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Forschung für barrierefreies Internet muss verstärkt werden

Ein barrierefreies Internet eröffnet Menschen mit Behinderung viele Möglichkeiten, die neuen gemeinschaftlichen Bereiche des Kommunikationszeitalters zu nutzen. Einer, der sich mit dem Thema auskennt, ist der Online-Redakteur Domingos de Oliveira. Er berichtet, welche Studien zum Thema Barrierefreiheit im Internet in den letzten Jahren veröffentlich wurden und sieht großen Forschungsbedarf.

Barrierefreies Internet (oder auch Web Accessibility) bedeutet, dass das Netz von allen Menschen – unabhängig von ihren körperlichen oder geistigen Voraussetzungen – uneingeschränkt genutzt werden kann. Das ist wichtig, denn statistisch gesehen sind Menschen mit Einschränkungen (zum Beispiel einer Seh- oder Hörschwäche) überdurchschnittlich häufig im Internet.

Dies besagt auch die Studie „Web 2.0 barrierefrei“ der Aktion Mensch: 2008 wurden über das Portal „Einfach für Alle“ – ein Angebot für ein barrierefreies Internet – Behinderte zu ihrer Nutzung des Social Web befragt. Die Ergebnisse sind nach wie vor lesenswert, da sich bis heute erstaunlich wenig geändert hat.

Barrierefreiheit im Internet

Domingos de Oliveira arbeitet als freier Online-Redakteur. Er ist von Geburt an blind und engagiert sich für ein barrierefreies Internet. Die barrierefreie Webgestaltung ist seit Jahren ein Schwerpunkt seiner Arbeit. Dazu hat er unter anderem ein Buch herausgegeben: „Barrierefreiheit im Internet – ein Handbuch für Redakteure“.

Zu wenig Forschung zur Barrierefreiheit im Internet

Insgesamt auffällig ist, dass es zwar viele – insbesondere technische – Initiativen für ein barrierefreies Internet gibt, etwa die Web Accessibility Initiative (WAI) des World Wide Web Consortiums (W3C). Aber es gibt kaum relevante Studien. Die Forschungssituation im Bereich barrierefreies Internet ist laut Domingos De Oliveira enttäuschend: So fehlten zum einen Gelder für die Grundlagenforschung, zum anderen würden einige Institutionen ihre Daten gar nicht erst veröffentlichen. Hauptsächlich zwei Aspekte müssten seiner Meinung nach stärker erforscht werden:

„Einmal die Barrierefreiheit für Menschen mit geistiger Behinderung, Lernbehinderung und Demenz. Sie sind besonders auf ein barrierefreies Internet angewiesen, da es für sie kaum Hilfstechniken gibt und sie sonst Schwierigkeiten haben, die Inhalte zu verstehen. Diese Gruppe ist aber kaum erforscht.

Die zweite Gruppe sind Gehörlose. Wenn sie die Lautsprache nicht gelernt haben, sind sie auf die Gebärdensprache angewiesen. Da die Produktion von Gebärdenvideos teuer und aufwendig ist, sollte die automatische Übersetzung von Textinhalten in Gebärdensprache verbessert werden“, so De Oliveira.

Zwei Drittel der Menschen mit und ohne Behinderung wären sogar bereit, mehr für barrierefreie Produkte im Internet zu bezahlen. Dies hat eine Umfrage der Europäischen Union (EU) aus dem Jahr 2012 ergeben.

Barrierefreies Internet in Mittel-, Osteuropa und Asien auf dem Vormarsch

Ganz gut erforscht ist hingegen die Barrierefreiheit im Internet im globalen Vergleich: Laut einer Studie der Washington University gibt es gravierende Länderunterschiede in der Zugänglichkeit der untersuchten Hochschul- und Regierungswebseiten. Nur 39 Staaten haben überhaupt einen hohen Anteil an barrierefreien Webseiten. Australien, Irland, Neuseeland, Spanien, die Schweiz und Großbritannien schneiden am besten ab – all diese Staaten haben barrierefreies Internet gesetzlich verankert.

Der „Zero Project Report“ untersucht regelmäßig, wie sich barrierefreies Internet in unterschiedlichen Ländern entwickelt hat. Ende Februar 2014 ist eine Konferenz zum Thema „Innovative Strategien und Vorgehensweisen für Menschen mit Behinderungen“ zu Ende gegangen. Das interessanteste Ergebnis ist, dass die Entwicklung hinsichtlich Barrierefreiheit im Internet in der EU stagniert, während sich die Staaten in Mittel- und Osteuropa und Asien sehr positiv entwickeln.

Es gibt also durchaus positive Trends bei der Realisierung barrierefreier Webseiten, allerdings fehlt es in einigen Bereichen noch an Grundlagenforschung, wie Domingos De Oliveira deutlich macht.

Mai 2014

Kommentare

fadli
13. August 2016

thanks

Kamal
22. Dezember 2015

Sehr schf6ner und informativer Artikel. Barrierefreies Webdesign gibt es viel zu wenig. Wenn ich zum Teil die gzanen fcberladenen Webseiten mit unze4hligen Animationen, Flash, Werbung und unnfctzen Links sehe, frage ich mich immer: Wie halten das die Besucher da aus ? Das nervt ja auch schnell mal und wenn ich nach einer ganz bestimmten Information suche, mf6chte diese doch auch auf direkten Wege finden.

maripaz
21. Juli 2014

CONSIDERO QUE PARA LAS PERSONAS CON DISCAPACIDAD TODAVÍA FALTA INTEGRARLAS MAS A LA VIDA REAL Y VIRTUAL, MANEJAR EL SONIDO, EL SISTEMA BRAILE EN EL TECLADO, EL LENGUAJE DE SEÑAS EN CONFERENCIAS O VIDEOS,.... NECESITAMOS PONERNOS EN SUS ZAPATOS PARA ADECUAR LAS TECNOLOGÍAS A SUS NECESIDADES.

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