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Anti-Rassismus-Training: Toleranz und Fairplay – nicht nur auf dem Fußballplatz

Im Anti-Rassismus-Training erfahren Teilnehmende, welche Auswirkungen Vorurteile und rassistisches Denken haben und welche Wege es aus Diskriminierung und Intoleranz gibt.

Kurz vor dem Anpfiff. Hochspannung im Stadion. Italien gegen Deutschland. Weltweit erwarten Fans das Halbfinale der Fußball-EM 2012. Da treten Gianluigi Buffon und Philipp Lahm vors Mikrofon. Die Kapitäne der beiden Halbfinalisten verlesen eine Botschaft gegen Rassismus. „Wir sind ein Team, unabhängig von unserer Religion oder von unserem ethnischen Hintergrund“, sagt Buffon. Und Lahm fügt hinzu: „Nationalität, Religion, Geschlecht oder sexuelle Orientierung spielen beim Fußball keine Rolle.

Die Botschaft ist Teil der Initiative „Respect Diversity“, die von der UEFA zusammen mit dem FARE-Netzwerk – Fußball gegen Rassismus in Europa ins Leben gerufen wurde. Rassistisch motivierte Gewalt und rechtsextreme Parolen in Fußballstadien machen Spielern und Fans gleichermaßen zu schaffen. Aber was ist Rassismus und wie können Anti-Rassismus-Trainings dazu beitragen, auch jenseits des Fußballplatzes das Bewusstsein für Vielfalt und Toleranz zu schaffen?

Anti-Rassismus-Training: Begreifen und handeln

Beschimpfungen von Menschen mit dunkler Hautfarbe, wie sie auch im Vorfeld der EM vorkamen, sind als offen rassistisch klar zu erkennen und werden von den meisten Menschen abgelehnt. Anti-Rassismus-Trainings setzen jedoch viel früher an, nämlich bei der Frage, wo rassistisches Denken anfängt. Kinderspiele wie „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ oder Bilderbücher wie „Zehn kleine Negerlein“ zeigen, dass Kinder bereits früh lernen, Menschen nach ihrer Hautfarbe zu unterscheiden und zu bewerten. Um sich eigener Denkmuster bewusst zu werden, fragen Anti-Rassismus-Trainings nach eigenen Erfahrungen.

So auch die Angebote des Projekts A.R.T. (Anti-Rassismus-Training) – diese richten sich vor allem an Schüler und Jugendliche. Dabei sind deren Lebenswelten und Interessen gleichzeitig der Ausgangspunkt für die Lerninhalte. Über verschiedene Methoden und Arbeitsmaterialien wie Rollenspiele und Filme beginnen Teilnehmende damit, ihre vorhandenen Denkmuster und Vorurteile – positive wie negative – zu hinterfragen. Und sie wollen wissen, welche Auswirkungen rassistisches Denken hat und welche Wege es gibt, den Rassismus in unserer Gesellschaft zu verringern. Interessierte Pädagogen können beispielsweise den „A.R.T.-Koffer“ bestellen, mit dessen Inhalt sich Schüler der 7. oder 8. Klasse zum Thema „Fremde bei uns“ auf einen Projekttag vorbereiten.

Wir und die anderen: Diskriminierung und Rassismus

Der abwertend gemeinte Spruch „Frauen und Technik!“ bringt es eigentlich schon auf den Punkt. Denn wie bei der Diskriminierung von Frauen werden im Rassismus Menschen nicht als Individuen betrachtet, sondern als Mitglieder einer Gruppe. Aus diesen konstruierten Gruppenzugehörigkeiten werden dann bestimmte Eigenschaften und Charakterzüge abgeleitet, die meist mit einer Abwertung einhergehen. Wenn jemand einen anderen aufgrund seines Aussehens, seiner Herkunft oder seiner Kultur beurteilt, ausgrenzt, benachteiligt oder angreift, dann spricht man von rassistischem Verhalten.

Auch wenn die Einteilung der Menschen in Rassen wissenschaftlich längst überholt ist, wie es etwa die Stellungnahme gegen Rassismus der UNESCO erklärt, halten sich diskriminierende Vorurteile hartnäckig. Deshalb sind Aufklärung und Wissen über die Zusammenhänge von Vorurteilen und rassistischem Denken und Handeln neben dem Bewusstwerden von eigenen Denkmustern so wichtig. Das Anti-Rassismus Informations-Centrum ARIC-NRW e.V. bietet neben Anti-Rassismus-Trainings daher auch umfangreiche Informationen zu den Themen Rassismus, Diskriminierung, Schule und Gewalt, interkulturelle Pädagogik und antirassistische Bildung an.

Wissen und praktische Übungen für mehr Zivilcourage

Ist das Bewusstsein für eigene Denkmuster geschärft, lassen sich auch rassistische und diskriminierende Einstellungen und Verhaltensweisen anderer erkennen. ARIC baut darauf auf und erweitert persönliche Kompetenzen und Handlungsspielräume der Teilnehmenden. Im Zivilcourage-Training lernen sie Bedrohungssituationen einzuschätzen, eigene Ängste und Grenzen der Eingriffsmöglichkeiten wahrzunehmen und Deeskalationsstrategien sowie kreative Konfliktlösungen anzuwenden. Wer als Lehrerin oder als Sozialpädagoge oder als zivilgesellschaftliche Initiative etwas gegen Diskriminierung und Rassismus tun will, kann selbst ein Anti-Rassismus-Training organisieren. In der Datenbank der Gewalt Akademie Villigst finden sich Beschreibungen der jeweiligen Angebote und die Kontakte von Trainerinnen und Trainern.

Der Frage, wie sich nach einem Anti-Rassismus-Training die Wahrnehmung des Alltags verändert hat, stellen Folgetrainings des Vereins Phoenix e.V . Denn das Bewusstsein über eigene Denkmuster und die kontinuierliche Reflexion ist die Voraussetzung für Veränderung – auch jenseits des Fußballplatzes.

Autorin: Sabine Müller

März 2013

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