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E-Learning: interaktiv und spielerisch

Wie so vieles hat die Digitalisierung, unterstützt durch das Internet, auch die Art des Lernens verändert – E-Learning ist dabei ein zentrales Schlüsselwort. Für Schüler, Studierende oder in der Weiterbildung entwickeln sich interessante, interaktive und innovative Formate. Alle haben das Ziel, das Lernen praxisnah, spannend, individuell und auch einfacher zu machen. Wir werden im Folgenden die Aspekte Online-Tutorien und Game-based Learning besonders herausgreifen.

Unter E-Learning versteht man grundsätzlich alle Lernvorgänge, die digitale Medien nutzen, etwa Lern-Apps auf dem Smartphone, Lernvideos und vieles mehr. Universitäten und Hochschulen bieten den Studierenden meistens „Blended Learning“ an. Das ist eine Kombination aus Präsenz- und Online-Phasen. Das E-Learning setzt elektronische – also digitale – Medien wie beispielsweise Videos ein mit dem Ziel, das Lehren und Lernen individueller, vielseitiger und interessanter zu gestalten. Das gelingt beispielsweise dadurch, dass Diskussionen über Themen sowohl zu jeder beliebigen Zeit als auch während der Veranstaltung stattfinden. Außerdem werden die Lerninhalte mithilfe von Online-Lernmodulen erweitert oder vertieft. Hier bestimmt man selbst das Lerntempo, kann beliebig oft wiederholen und im Online-Dialog mit Dozenten oder anderen Studierenden Fragen klären.

Große Reichweite, aber schwieriger Beziehungsaufbau

Zum großen Thema E-Learning haben wir eine Umfrage unter den Mitgliedern des Alumniportals Deutschland gestartet. Die Mexikanerin Ilse de la Cruz Gomez hat in den vergangenen vier Jahren im Bereich Human Resources gearbeitet und 2012 ein E-Learning-Projekt betreut, sie schreibt also aus der Perspektive einer Lehrenden. Das sehr anspruchsvolle Projekt hatte den Vorteil, dass dort auch alle firmeninternen Inhalte integriert wurden, doch die Entwicklung hat mehrere Monate gedauert. Ihre Meinung dazu ist zwiespältig: Einerseits hat man so die Möglichkeit, eine größere Zuhörerschaft zu erreichen, andererseits kann es schwieriger werden, eine Beziehung zu den Lernenden aufzubauen. 

Ilse hatte schon als Studierende Erfahrungen mit MOOCs (Massive Open Online Courses) und empfindet die Möglichkeit, sich mit Teilnehmern rund um den Globus auszutauschen, als bereichernd. In ihrem Projekt hat sie sowohl synchrone als auch asynchrone  und dabei interaktive Lehr- beziehungsweise Lernmethoden verwendet. Die Inhalte bewegten sich alle auf hohem Niveau und die Teilnehmer bekamen dafür ein Zertifikat, das vom Management anerkannt wurde. „Eine ziemliche Herausforderung bei dem globalen Projekt war die Koordinierung, so dass alle Teilnehmer die richtige Ausstattung bekamen. Aber das haben wir erfolgreich hinbekommen und die Ergebnisse beider Typen des E-Learnings waren erfolgreich“, schreibt Ilse. 

John O'Byrne lehrt als E-Learning-Trainer Business-Englisch: „Über eine eigene für das Unternehmen erarbeitete Schnittstelle kommunizieren wir mit den Studenten. Das ist ein Mix aus PowerPoint, Skype und Microsoft Paint, in dem man Präsentations-Folien beschriften kann, während die Studenten mir Nachrichten senden.“

E-Learning und E-Teaching: Vor- und Nachteile

Grundsätzlich sehen fast alle, die sich zu dem Thema geäußert haben, das E-Learning positiv. „Einerseits fand ich toll, dass die Lerninhalte immer online zur Verfügung stehen, andererseits fehlte es an persönlichem Kontakt mit anderen Studierenden“, schreibt Fedor Smirnov, der für das Marketing eines russischen Unternehmens verantwortlich ist.

Fernando Salazar  sieht für Lateinamerika jedoch Risiken: „Die Menschen hier suchen nicht nur Inhalte, sondern auch Erfahrung. Und Online-Erfahrung ist begrenzt, verglichen mit der realen Erfahrung. Man kann einfach nicht eine Reise zum Macchu Picchu in seiner ganzen Vielfalt mit YouTube-Videos vergleichen.“

Online-Tutorien

Marieke Gillessen hat im Rahmen des Projekts „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) das Online-Tutoring übernommen. Für ein Leadership-Training hatten sich rund 15 Deutsche, Inder, Mexikaner und Südafrikaner angemeldet. Über eine Plattform der GIZ konnten sich die Teilnehmer inhaltlich auf das einjährige Training vorbereiten. Sie konnten sich kennenlernen, erhielten praktische Tipps vor der Anreise und haben auf diese Weise bereits ein Gruppengefühl entwickelt. Inhaltlich wurde die Arbeit von Inputs der GIZ und einem thematischen Netzwerk unterfüttert.

„Eine große Herausforderung an mich war weniger die Technik (das ist alles erlernbar), sondern eher die ausschließlich online-basierte Kommunikation – über die Plattform und per E-Mail – mit sehr unterschiedlich kulturell orientierten Teilnehmern. Zum Beispiel wurde im Nachhinein an mich herangetragen, dass meine E-Mails für die nicht-deutschen Teilnehmer manchmal recht fordernd, streng und direkt wirkten. Ich war bereits vorher mit dem Thema der interkulturellen Kommunikation vertraut, habe jedoch in dieser Zeit noch sehr viel dazulernen können.“

In China sind Online-Tutorien „in“, schreibt Zhuoyi Ji. „Beim Sprachlernen soll man am besten mit einem Muttersprachler lernen. Und bei einem Online-Kurs kann man mit Muttersprachlern aus aller Welt die Sprachkenntnisse üben. Das ist sehr praktisch und hilfreich.“

Spielend lernen – Game-based Learning hat viel Potenzial

Wenn E-Learning und Computerspiele sich verbinden, dann spricht man vom spielebasierten Lernen – Game-based Learning oder auch Serious Games. Dahinter steckt die Überlegung, dass die Studenten von heute weitestgehend mit Computer und Computerspielen groß geworden sind und je nach Lerninhalt über klassische Lernmedien und Methoden nicht unbedingt hochmotiviert sind. Diese „Digital Natives“ bevorzugen „ein vernetztes und exploratives Lernen“, wie der US-amerikanische Manager und Autor Marc Prensky) beschreibt.

Spielen und Lernen gleichzeitig erleichtert auch den Lernprozess und stellt bei hoher Motivation einen direkten Praxisbezug her. An der RWTH Aachen gibt es mehrere solcher Spiele. Eines ist für Studierende des Faches Chemie die Chemiefabrik „Zink & Co.“. Das Ziel ist, die Studierenden zu motivieren, die Inhalte der Vorlesungen sofort aktiv zu nutzen. Dazu dient die virtuelle Welt der Chemiefabrik, denn hier sollen Probleme mithilfe des Vorlesungsstoffs gelöst werden. In dem Spiel übernehmen die Studierenden eine Praktikantenrolle und lösen Aufgaben aus dem chemisch-technischen Bereich. Besonders ermutigend: die gute Bewertung durch die Studierenden und die positive Verbindung zwischen dem Spielerfolg und den Ergebnissen der Klausuren.
Das von der Europäischen Union geförderte Projekt „SeCom2.0 – Serious Community 2.0 prevent flooding“ ist eine webbasierte Wissensplattform in Kombination mit einer Serious-Games-Komponente. Hier hat des Lehr- und Forschungsgebiet Ingenieurhydrologie der RWTH Aachen mitgewirkt. Es dient dem Training und zur Ausbildung im Bereich Hochwassermanagement. Arbeiten sollen damit Hochwasserexperten und Studierende des Bauingenieurwesens.

E-Learning: Wissen weltweit verbreiten

Computer und Internet haben das Lernen verändert – und das E-Learning ist ständig in Bewegung. Der Hightechverband BITKOM sieht darin den wichtigsten Trend im Bildungswesen. Klassische Trainingsformate werden abgelöst, Interaktion und Kommunikation mit den Lehrenden und der Lernenden untereinander wird gefördert. In virtuellen Lernwelten lassen sich die manchmal „trockenen“ Lerninhalte spielerisch erleben und anwenden und praxisrelevante Aufgaben lösen oder auch nur ausprobieren.

Grundsätzlich positiv sehen auch die Alumni, die sich in unserer Umfrage geäußert haben, diese Lernformate. Sie verstehen E-Learning als eine großartige Möglichkeit, Wissen weltweit zu verbreiten. Fast alle haben bereits an Online-Tutorien teilgenommen, plädieren aber weiterhin auch für Präsenzveranstaltungen.

E-Learning als Studienfach

E-Learning kann man auch studieren, beispielsweise an der Technischen Universität Chemnitz. Dort gibt es die Professur E-Learning und Neue Medien. Ein anderes Beispiel ist die Pädagogische Hochschule Heidelberg: Der Masterstudiengang E-Learning und Medienbildung ist vor allem ein Studiengang in einer geisteswissenschaftlichen Fakultät. Hier stehen Theorien und Konzepte der Mediendidaktik und Medienbildung im Vordergrund.

November 2014

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Kommentare

nicole_h
31. Mai 2015

Ich denke, dass solche Form vom Lernen sehr gut und erfolgreich sein kann. Fast jeder hat ein Internetzugang zu Hause und die Jugendliche moegen einfach am Computer sitzen. E-Learning koennte es ihnen helfen, schneller zu lernen und sie koennten solche Form vom Lernen auch moegen. Ich muss es eben selbst versuchen. Hoffentlich wird es Fortschritte geben.

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