Alumni-Sonderprojekt BIOFACH 2021: „Ich habe sehr profitiert“

Sich bei einem zweiwöchigen Deutschlandaufenthalt fachlich weiterbilden, eine internationale Messe besuchen und viele interessante Kontakte knüpfen – aus Sicht vieler Deutschland-Alumni ist das eine ideale Kombination. Auch für Prof. Mazi Sanda aus Kamerun, Prof. Hafizur Rahman aus Bangladesch und Laura Sofía Lastra Álvarez aus Kolumbien, die sich im Spätsommer 2020 erfolgreich für das Alumni-Sonderprojekt BIOFACH 2021 des DAAD beworben hatten.

Doch bald darauf musste die Planung aufgrund der Corona-Pandemie komplett geändert werden: Die Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel BIOFACH 2021 fand nicht wie sonst in Nürnberg statt, sondern online. Auch die Weiterbildungen im Rahmen des Alumni-Sonderprojekts an den Universitäten Heidelberg und Kassel wurden ins Virtuelle verlegt – auf das Alumniportal Deutschland.

„Ein sehr guter Ersatz“

Ein virtuelles Seminar sei nicht dasselbe wie ein Präsenzkurs, sagt Bienenzucht-Experte Mazi Sanda von der Universität Ngaoundéré in Kamerun: „Wenn man persönlich teilnehmen kann, ist der Austausch lebendiger und das Lernen effektiver. Trotzdem war das ein sehr guter Ersatz.“

Neben den Inhalten der Weiterbildung „Sustainable Nutrition and Public Health“  sieht Sanda die neuen Tools zur digitalen Zusammenarbeit, die er dabei kennengelernt hat, als große Bereicherung – von Mentimeter bis Speed Networking. „Vor allem das Online-Brainstorming-Tool Miro ist großartig, das werde ich ab jetzt auch in meiner eigenen Lehre verwenden“, sagt er.

 Auch die Organisatoren hatten umdenken müssen, wie Anna Munz  vom Heidelberger Institut für Global Health berichtet. Sie hatte die virtuelle Fortbildung „Sustainable Nutrition and Public Health“ organisiert: „Wir mussten überlegen: Wie passen wir die Struktur an, um die Inhalte bestmöglich zu vermitteln und gleichzeitig Kontakte zwischen den Alumni zu fördern?“, sagt sie. Doch sie sieht die Vielfalt der Teilnehmenden als Chance, die viele ergriffen hatten: „Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen aus der Forschung, andere aus der Wirtschaft. In einer so heterogenen Gruppe können alle viel voneinander lernen.“

Das Förderprogramm „Fachliche Alumni-Sonderprojekte“ des DAAD richtet sich an Wissenschaftler*innen und Führungskräfte aus dem Globalen Süden, die einen Teil ihrer akademischen Ausbildung in Deutschland absolviert haben. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchen eine einwöchige Weiterbildung zu entwicklungsrelevanten Fragestellungen an einer deutschen Hochschule und anschließend gemeinsam eine internationale Messe oder einen Fachkongress.

Von Ernährung bis Kommunikationstechnologie

Die Themen orientieren sich an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen – das Spektrum reicht von Ernährung und Medizin über Wassermanagement, erneuerbare Energien, Klimaschutz und Biodiversität bis zu Informations- und Kommunikationstechnologien. Seit 2005 haben schon mehr als 2.800 Alumni an insgesamt 67 Sonderprojekten teilgenommen. Das Sonderprojekt BIOFACH 2021 war das erste, das ausschließlich virtuell stattfand.

Ziel des Programms sei nicht nur, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer neue Kenntnisse erwerben, erklärt Arngard Leifert, Teamleiterin Alumniprojekte beim DAAD: „Wichtig ist auch, dass neue fachliche und überregionale Netzwerke entstehen.“ Bei den Weiterbildungen lernen sich Alumni aus verwandten Fachgebieten untereinander kennen, auf den Messen oder Kongressen im Anschluss können sie Kontakte zu deutschen Unternehmen, Organisationen und Hochschulen anbahnen. „So wird auch die Verbindung der Alumni mit Deutschland aufgefrischt“, sagt Leifert.

Mazi Sanda hat über das virtuelle Sonderprojekt eine Reihe vielversprechender Kontakte geknüpft: Zusammen mit anderen Teilnehmenden der Weiterbildung denkt er jetzt über Ansatzpunkte für ein gemeinsames Forschungsprojekt nach. Und auf der virtuellen Messe lernte er Experten für ökologische Landwirtschaft aus Italien, Marokko und Madagaskar kennen, die für verschiedene Nichtregierungsorganisationen arbeiten. Auch mit ihnen hat er sich danach schon über Zoom getroffen, um Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit auszuloten.

Von der Weiterbildung profitiert

Für Chemieprofessor Hafizur Rahman von der Independent University in Bangladesch kann eine virtuelle Messe eine Präsenzveranstaltung nicht ersetzen: „2016 habe ich schon einmal an der BIOFACH teilgenommen und damals gleich mehrere sehr nützliche Kontakte geknüpft. Das hat diesmal nicht in der Form geklappt.“ Im persönlichen Gespräch könne man eben doch sehr viel besser feststellen, ob gemeinsame Interessen vorhanden seien.

Von der Weiterbildung habe er dagegen profitiert, sagt Rahman, der auf den Bereich Lebensmittelkontrolle spezialisiert ist: „Für mich war besonders interessant, dass die Weiterbildung verschiedene Fächer umfasste: Public Health, Wirtschaft, Landwirtschaft und Chemie. Interdisziplinäre Forschung ist auf meinem Gebiet unverzichtbar – in Bangladesch aber noch ziemlich selten.“

Deutschland-Alumni aus der freien Wirtschaft

In den Sonderprojekten sind neben Forscherinnen und Forschern aus aller Welt immer auch Deutschland-Alumni vertreten, die in der Wirtschaft tätig sind. Laura Sofía Lastra Álvarez arbeitet bei einem Fruchtexport-Unternehmen in Bogotá. Dort testet sie gerade eine neuartige Papier-Verpackung für Physalisfrüchte, die aus Zuckerrohr hergestellt wird. „Die Nachfrage der Verbraucher nach Bio-Produkten wächst nicht nur im Ausland, sondern auch in Kolumbien selbst“, erklärt sie. „Daher ist es sehr wichtig, auf gesündere, umweltfreundliche Anbaumethoden und Verpackungen umzustellen.“

 Die junge Agrartechnologin besuchte im Rahmen des Sonderprojekts die Weiterbildung „Ökolandbau in Entwicklungsländern – Qualität entlang der Wertschöpfungskette“ der Universität Kassel. „Das war sehr, sehr interessant – und hat mir bei der Entscheidung geholfen, mein Masterstudium in Deutschland zu machen“, erzählt sie. Auch einige Diskussionen und Livestreams auf der virtuellen BIOFACH hätten sich für sie gelohnt.

Vernetzung über einen Ideen-Contest

„Allerdings ist es online viel schwieriger, ins Gespräch zu kommen. Ich habe Podiumsdiskussionen erlebt, in denen keine einzige Frage aus dem Publikum kam.“ Auch das haptische Erlebnis habe ihr gefehlt: „Es ist natürlich sehr schade, wenn man die Produkte nicht riechen, anfassen und probieren kann!“

Um die Vernetzung über das Projekt hinaus zu fördern, realisiert der DAAD ab März 2021 eine „Crowd-Innovation-Challenge“ unter den Deutschland-Alumni. Gemeinsam sollen sie Ideen entwickeln, um dem UN-Nachhaltigkeitsziel „Kein Hunger“ näherzukommen. „Wir möchten auch ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Alumni-Sonderprojekten animieren, sich zu beteiligen“, sagt Arngard Leifert.

Eine Jury aus Alumni sowie aus Vertretern von Hochschulen und des DAAD werden am Ende die beste Idee auswählen, für deren Weiterentwicklung und Umsetzung auch Gründerzentren der Hochschulen gewonnen werden sollen. Laura Sofía Lastra Álvarez will auf jeden Fall mitmachen: „Ich freue mich schon darauf!“

  • Prof. Dr. Mazi Sanda Prof. Dr. Mazi Sanda
  • Prof. Dr. Hafizur Rahman Prof. Dr. Hafizur Rahman
  • Laura Lastra Álvarez Laura Lastra Álvarez

Bienen sind das Spezialgebiet des Insektenforschers Mazi Sanda: Der Entomologe, Associate Professor an der Universität Ngaoundéré in Kamerun, forscht zu bedrohten Lebensräumen von Bienen und der Bedeutung der Imkerei für eine nachhaltige Landwirtschaft. 2015 wurde Mazi Sanda in einem Cotutelle-Programm mit der Universität Bremen promoviert, mit der er bis heute eng zusammenarbeitet. 2019 forschte er als Humboldt-Stipendiat an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Foto: © privat

Seit seiner Doktorandenzeit an der Universität Göttingen von 2004 bis 2008 sieht Hafizur Rahman Deutschland als zweite Heimat an. Als Gastdozent kam er in den vergangenen Jahren an die Universitäten Cottbus-Senftenberg, Göttingen und Stuttgart-Hohenheim. Der Chemiker und Biotechnologe, der auf Ökotoxologie spezialisiert ist, forscht und lehrt seit 2012 an der privaten Independent University in Dhaka, Bangladesch (IUB). Sein aktuelles Forschungsprojekt soll dazu beitragen, den Einsatz von Antibiotika und Hormonen in der Fischzucht in Bangladesch zu verringern.

Foto: © privat

Laura Lastra Álvarez‘ besonderes Interesse gilt der ökologischen Landwirtschaft. Seit Anfang 2020 arbeitet sie in der Qualitätskontrolle in einem Fruchtexport-Unternehmen in Bogotá. Zuvor hatte sie ihr Bachelorstudium der Agrartechnik an der National University of Colombia abgeschlossen. Von 2018 bis 2019 studierte Laura Lastra Álvarez an der Technischen Universität München und machte ein Praktikum beim Landmaschinenhersteller Fendt in Marktoberdorf.

Foto: © TU München/privat

 


Autorin: Miriam Hoffmeyer

Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit uns!

Haben Sie auch schon einmal an einem Alumni-Sonderprojekt teilgenommen? Erzählen Sie anderen Alumni von dieser Erfahrung!

Zur Community-Gruppe

März 2021

Jetzt kommentieren