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Martin Kühn: Professor der Winde

Windenergie gehört die Zukunft: Martin Kühn erforscht die entsprechenden Technologien. Er hat erheblich dazu beigetragen, sein Fachgebiet in Deutschland zu etablieren.

„Als ich 2004 den Lehrstuhl Windenergie an der Universität Stuttgart annahm, war dies der einzige seiner Art in Deutschland“, sagt Martin Kühn, heute Professor für Windenergiesysteme an der Universität Oldenburg. Seither hat sich viel getan: Es gibt reguläre Lehrstühle an mehreren Universitäten, und auch Fachhochschulen verstärken ihr Angebot.

Martin Kühn, Jahrgang 1962, hat viel dazu beigetragen, dass das Fach in der deutschen Forschungslandschaft etabliert ist. Er begann 1987 sein Maschinenbau-Studium an der Universität Hannover zu einer Zeit, als Windenergie für die Stromversorgung noch uninteressant war. Wissenschaftler experimentierten zwar mit gigantischen Rädern, praxistauglich waren sie nicht. Dennoch herrschte Aufbruchstimmung: Erste kleinere Unternehmen versuchten sich mit Technologien für erneuerbare Energien am Markt zu behaupten. Martin Kühn war von Windkraft begeistert: Er wechselte an die Technische Universität Berlin, um bei einem der Pioniere der Windenergieforschung in Deutschland, Robert Gasch, zu studieren.

1992 ging der Wissenschaftler mit einem Stipendium an die niederländische Technische Universität Delft. Dort stieß er auf sein späteres Schwerpunktthema, die Offshore-Windenergie – Windanlagen im Meer. In seiner Doktorarbeit ging er der Frage nach, wie sich solche Anlagen technisch und wirtschaftlich sinnvoll realisieren lassen. Inspiriert hat ihn die Ölindustrie; sie hatte vorgemacht, wie man im Meer stabile Konstruktionen aufstellen kann. Im Jahr 2000 stellte die Enron Wind GmbH aus Salzbergen Martin Kühn ein, um mit ihm einen Windpark vor der schwedischen Küste zu realisieren. 2003 entwarf er den irischen Windpark Arklow – die damals größte Offshore-Anlage der Welt.

 

Windenergie als eigenständiges Uni-Fach

Nach fünf Jahren Industrie zog es Martin Kühn zurück an die Hochschule. Seine Mission: Windenergie soll ein eigenständiges Fach an deutschen Universitäten werden. Dafür musste er an der Universität Stuttgart die Kompetenzen aus einer ganzen Reihe von Fächern bündeln: Physik, Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik, Meteorologie und Bauwesen. Dem Windexperten gelang es, seinem Lehrstuhl internationales Ansehen zu verschaffen. „Das Fach ist sehr gut aufgestellt,“ sagt Martin Kühn. Allerdings sei es erst in Ansätzen definiert.

Im April 2010 folgte der „Windprofessor“ einem Ruf an die Universität Oldenburg. Dort will er Offshore-Windenergieanlagen entwickeln, die sich an die rauen Bedingungen auf See perfekt anpassen: „Wir wollen zum Beispiel mit Laserstrahlen Windstärke und Richtung bestimmen, so dass sich die Turbinen in die optimale Position drehen.“ Außerdem plant Martin Kühn, das Studienangebot auszubauen, denn ausreichende Spezialisierungsangebote für angehende Master fehlen. Außerdem sollte das Studienangebot so ausgerichtet werden, dass die Studierenden auch in anderen Branchen einen Job finden.

Martin Kühn ist sich sicher, dass die Windkraft eine zentrale Rolle in der künftigen Energieversorgung spielen wird: „Wir haben schon jetzt einen Anteil von neun Prozent Windenergie in Deutschland. Ich halte es für realistisch, dass wir 2050 Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien beziehen – ohne Windenergie wäre das kaum zu schaffen.“

Mai 2011

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