begeisterung – „Dünger für das Gehirn“

Professor Gerald Hüther, Leiter der Zentralstelle für Neurobiologische Präventionsforschung der Universitäten Göttingen und Mannheim/Heidelberg, ist Experte im Bereich experimentelle Hirnforschung. Er erklärt, warum auswendig Gelerntes nicht im Hirn haften bleibt, sondern bald wieder verschwindet: „Tief verankert wird neues Wissen dann, wenn es anknüpfbar an bereits vorhandenes Wissen ist. Das ist die Voraussetzung, dass man überhaupt was lernen kann. Gleichzeitig müssen die emotionalen Zentren aktiviert werden. Das bedeutet, wir müssen es in der Schule schaffen, dass Unterrichtsstoff unter die Haut geht.“

Der Lernstoff braucht einen Zusammenhang, einen Anknüpfungspunkt. Lernende fragen sich also am besten, was sie schon zum Thema wissen und wie sie den neuen Stoff damit am sinnvollsten verbinden. Besonders wichtig ist, dass beim Lernen Emotionen ins Spiel kommen müssen. Hier ist das Zauberwort „Begeisterung“: Begeisterung ist für Hüther „Dünger für das Gehirn“.

Zur Person: Professor Gerald Hüther

Der Göttinger Prof. Dr. Gerald Hüther arbeitet seit 2006 an der Universität Göttingen schwerpunktmäßig am Thema neurobiologische Präventionsforschung, die bis zum Sommer 2012 auch in Zusammenarbeit mit dem Institut für Public Health an der Universität Mannheim/Heidelberg durchgeführt wurde. Er ist Mitglied von „Archiv der Zukunft – Netzwerk für Schulentwicklung“ und von WIN-FUTURE, einem wissenschaftlich-interdisziplinären Netzwerk für Entwicklungs- und Bildungsforschung.

Dezember 2013

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Kommentare

Magdalena Cieszy?ska
17. Oktober 2014

Das ist sehr interessanter Artikel. Ich überlege oft, in welchem Weise soll man am besten lernen. Die Forschung bestätigen meine bisherige Erfahrung mit Lernen. Das Auswendiglernen von Lernstoff ist erfolglos. Man kann pauken, büffeln, hämmern, einbläuen aber man nutzt dabei kleine Potenzial des Gehirns. Vorgestellte Lerntechniken d.h. Mindmapping und Lernen mit Begeisterung sind sehr spannend. Die Forscher zeugen von der Effizienz dieser Lerntechniken über. Es scheint mir, dass das Kennenlernen dieser Techniken sehr belastend ist. Ich habe keine Lust um die anzuwenden. Ich muss meine Lerneinstellung verändern um besser zu lernen.

MARIA MANUELA COLINDRES PAZ
26. Dezember 2013

MUY INTERESANTE, Y ¿COMO SE ESTIMULA A ALUMNOS DE MALA CONDUCTA Y POCO INTERÉS POR EL ESTUDIO?

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