Die Junge Akademie: einzigartiger Kreativ-Hub

Eine intellektuelle Spielwiese für Forschende mit Gestaltungswillen, ein einzigartiger kreativer Hub – wenn Mitglieder und Alumni die Junge Akademie beschreiben, geraten sie schnell ins Schwärmen. Dr. Lukas Haffert, Oberassistent am Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich und DAAD-Alumnus, bringt es so auf den Punkt: „So wie die Wissenschaft in Sonntagsreden dargestellt wird, ist die Junge Akademie in Wirklichkeit: Man darf ohne Druck seiner Neugier und der Lust an der Zusammenarbeit mit hochinteressanten Leuten nachgeben.“

Wissenschaft und Gesellschaft ins Gespräch bringen

Die im Jahr 2000 gegründete Junge Akademie wird von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Akademie der Naturforscher Leopoldina getragen. Jährlich werden zehn neue Mitglieder aus verschiedenen Fachrichtungen für fünf Jahre gewählt, darunter auch regelmäßig DAAD-Alumni. Voraussetzung ist eine herausragende Promotion, die drei bis sieben Jahre zurückliegen sollte, oder ein herausragendes künstlerisches Qualifikationswerk. „Die Junge Akademie bietet der nächsten Generation der Forschenden viele Möglichkeiten, gemeinsam in entspannter Atmosphäre neue Ideen zu verfolgen“, sagt Laura Forstbach, Wissenschaftliche Koordinatorin in der Geschäftsstelle in Berlin: „Ziel ist, dass sich die Mitglieder für ein zukunftsfähiges Wissenschaftssystem einsetzen und Wege suchen, Wissenschaft und Gesellschaft stärker zu verbinden.“

Vorgaben dafür gibt es nicht: Jedes Mitglied hat Zugang zu einem kleineren persönlichen Budget und zum zentralen Forschungsbudget, über dessen Verwendung gemeinsam entschieden wird. Neben Publikationen, Symposien und Kunstaktionen brachte die Junge Akademie auch schon ein Gesellschaftsspiel namens „Peer Review“ hervor. Im vergangenen Jahr unternahmen sechs Mitglieder eine interdisziplinäre Expedition zu Gletschern in Ecuador, um mit Methoden der Glaziologie, Biologie, Chemie, Klangökologie, Informatik und Medizin Auswirkungen des Klimawandels zu erforschen.

Herzstück der gemeinsamen Aktivitäten sind die derzeit elf Arbeitsgruppen, deren Themenspektrum von Streitkulturen über Künstliche Intelligenz bis Nachhaltigkeit reicht. Die meisten Mitglieder engagieren sich in mehreren Gruppen gleichzeitig. Mit Abstand am größten ist die Arbeitsgruppe Wissenschaftspolitik, an der rund 60 Mitglieder und Alumni beteiligt sind, unter ihnen Lukas Haffert. Aktuell bereitet er eine systematische Erhebung zum Thema Pendeln vor. „In der Wissenschaft wird wahnsinnig viel gependelt, oft über sehr lange Strecken“, erklärt Haffert. „Das könnte auch dazu beitragen, dass mehr Frauen als Männer die Wissenschaft wieder verlassen.“ Andere Themen der AG Wissenschaftspolitik sind die prekäre Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und eine alternative weniger hierarchische Wissenschaftsstruktur. „Es sind die gleichen Fragen, die im großen Feld der Wissenschaftspolitik diskutiert werden“, sagt Prof. Dr. Ulrike Endesfelder von der Universität Bonn, bis 2020 Akademiemitglied. Auch als Alumna ist sie noch an einem Projekt der Arbeitsgruppe beteiligt, das untersucht, welche Arten der Förderung sich insgesamt positiv auf das Wissenschaftssystem auswirken.

Die aktiven Mitglieder unterstützten einander in vielerlei Hinsicht, erklärt die Physikerin: „Neben dem wissenschaftlichen, interdisziplinären Austausch gewinnt man auch eine wertvolle Peergroup: Man trifft andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in ähnlichen Karrieresituationen zwischen Postdoc und verstetigter Professur sind. Das ist eine sehr dynamische und schwierige Phase in der wissenschaftlichen Karriere – ganz unabhängig von der Fachrichtung.“ Als Endesfelder aufgenommen wurde, war sie gerade Gruppenleiterin geworden und stand vor vielen neuen Organisations- und Personalfragen. „Es ist sehr hilfreich, wenn man sich darüber mit Personen in ähnlichen Situationen austauschen kann", meint sie. Darüber hinaus entstünden über die Junge Akademie oft „außergewöhnliche, tiefe Freundschaften – sogar wenn man gar nicht zur selben Zeit aktiv dabei ist. Ich selbst bin mit einigen Mitgliedern aus früheren und späteren Jahrgängen in Kontakt.“

Mehr als 70 der insgesamt 210 Mitglieder und Alumni wurden vor ihrer Aufnahme durch den DAAD gefördert – auch Ulrike Endesfelder und Lukas Haffert, der 2018 aus Harvard, wo er eine JFK Memorial Fellowship innehatte, zum Auswahlgespräch für die Junge Akademie anreiste. „Wir haben uns über Unterschiede der Politikwissenschaft in den USA und Deutschland unterhalten, insofern hat das DAAD-Stipendium sicherlich eine Rolle gespielt“, meint er.

Fachlich wie menschlich profitieren

Auch das Akademiemitglied Prof. Dr. Dr. Frauke Rostalski, Juristin an der Universität Köln und seit April 2020 Mitglied des Deutschen Ethikrats, hat einen mehrmonatigen Forschungsaufenthalt in den USA verbracht, der durch den DAAD gefördert wurde. „Auslandserfahrung zeigt, dass man die Bereitschaft hat, den eigenen Horizont zu weiten. Für die Arbeit in der Jungen Akademie ist das eine wichtige Voraussetzung“, sagt Rostalski. Die Mitgliedschaft habe ihr viele neue Perspektiven eröffnet: „Man erhält die Möglichkeit, über den eigenen Tellerrand zu blicken und sich mit einem ausgewählten Kreis von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern zu vernetzen. Das kann über die Zeit in der Jungen Akademie hinaus sehr gewinnbringend sein – sowohl fachlich als auch menschlich.“

Dreimal pro Jahr treffen sich die Mitglieder in wechselnden Städten zum Plenum. Wegen der Pandemie konnten die Treffen seit anderthalb Jahren nur online stattfinden. Beim hybriden Herbstplenum der Jungen Akademie vom 28. bis 30. Oktober in Duisburg sind nun endlich wieder persönliche Begegnungen möglich.

Autorin: Miriam Hoffmeyer

Oktober 2021

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