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Bei Erdbeben ist Katastrophenschutz aus Deutschland gefragt

Es geschah am 27. Februar 2010 mitten in der Nacht: Vor der Küste Chiles erschütterte ein gewaltiges Beben die Erde. Ein Tsunami traf die Küste. Beben und Flutwelle forderten mehr als 5.000 Menschenleben. Das Erdbeben traf die umliegenden Städte – mehr als 500 Menschen starben. Selbst die weit entfernte Hauptstadt Santiago de Chile blieb nicht verschont. Der Hausmeister der dortigen Deutschen Schule wurde durch einen Alarm gewarnt – dank einer Technologie aus Deutschland.

Frühwarnsystem LifePatron

Das Frühwarnsystem LifePatron schenkte dem Hausmeister 30 Sekunden. „Menschen wachen normalerweise erst von den sogenannten Sekundärwellen auf und sind erst einmal irritiert – so vergeht wertvolle Zeit“, sagt Jürgen Przybylak, Geschäftsführer von Secty Eletronics. Das deutsche Unternehmen hat LifePatron entwickelt. Das System registriert Primärwellen, die früher eintreffen als Sekundärwellen, aber von Menschen nicht wahrgenommen werden. Seit dem Erdbeben 2011 in Japan ist das Interesse an LifePatron stark gestiegen.

Frühwarnsystem für Indonesien

Deutsche Technologie ist im Katastrophenschutz gefragt. Das Deutsche GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) entwickelte im Auftrag der Bundesregierung ein Frühwarnsystem für Tsunamis im Indischen Ozean – nachdem dort 2004 ein Seebeben verheerende Schäden angerichtet hatte. Das German Indonesian Tsunami Early Warning System (GITEWS) besteht aus rund 300 Messstationen, die in ganz Indonesien verteilt wurden. Die Daten werden über ein Simulationssystem in ein Lagebild umgesetzt. Im Ernstfall erstellt GITEWS in wenigen Minuten Gefährdungskarten. Das zentrale Warnzentrum kann so Maßnahmen zum Schutz der Menschen einleiten.

Das System ist seit März 2011 offiziell in Betrieb. Seit dem Start des Testbetriebs 2009 konnte es elf Tsunamis frühzeitig erfassen. Ein Beben vor der Südküste Sumatras 2010 zeigte allerdings die Grenzen des Systems: GITEWS brauchte zwar nur fünf Minuten für eine Warnung, doch in dieser Zeit schlugen bereits die ersten Wellen auf. „Zu Frühwarnmaßnahmen gehört auch, dass die Bevölkerung entsprechend reagiert“, sagt GFZ-Forscher Daniel J. Acksel. Die indonesische Regierung führt deshalb Informations- und Bildungskampagnen durch.

Deutsche Freiwilligenarbeit als Modell

Auch China arbeitet im Katastrophenschutz mit deutschen Spezialisten zusammen. Nach dem Erdbeben in Sichuan 2008 suchte die Regierung weltweit nach Konzepten für ein besseres Katastrophenmanagement – und wurde in Deutschland fündig. Vor allem die Freiwilligenarbeit und die dezentrale Organisation überzeugten. „Das ist für China ein reizvolles Modell, weil sich bei Katastrophen Institutionen vor Ort zu wenig austauschen“, sagt Christof Johnen, Projektleiter der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Der Nachbar hilft zuerst

Die GIZ-Experten begleiten den Aufbau eines „National Institute of Emergency Management“. Es soll Verwaltungsmitarbeiter schulen, Forschung betreiben und die Politik beraten. Vor Ort sollen die Ersthelfer dann qualifizierter reagieren können – das deutsche Technische Hilfswerk gilt dabei als vorbildlich. Viele Studien zeigen, dass die meisten Menschen bei Katastrophen nicht von internationalen Teams gerettet werden, sondern von Nachbarn.

 

 

August 2011

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Kommentare

lali
5. Dezember 2011

Diezer thema ist sehr interessant...

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