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Im Porträt: Google-Europachef Nelson Mattos

Google-Europachef Nelson Mattos hat eine Vision: Alle Menschen sollen Zugang zum World Wide Web haben. Besonders in den Entwicklungsländern sieht er ein enormes Potential für mobiles Internet.

Google hat einen großen Einfluss auf die Wissenschaft: Im August 2011 erschien eine Studie der American Library Association, die feststellte: Studierende haben Schwierigkeiten, in den Datenbanken von Bibliotheken zu recherchieren. Der Grund: Sie wenden Google-Methoden an. „Google Scholar“ zum Beispiel ermöglicht den Zugriff auf wissenschaftliche Publikationen – auch außerhalb von Universitäten. Davon profitieren besonders Entwicklungsländer. Und genau das ist es, was Nelson Mattos als Google-Europachef antreibt.

Nelson Mattos ist verantwortlich für die Aktivitäten des Unternehmens in Europa, dem Nahen Osten und in Afrika sowie für rund 800 Ingenieure in den Google-Entwicklungszentren in Europa und Israel. Ihm liegen zwei Dinge am Herzen: Die Weiterentwicklung der Webtechnologie und der verbesserte Internetzugang von Menschen aus Entwicklungs- und Schwellenländern. Dies könnte beispielsweise mit mobilem Internet geschehen.

Seine eigene Herkunft treibt ihn in seinem Engagement an: Nelson Mattos, geboren 1959, wuchs in einfachen Verhältnissen als eines von fünf Kindern in der brasilianischen Metropole Porto Alegre auf. Seine Mutter war Lehrerin, sein Vater arbeitete im Vertrieb eines Maschinenherstellers. Als Mattos fünf Jahre alt war, putschte sich das Militär in Brasilien an die Macht. Die politische Lage hatte sich nicht geändert, als Nelson Mattos Jahre später ein Studium als Bauingenieur begann, allerdings ohne große Begeisterung – nicht gerade die besten Voraussetzungen für eine internationale Karriere.

Nelson Mattos: Ein langer Weg zu Google

In seinem zweiten Semester absolvierte Nelson Mattos einen Kurs in der Programmiersprache BASIC. Er entdeckte seine Leidenschaft für Informatik und studierte ab dann diese noch junge Fachrichtung. Mit einem DAAD-Stipendium ging er 1984 nach Kaiserslautern. Der erste Eindruck? „Wenn man Hochdeutsch lernt und in eine Stadt kommt, in der alle pfälzisch reden, ist das nicht gerade einfach“, so Mattos. Doch daran gewöhnte er sich schnell. Die Menschen in Kaiserslautern waren freundlich und offen.„Hier fand ich die besten Freunde“, sagt Nelson Mattos.

Auch die Universität in Kaiserslautern enttäuschte ihn nicht: „Ich arbeitete mit hochqualifizierten Leuten aus der ganzen Welt zusammen.“ In Deutschland konnte er zudem tiefer in sein Fach einsteigen. „In Brasilien verschwendet man viel Zeit für die Beschaffung der technischen Ausrüstung oder der Forschungsmittel.“ Aus Nelson Mattos' Doktorarbeit wurde 1989 ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projekt und eine Kooperation mit dem IBM-Forschungszentrum in Heidelberg. Das Software-Unternehmen IBM lud Mattos als Gastwissenschaftler nach Kalifornien ein. Eigentlich wollte er zwei Jahre bleiben – am Ende wurden es 16. In dieser Zeit entwickelte er in verschiedenen Positionen viele Produkte, die dem Unternehmen mehrere hundert Millionen Dollar einbrachten.

Nelson Mattos: Google-Europachef aus Leidenschaft

„Ich hatte nie Pläne, IBM zu verlassen“, sagt Mattos. „Aber irgendwann hatte ich den Eindruck, alles gesehen zu haben.“ Genau in dem Moment klopfte Google an seine Tür – und neue Herausforderungen in Europa warteten auf ihn. Google ist nicht nur eine Suchmaschine, sondern hat ein breites Angebot: Dazu gehören zum Beispiel das Google-Betriebssystem Android für Smartphones und Tablet-PCs, der Browser Chrome, Google Street View, Google News, Google Books oder YouTube.

Und es gibt noch viel zu tun: Immer mehr Menschen nutzen das Internet. Besonders in den Entwicklungsländern ist das Wachstumspotential für mobiles Internet enorm. Die Vision von Nelson Mattos: Menschen mit wenig Sprach- und Lesekenntnissen sollen genauso vom Web profitieren wie hochqualifizierte Wissenschaftler. Nutzer sollen Informationen nicht nur als Texte, sondern auch in Multimedia-Form erhalten – und das in möglichst vielen Sprachen Auch die Vernetzung der Welt will Google vorantreiben: Schnelle Postings aus Blogs, Twitter oder Facebook müssen noch effizienter erfasst werden.

Ein ehrgeiziges Ziel verfolgt Google mit „Google Flu Trends“ (Google Grippe-Trends): Dabei wird von der Häufigkeit bestimmter Suchbegriffe auf die Häufigkeit der Grippefälle geschlossen. Je mehr Menschen aus einer bestimmten Region bei Google nach Begriffen wie "Grippe" oder "Grippesymptomen" suchen, desto höher ist die Anzahl der Personen, die tatsächlich an Grippe erkrankt sind. Die Ergebnisse stimmen mit offiziellen Grippeüberwachungsdaten auffällig überein, man kann mit Google Flu Trends also Epidemien voraussehen. So war ein Grippeausbruch beispielsweise schon zwei Wochen erkennbar, ehe er offiziell verkündet wurde.

Google und Sie?

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Februar 2012

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Kommentare

Alex Machado
1. November 2012

Ein Gute Beispiel von Brasilianischen Leute

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