Klimawandel – Herausforderung für die Wissenschaftskommunikation

Der Klimawandel stellt die gesamte Menschheit vor eine Herausforderung. Und auch für die Wissenschaftskommunikation ist der Klimawandel eine Herausforderung, denn Forschungsergebnisse müssen so kommuniziert werden, dass Menschen bereit sind, ihr Verhalten zu ändern. Dr. Eduardo Queiroz Alves, Humboldt-Forschungsstipendiat am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven, engagiert sich in der Wissenschaftskommunikation und gehörte 2020 zu den Gewinnern des zweiten ComLabs der Alexander von Humboldt-Stiftung. Er erzählt, wie eine erfolgreiche Wissenschaftskommunikation gelingen kann.

Ihr aktuelles Forschungsgebiet sind Permafrostböden. Welche Bedeutung haben sie für das Klima?

Wenn Permafrost auftaut, wird organisches Material frei und zersetzt sich. Dabei können Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen und einen Rückkopplungseffekt auslösen: Die Erderwärmung verstärkt sich, noch mehr Permafrost taut auf. Ich untersuche mithilfe der Radiokarbonmethode die Permafrost-Dynamik in Europa am Ende der letzten Eiszeit, um die Prozesse besser zu verstehen. Denn mit dem Wissen über die Klimaveränderungen der Vergangenheit lassen sich Szenarien für die aktuelle Klimakrise und für die Zukunft entwickeln.

Warum ist es Ihnen wichtig, die Ergebnisse der Klimaforschung der Öffentlichkeit zu vermitteln?

Die Kommunikation über den Klimawandel ist von enormer Bedeutung, weil das Thema alle Menschen auf dem Planeten angeht. Der Klimawandel bedroht unsere Lebensgrundlagen, unsere Gemeinschaften, unsere Zukunft. Noch ist es möglich, die Folgen abzumildern. Dafür müssen sich mehr Menschen der Bedrohung bewusst werden, ihr individuelles Verhalten ändern und auch Druck auf die Politik ausüben.



Was macht erfolgreiche Wissenschaftskommunikation aus?

Um wissenschaftliche Laien zu erreichen, ist es wichtig, eine klare und einfache Sprache zu verwenden. Klimawissenschaft ist für viele Leute ziemlich abstrakt – und es ist eine echte Herausforderung, die Materie zu vereinfachen und trotzdem auf Genauigkeit zu achten. Ein hoffnungsvoller Ton ist hilfreich, damit sich Menschen mit dem Thema auseinandersetzen und nicht wie gelähmt reagieren! Konkrete Beispiele können sie dazu ermutigen, im Alltag selbst etwas zur Lösung der Probleme beizutragen, anstatt zu denken, dass es auf sie nicht ankommt.

Wie kann die junge Generation hier mit einbezogen werden?

Junge Menschen sind die zukünftigen politischen Entscheidungsträger, daher ist es von grundlegender Bedeutung, dass sie die Klimakrise verstehen und sich engagieren. In der Praxis können sie viel einbringen – das Thema in ihre Familien und Freundeskreise tragen, Online-Diskussionsgruppen gründen, eigene Sozial- und Umweltprojekte an ihren Schulen starten. Auch weil sich die junge Generation sehr gut mit modernen Kommunikationsmitteln auskennt, kann sie viel zur Verbreitung des Themas beitragen.

Und wie können junge Leute dafür gewonnen werden, sich zu engagieren?

Nach meiner Erfahrung können persönliche Begegnungen viel bewirken. Für unser ComLab-Projekt haben meine Tandempartnerin, die dänische Journalistin Lise Josefsen Hermann, und ich eine Multimedia-Reportage gemacht und dafür auch mit dänischen Jugendlichen gesprochen. Sie fanden es viel glaubhafter, Informationen im direkten Gespräch von einem Wissenschaftler zu bekommen, als etwas zu lesen. Einige dänische Schulen wollen mich zu Vorträgen einladen, wenn die Pandemie vorbei ist. Ich würde auch gern Schülerinnen und Schülern in unser Labor holen und ihnen zeigen, wie wissenschaftliche Erkenntnisse zustande kommen.

Was haben Sie im ComLab über Wissenschaftskommunikation gelernt?

Das Projekt hat meine Perspektive sehr erweitert! Ich war vorher sehr an ein akademisches Umfeld gewöhnt. Für die Reportage haben wir mit den Jugendlichen und mit einer samischen Rentierhirtin gesprochen. Diesen Austausch empfand ich als sehr bereichernd. Ich bin mir heute viel bewusster, wie wichtig es ist, traditionelles Wissen und indigene Gemeinschaften in wissenschaftliche Studien einzubeziehen, wann immer dies möglich ist.


Humboldt Communication Labs

Labore für erfolgreiche Wissenschaftskommunikation

Zweimal jährlich bringt die Alexander von Humboldt-Stiftung in ihrem „Communication Lab for Exchange between Research and Media“ (ComLab) zehn Stipendiatinnen und Stipendiaten mit Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten aus aller Welt zusammen. In den mehrtägigen Workshops erarbeiten sie in Tandems Texte, Videos und andere journalistische Formate. Dabei steht das Lernen voneinander im Mittelpunkt. Ziel ist, eigene Forschungsergebnisse der Stipendiatinnen und Stipendiaten so zu vermitteln, dass sie für eine breite Öffentlichkeit verständlich und interessant sind. Die besten Beiträge werden ausgezeichnet. Themen der bisherigen vier ComLabs waren die Corona-Pandemie, Klimaforschung und European Green Deal, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit sowie Robotik und Digitalisierung.


Wie vermitteln Sie Ihre Forschung heute der Öffentlichkeit?

Ich schreibe Blogbeiträge über Klimathemen, unter anderem für den Blog der European Geosciences Union. Es macht mir Spaß, ein größeres Publikum außerhalb der eigenen Blase zu erreichen und Feedback zu bekommen. Kürzlich habe ich auch mit einer britischen Künstlerin zusammengearbeitet, die mein Forschungsthema zu einem Bild verarbeitet. Das fand ich sehr spannend, weil das Werk in Kunstgalerien in Paris und London ausgestellt wurde.

Haben Sie vielleicht einen Tipp für andere Wissenschaftskommunikatorinnen und -kommunikatoren?

Ich sehe mich nicht als Kommunikationsprofi, einen Ratschlag habe ich aber: Manche Leute lesen gerne Texte, andere finden sie langweilig und bevorzugen Videos oder Podcasts, um die gleiche Botschaft zu erhalten. Man sollte daher verschiedene Medien einsetzen, um verschiedene Zielgruppen zu erreichen.


Eduardo Queiroz Alves

Eduardo hat sich als Forscher auf die Verwendung von Isotopentechniken für Umwelt- und archäologische Studien spezialisiert und kann auf eine lange Reihe von Veröffentlichungen auf diesem Gebiet zurückblicken. Er verfügt über mehr als 10 Jahre Forschungserfahrung und hat kürzlich einen DPhil in Archäologie an der University of Oxford abgeschlossen. Derzeit arbeitet er im Rahmen eines Humboldt-Forschungsstipendiums der Alexander von Humboldt-Stiftung.am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, in der Gruppe Marine Geochemie. Seine Interessen umfassen Umwelt- und Klimastudien innerhalb des akademischen Sektors sowie in zwischenstaatlichen Organisationen.

Foto: Fenina Butler

Autorin: Miriam Hoffmeyer

Wie können Ihrer Meinung nach Forschungsergebnisse zum Klimawandel erfolgreich kommuniziert werden?

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Februar 2022

Kommentare

Horst Schumacher
16. Februar 2022

Forschungsergebnisse sollten so kommuniziert werden, dass auch eine breite Öffentlichkeit sie ohne große Probleme versteht. Also herunter von dem wissenschftlichen Sprachniveau! Wenn es in manchen Fällen nicht möglich ist, sind ausführliche Beispiele unerlässlich. Erklärungsvideos sind sicher auch hilfreich. Auch die positiven Folgen des nachhaltigen Folgen sind leicht nachvollziehbar dazustellen.

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