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Soziales Engagement im Studium? Detlev Buchholz über Service Learning

Service Learning stärkt die sozialen Kompetenzen von Studierenden und hilft, Inhalte besser zu vermitteln. Das sagt Detlev Buchholz vom „Hochschulnetzwerk Bildung durch Verantwortung“. Im Interview erläutert er, wie das gelingen kann – und welche Vorteile Service Learning für die Gesellschaft hat.

Der Informatiker Dr. Detlev Buchholz war von 2008 bis 2014 Präsident der Frankfurt University of Applied Sciences. Heute ist er Sprecher des „Hochschulnetzwerks Bildung durch Verantwortung“, in dem sich bisher 30 an Service Learning interessierte Hochschulen zusammengeschlossen haben.

Herr Buchholz, was bedeutet Service Learning an Hochschulen?

Detlev Buchholz: Im Lernkontext bedeutet Service Learning, Studierenden Inhalte und Kompetenzen nicht nur theoretisch, sondern über Impulse aus der Praxis zu vermitteln.

Ein prominentes Beispiel ist die medizinische Ambulanz für Obdachlose und andere Menschen ohne Krankenversicherung an der Universität Witten-Herdecke: Hier erhalten Studierende die Möglichkeit, unter professioneller Aufsicht noch vor ihrem Abschluss sogar Zahnbehandlungen durchzuführen. Für die Obdachlosen ist das kostenlos und die Studierenden erhalten Einblick in ihr späteres Berufsfeld – das ist ein Aspekt von Service Learning.

Und der andere?

Detlev Buchholz: Der andere Aspekt umkreist die Frage, wie sich Studierende über soziales Engagement wieder intensiver mit dem Zusammenhalt unserer Gesellschaft auseinandersetzen. Aus dieser Sicht will Service Learning zivilgesellschaftliche Verantwortung vermitteln – und das ganz unabhängig vom Fach.

Service Learning: Ein Gewinn für alle

Das klingt utopisch. Wie soll das – fächerübergreifend – gelingen?

Detlev Buchholz: In Form des Ehrenamts! In der Tat ist es nämlich so, dass sich hier für jedes Studienfach etwas Passendes finden lässt.

In den sozialwissenschaftlich oder pflegerisch orientierten Fächern leuchtet das ein...

Detlev Buchholz: ... aber es geht auch in technischen Disziplinen oder bei angehenden Architekten und Bauingenieuren – etwa mit kostenloser Beratung von Kommunen bei der Gestaltung von Stadtvierteln. Gleiches gilt für die Wirtschaftswissenschaften, weil sich viele Vereine und Kleinbetriebe eine professionelle Beratung bei der Erstellung ihrer Businesspläne in der Regel gar nicht leisten können.

Und das Projekt „Connect“ der Universität Duisburg-Essen veranstaltet Workshops, in denen Schüler gemeinsam mit Studierenden aus ganz verschiedenen Fachrichtungen an einer gesellschaftlichen Fragestellung arbeiten.

Also auch hier eine Win-win-Situation?

Detlev Buchholz: Unbedingt! Vom Ehrenamt profitiert der Studierende, der sein Wissen anwenden, vertiefen und reflektieren kann. Die Gesellschaft profitiert von seiner Arbeitszeit. Und dann besteht auch noch die Hoffnung, dass Studierende auch im Rahmen ihrer Persönlichkeitsbildung weitergebracht werden.

Halten Sie Service Learning an Hochschulen für sinnvoll?

Soziales Engagement ist eine Frage der Kultur

Warum ist Service Learning in Deutschland – im Gegensatz zu den USA – noch weitgehend unbekannt?

Detlev Buchholz: Aus meiner Sicht ist das hauptsächlich eine kulturelle Frage. In Nordamerika spielt eigenverantwortliches Lernen eine viel stärkere Rolle. Dort gehört es einfach zum guten Ton, ehrenamtlich tätig zu sein. An vielen Universitäten gehört der Nachweis eines Ehrenamts sogar zu den Zugangsvoraussetzungen, zumindest zu Stipendien.

Da gibt es natürlich auch ganz andere Möglichkeiten, Studierende über Lehrpläne in ehrenamtliche Tätigkeit einzubinden. In Deutschland ist diesbezüglich noch viel Aufbauarbeit nötig.

Was halten Sie in diesem Zusammenhang von Credit Points für soziales Engagement an Hochschulen?

Detlev Buchholz: Das ist ein umstrittenes Thema. Aus Sicht unseres Netzwerks darf es Credit Points nicht für das Engagement an sich geben, sondern nur für die umrahmende Lehrveranstaltung.

Diskussion über Service Learning in der Community

Auch unter den Deutschland-Alumni bietet das Thema Service Learning und Credit Points Anlass zur Diskussion. So meint Daniel Aderhold aus Peru, dass soziales Engagement an Hochschulen sehr wohl mit Credit Points vergütet werden sollte: „Ich bin in Lima an einer Universität tätig, und hier sind die Studenten verpflichtet, während ihrer Studienzeit drei Credits außerhalb des Studienplans zu erwerben. Die Uni bietet dafür zahlreiche Möglichkeiten an, auch soziale Tätigkeiten.“

Ganz anderer Ansicht ist hingegen Nikolai Press aus England. Er ist zwar dafür, dass sich Studierende auch außerhalb der Universität engagieren. Allerdings ist er nicht der Auffassung, dass es dafür Credit Points geben sollte: „Manchmal muss man auch etwas ‚umsonst’ machen: aus Idealismus und Verantwortungsbewusstsein.“

Was halten Sie von Credit Points für soziales Engagement an Hochschulen? Teilen Sie uns Ihre Meinung mit. Wir freuen uns auf Ihre Stellungnahme in der Community-Gruppe „Studium und Forschung“ im Beitrag „Engagement neben dem Studium/Extra-Curricular Activities“!

 

Zur Community

Interview: Thomas Köster

Juli 2015

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Kommentare

Redaktion
30. Juli 2015

Dear Sulemana Husseini,

Do you still remember some German or would you like to refresh your vocabulary? In our German language section you will find useful expressions, a placement test and opportunities to learn German online: www.alumniportal-deutschland.org/en/german-language.html

Good luck to you and kind regards,

Redaktion Alumniportal Deutschland

Sulemana Husseini
28. Juli 2015

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Sulemana Husseini
28. Juli 2015

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