„Für die Workshops sind einige mitten in der Nacht aufgestanden“

Anna Munz hat für Teilnehmende des Alumni-Sonderprojekts BIOFACH 2021 eine einwöchige virtuelle Fortbildung organisiert. Über Herausforderungen wie Zeitverschiebung, langsames Internet und ausgefallene gemeinsame Abendessen.

Die Fortbildung für das Alumni-Sonderprojekt BIOFACH 2021 fand diesmal ausschließlich virtuell statt. Normalerweise waren die internationalen Teilnehmerinnen und Teilnehmer dafür nach Deutschland gereist. Wie hat sich die Veranstaltung dadurch verändert?

Die Atmosphäre ist anders, wenn alle gemeinsam in Deutschland sind. Das Zusammengehörigkeitsgefühl, das entsteht, wenn die ganze Gruppe nach einem gemeinsamen Tag abends ins Restaurant geht, lässt sich online nicht ersetzen. Als im Herbst 2020 beschlossen wurde, dass die Fortbildung virtuell stattfindet, mussten wir überlegen: Wie passen wir die Struktur an, um die Inhalte bestmöglich zu vermitteln und gleichzeitig Kontakte zwischen den Alumni zu fördern?

Aus welchem Grund haben Sie sich dafür entschieden, die Fortbildung wie ursprünglich geplant innerhalb einer Woche abzuhalten – obwohl viele Alumni währenddessen weiterarbeiten oder ihre Kinder betreuen mussten?

Für die Gruppendynamik und Beteiligung ist es sehr viel besser, wenn sich die Alumni häufig innerhalb kurzer Zeit treffen. Tatsächlich können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Fortbildung aber besser in ihren Arbeits- und Familienalltag einplanen, wenn sie über einen längeren Zeitraum gestreckt wird. Die Universität Kassel, die für die zweite Fortbildung im Rahmen des Sonderprojekts verantwortlich war, hat deshalb einen anderen Weg gewählt und ihre Kursinhalte auf sechs Wochen verteilt. Beide Wege haben Vor- und Nachteile. Eine Herausforderung für uns waren die unterschiedlichen Zeitzonen, in denen die Teilnehmenden leben – von Ecuador bis Indonesien.

Ein Zeitunterschied von zwölf Stunden. Wie war gemeinsames Lernen da überhaupt möglich?

Wir haben Videoaufzeichnungen zur Verfügung gestellt, die jederzeit abgerufen werden konnten. Für die Theorievermittlung war der Zeitunterschied also kein größeres Problem. Aber bei Workshops und Diskussionen haben sich die Alumni online getroffen. Einige sind dafür mitten in der Nacht aufgestanden. Wir hatten das gar nicht erwartet und waren überrascht, dass so viele regelmäßig teilgenommen haben.

Gab es viele technische Herausforderungen?

Um die Technik hat sich das Alumniportal Deutschland gekümmert, auf deren Plattform die Fortbildung stattfand. Die Kommunikation und alle Online-Events wurden über das Portal abgewickelt, außerdem hatten wir dort einen festen Ansprechpartner bei technischen Problemen, das hat sehr geholfen. Manche Alumni hatten vorab große Bedenken, denn nicht alle haben eine gute Internetverbindung. Und wenn alle an einer Videokonferenz teilnehmen, dabei noch Dokumente herunterladen oder mit Tools zusammenarbeiten, verbraucht das sehr viele Daten. Wir haben deshalb vorher angeboten, zusätzliche Kosten für gutes WLAN in dieser Woche zu erstatten, einige haben das auch in Anspruch genommen. Am Ende waren alle froh, dass es geklappt hat.

Online zu lernen kann schnell eintönig werden. Wie haben Sie für Abwechslung gesorgt?

Die Plattform Alumniportal Deutschland bietet dafür sehr viele Möglichkeiten. Das Highlight war auf jeden Fall ein Szenario-Workshop, in dem alle zusammen mit dem Tool Miro gearbeitet haben. Das ist eine digitale Pinnwand, auf der man Ideen zusammentragen und sortieren kann. Die Alumni haben in Gruppen Zukunftsszenarien für die Welt im Jahr 2040 entworfen unter den Aspekten Politik, Umwelt und Ernährung, das war für alle sehr spannend.

Werden die Alumni auch künftig in Kontakt bleiben?

Das Interesse am Austausch ist auf jeden Fall da, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben eine WhatsApp-Gruppe gegründet. Viele haben auch vor, sich noch ein weiteres Mal für ein Alumni-Sonderprojekt zu bewerben.

Welche digitalen Elemente werden auch nach der Pandemie für die Alumni-Arbeit wichtig sein?

Ich glaube, dass man aus der erzwungenen Umstellung viel für die Zukunft mitnehmen kann. Präsenzveranstaltungen sind nicht zu ersetzen, aber digitale Tools werden künftig stärker zur Vorbereitung genutzt werden – inhaltlich, aber auch für erste Treffen zum Kennenlernen.

Wer ist Anna Munz?

Anna Munz entwickelt derzeit Standards für die digitale Bildung im Bereich Global Health. Seit 2018 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Heidelberger Institut für Global Health des Universitätsklinikums Heidelberg tätig, wo sie unter anderem den Masterstudiengang International Health koordiniert. Anna Munz hat an der Universität in Heidelberg ihren Masterabschluss in Bildungswissenschaft mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung und Organisationsentwicklung erworben.

Interview: Miriam Hoffmeyer

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März 2021

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