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Lernen von Humboldt: Wissenschaft kommunizieren

Alexander von Humboldt war ein Vorbild in der Wissenschaftskommunikation. Das zeigten eine Jubiläumsveranstaltung und Workshops in Bonn.

Für Oliver Lubrich, Professor für Neuere Deutsche Literatur und Komparatistik an der Universität Bern, steht außer Frage, dass das Universalgenie Alexander von Humboldt auch ein Vorbild in Fragen der Wissenschaftskommunikation ist. Wie nur wenige andere Experten kennt Lubrich das Werk Humboldts. Als einer der Herausgeber von Humboldts „Sämtlichen Schriften“, die zum 250. Geburtstag des Wissenschaftlers am 14. September 2019 erschienen sind, hat Lubrich eine beeindruckende Fülle an Veröffentlichungen zusammengetragen: „Alexander von Humboldt wollte eine möglichst breite Öffentlichkeit erreichen, nicht nur Fachkollegien“, sagt Lubrich. „Er hat die ihm zur Verfügung stehenden Mittel und Medien eingesetzt, um die Demokratisierung der Wissenschaft zu befördern.“

Humboldt der Infografiker

Neben zahlreichen Büchern veröffentlichte Alexander von Humboldt rund 1.000 Artikel und Essays. Diese Schriften erschienen in 15 Sprachen in 1.240 internationalen Zeitungen und Journalen auf fünf Kontinenten. „Wir haben gerade durch die vielen kürzeren Texte Humboldts ein neues Bild von ihm als Autor gewonnen“, sagt Lubrich. „Er überlegte sich sehr genau, wie und wo er veröffentlichen kann, seine Beiträge erschienen in der ,Neuen Zürcher Zeitung‘, im ,Economist‘ oder in der ,New York Times‘.“ Humboldt habe als Autor die unterschiedlichsten Genres genutzt – und früh wegweisende Akzente in der „Datenvisualisierung“ gesetzt. Als Beispiel nennt Lubrich die knapp sechzig Zentimeter hohe und rund 85 Zentimeter breite kolorierte Kupferstichtafel „Tableau physique des Andes et Pays voisins“: Mit Text und Bild, im Zentrum der Berg Chimborazo, lieferte Humboldt eine frühe Infografik zur Vegetation der Andenregion.

Jubiläum im Geiste Humboldts

„Humboldt ist immer noch von großer Bedeutung. Seine Geschichte lebt“, sagt Dr. Denise Margaret Matias. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsschwerpunkt Biodiversität und Bevölkerung am Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) in Frankfurt am Main – und Alumna des Internationalen Klimaschutzstipendiums der Alexander von Humboldt-Stiftung. Die Philippinerin gehörte 2010 zur ersten Kohorte der Stipendiaten. Auf einer Festveranstaltung zum zehnjährigen Bestehen des Stipendienprogramms in Bonn hörte sie den Eröffnungsvortrag von Oliver Lubrich – und nutzte auch das Weiterbildungsangebot zur Wissenschaftskommunikation: Vier Workshops zu den Formaten Video Clips, Storytelling, Science Slams und Visualisierung zeigten zeitgemäße Wege der Öffentlichkeitsarbeit für Forschende. Eine zentrale Frage dabei: Wie können Informationen für ein fachfremdes Publikum und unterschiedliche Zielgruppen aufbereitet werden? 

Wissenschaft im Dialog mit der Politik

Für Matias sind Politiker eine wesentliche „Zielgruppe“. „Es ist wichtig, dass sie uns Wissenschaftler verstehen, damit die Politik wissenschaftsbasierte Entscheidungen treffen kann.“ Die Expertin bringt ihre Themen in Debatten ein: In einer Diskussionsrunde zur Klimapolitik am Rande der UN-Weltklimakonferenz in Kattowitz 2018 hielt Matias einen Vortrag; andere Redner waren Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Professor Hans Joachim Schellnhuber, Gründer des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen (WBGU). Matias stellte in Kattowitz ein Pilotprojekt vor, dass die Vorteile von Klimaschutz-Versicherungen für indigene Bevölkerungsgruppen erforscht. „Es gibt Themen, die Politiker attraktiver finden“, sagt sie. „Umso wichtiger ist die effektive Wissenschaftskommunikation.“ Wie diese gelingen kann, zeigt der Blick auf die während der Bonner Workshops vorgestellten vier Formate.

Video Clips

Die Produktion von Video Clips hat viele Vorteile: Sie unterhalten die Zielgruppe und illustrieren komplexe Themen anschaulich. Emotional können sie wie kaum ein anderes Medium berühren und lassen sich leicht und dauerhaft verbreiten. Auch können Wissenschaftler über die Videos ihre Zielgruppe direkt und authentisch ansprechen. Wer sich mit dem Auftritt vor der Kamera schwer tut, kann sich durch ein Medientraining Sicherheit holen.

Weiterführende Infos zu Video Clips finden Sie hier.

Storytelling

Während man für einen Video Clip die passenden Bilder benötigt, braucht man für Storytelling vor allem eine gute Geschichte. Am Anfang steht also die Frage: Lässt sich mein Thema mit einer einprägsamen Erzählung verknüpfen? Kann eine Hauptfigur das Mitgefühl der Zielgruppe wecken? In Bonn erarbeiteten die Workshop-Teilnehmer solche packenden Storys: Kämpfer gegen klimaschädliche Abholzung in Afrika oder für nachhaltige Fischerei in Lateinamerika wurden zu Helden von Geschichten mit seriösem wissenschaftlichem Fundament.

Weiterführende Infos zu Storytelling-Formaten finden Sie hier.

Science Slams

Vortragende bei Science Slams nehmen den Wettbewerb um Aufmerksamkeit offensiv an. Nur wenige Minuten haben Wissenschaftler bei diesem Format Zeit, ihre Forschung auf der Bühne vor einem Publikum zu präsentieren. Wer begeistern will, muss auffallen und überraschen können: mit Humor, Leidenschaft oder Fragen an das Publikum. Auch ein in sich ruhender Vortragender kann eine bemerkenswerte Ausstrahlung entwickeln. Wichtig ist: Der Vortragsstil muss nicht nur zum Publikum, sondern auch zum Wissenschaftler passen.

Weiterführende Infos zu Science Slams finden Sie hier.

Visualisierung

„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ – das Sprichwort gilt oft auch in der Wissenschaftskommunikation. Zumindest, wenn praktische Tipps beachtet werden. Die Basis für Visualisierungen bildet eine detaillierte Skizze; grundlegend ist auch ein Gefühl für Struktur und Gewichtung. Der Fokus auf ein Hauptmotiv dient bei Infografiken als Eyecatcher. Zahlen, Linien und Pfeile geben dem Betrachter Orientierung. Und der zurückhaltende Einsatz von Farben lässt diese beim Markieren von Highlights umso stärker wirken.

Weiterführende Infos zu Visualisierungen finden Sie hier.

Autor: Johannes Göbel

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Oktober 2019

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