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Kolumbien und Deutschland stärken internationale Forschungskooperationen

Kolumbien wandelt sich vom gefährlichen Krisenland Lateinamerikas zum attraktiven Standort für internationale Forschungskooperationen. Deutsch-kolumbianische Partnerschaften in unterschiedlichsten Disziplinen eröffnen zukunftsweisende Perspektiven für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus beiden Ländern.

Nachrichten über Entführungen, Drogenkriege und Menschenrechtsverletzungen beherrschten in der Vergangenheit die internationalen Berichte über Kolumbien. Das Image als politisch instabiles und gefährliches Andenland überschattete die Arbeit einer lebendigen Forschungsgemeinschaft sowie die Erfolge bereits bestehender internationaler Forschungskooperationen. Doch in jüngster Zeit ist ein rasanter Wandel in Kolumbien im Gange.

So hat die kolumbianische Forschungsförderorganisation COLCIENCIAS Anfang 2009 den Rang eines Ministeriums erlangt und verwaltet unter anderem den im gleichen Jahr gegründeten Nationalen Fonds zur Finanzierung von Wissenschaft, Technologie und Innovation. Das Budget wird in erster Linie in Förder- und thematische Schwerpunktprogramme investiert, etwa im Bereich der Umwelttechnologien und Biodiversität. Seit 2012 fließen jährlich außerdem zehn Prozent der Erlöse des Rohstoffabbaus in die Förderung von Forschung und Innovation und werden von COLCIENCIAS verwaltet.

Aus Forscherinitiativen werden internationale Forschungskooperationen

Deutsch-kolumbianische Forschungspartnerschaften bestehen teilweise schon seit mehreren Jahrzehnten, beruhten jedoch häufig auf der Initiative einzelner Wissenschaftler oder Lehrstühle. Heute bekommen die Forschungskooperationen ein ganz anderes Gewicht. Meeresforscher der Universität Gießen etwa gründeten mit ihren kolumbianischen Kollegen bereits Ende der 1960er-Jahre ein Forschungsinstitut im nordkolumbianischen Santa Marta; inzwischen ist das CEMarin eines von vier Exzellenzzentren weltweit, die das Auswärtige Amt im Rahmen der Außenwissenschaftsinitiative finanziert.

Im Bereich der Elektrotechnik besteht seit 2012 ein Memorandum of Understanding (MOU) zwischen COLCIENCIAS und der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG); im Fokus steht dabei die gemeinsame Forschung auf dem Gebiet der Hochfrequenztechnik. Neben DFG haben auch Organisationen wie der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) oder das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Kolumbien zum Schwerpunktland in Lateinamerika erklärt.

Von der Philosophie Hegels bis zur Hochfrequenztechnik

Eine engere Verbindung zwischen Universitäten und Forschungseinrichtungen streben insbesondere deutsche und kolumbianische Wissenschaftler an. „I am very interested in creating closer links between universities in Germany and my own university in Colombia“, erklärt etwa María del Rosario Acosta aus Bogotá. „With the help of the Humboldt Foundation, I want to organise an international conference on philosophy (probably the philosophy of Georg W. F. Hegel) in the near future“. Nach ihrem Studium promovierte die Geisteswissenschaftlerin 2007 in Philosophie an der Universidad Nacional de Colombia und arbeitet heute als Außerordentliche Professorin im Fachbereich Philosophie an der Universidad de los Andes, ebenfalls in Bogotá. Seit 2013 arbeitet sie als Stipendiatin der Alexander von Humboldt-Stiftung am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität in Frankfurt.

Mehr Austauschprogramme für zukunftsweisende Forschungskooperationen

María del Rosario Acosta kennt nicht nur die kolumbianische Wissenschaftswelt, sondern hat inzwischen auch einen tiefen Einblick in Wissenschaft und Forschung im deutschen Partnerland gewonnen. Sie begrüßt den positiven Wandel in Kolumbien und die wachsenden internationalen Forschungskooperationen. „Colombia’s university system is undergoing very important changes, particularly regarding graduate programmes (...) and also in relation to an increasing interest and quality in research. International cooperation is very important in both cases.“ Ihr persönliches Interesse liegt ganz konkret in der Einrichtung eines Austauschprogramms zwischen den Philosophischen Fachbereichen der Universidad de los Andes und der Goethe-Universität, und zwar sowohl für die Fakultäten als auch für die Studierenden beziehungsweise Postgraduierten.

Für Alumni hat der Imagewandel Kolumbiens bereits stattgefunden

In puncto Austauschprogramme tut sich bereits einiges: Über das Kreditstipendienprogramm DAAD-COLFUTURO beispielsweise unterstützt der DAAD gemeinsam mit der kolumbianischen Stiftung COLFUTURO jährlich 50 kolumbianische Masterstudierende in Deutschland mit Vollfinanzierung. Darüber hinaus werden weitere Kandidaten komplett durch COLFUTURO finanziert.

Für Wissenschaftler, die bereits die Gelegenheit zum deutsch-kolumbianischen Wissenschaftsaustausch hatten, gehört das negative Image Kolumbiens längst der Vergangenheit an. Ein Student aus Darmstadt fasst seine Erfahrungen zum Beispiel so zusammen: „Das Land wird von vielen als erstes mit Gewalt und Bürgerkrieg in Verbindung gebracht. Obwohl diese Zeiten weitgehend vorüber sind, spricht fast niemand über die positiven Seiten. Genau das machte das Land für mich so interessant und ich konnte Kolumbien tatsächlich von einer ganz anderen Seite kennenlernen.“ (Quelle: Gate Germany – Länderprofil Kolumbien)

Ob regelmäßige Treffen von Alumni, Diskussionen mit Hochschulvertretern oder die Förderung deutsch-kolumbianischer Projekte – das sind nur einige Aktivitäten der beiden großen kolumbianischen Alumnivereinigungen Asprea und Aspa. Für die künftige Alumna der Alexander von Humboldt-Stiftung María del Rosario Acosta eröffnet die Möglichkeit der fachlichen Zusammenarbeit ein enormes Potential: „There is a vitality and a strong potential in the Colombian academic system. There is still a lot to be done, and this is also combined with the impetus and the will to do it.”

März 2014

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