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Vahid Sandoghdar verschiebt die Grenzen des Sichtbaren

1000mal kleiner als der Durchmesser eines Haars sind die Bausteine, die der Experimentalphysiker Vahid Sandoghdar sichtbar machen kann. Seine Perspektive ist vergleichbar dem Blick eines Piloten, der vom Flugzeug aus den Reflektor in einer sich drehenden Fahrradspeiche zu sehen versucht. Dem Wissenschaftler gelingt das, woran der Pilot scheitert: Vahid Sandoghdar kann die winzige Lichtquelle eines einzelnen Moleküls nutzen und dessen Wege und Umgebung im Rasterverfahren auswerten: „Auch ein Virus streut Licht wie ein Reflektor am Fahrrad. Wenn man exakt arbeitet, kann man es entdecken.“

Eine Sensation

Für die Forschungen in Material- oder Biowissenschaften ist der neue optische Zugang zu den kleinsten aller Welten eine Sensation. Neues Wissen über das Verhalten eines Virus kann zu mehr Erkenntnissen über seine Kommunikation mit der Zelle führen.

Der Humboldt-Professor hat entscheidend die Entwicklung der jungen Disziplin Nano-Optik vorangetrieben. Schon als 17-jähriger ging der Iraner, Jahrgang 1966, zum Studium in die USA. Er promovierte 1993 an der Yale University über Laser-Spektroskopie. Anschließend forschte er bis 1995 als Postdoctoral Fellow an der École Normale Supérieure in Paris zur Quantenoptik. Für seine Habilitation 2001 an der Universität Konstanz verband Vahid Sandoghdar seine Erfahrungen mit den jüngsten Erkenntnissen der Nahfeldmikroskopie und den ersten erfolgreichen Experimenten zur Auffindung von Einzelmolekülen. Die Kombination der unterschiedlichen Forschungsrichtungen in der Optik revolutionierte die Analyse von Strukturen im Nanometerbereich.

Erfolgreicher Grenzgänger

Grenzen sind für Vahid Sandoghdar dafür da, überschritten oder verschoben zu werden. So ignoriert der vielfältig begabte Physiker gerne den Unterschied zwischen theoretischer und experimenteller Physik: „Was mich fasziniert und antreibt, ist die perfekte Umsetzung eines Gedankenexperiments im Labor.“

2001 ging der Forscher als Professor für Physikalische Chemie an die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH). Dort baute er mit seinem Team den kleinstmöglichen optischen Transistor, der weltweit Beachtung fand. In Zürich gründete er außerdem das Center for Imaging Science and Technology (CIMST) und erhielt 2010 den begehrten Förderpreis „Advanced Investigators Grant" des European Research Council (ERC).

Sprudelnde Einfälle

Erneut nach Deutschland kam Vahid Sandoghdar im Frühjahr 2011, als er die Humboldt-Professur an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg annahm. Zugleich wurde er zum Direktor des neu gegründeten Max-Planck-Instituts für die Physik des Lichts berufen. Nun will er eng mit Lebenswissenschaftlern zusammenarbeiten: „Biophotonics“ und „Nano-quantum-optics“ sollen in Erlangen Forschungsschwerpunkte werden. Außerdem baut Vahid Sandoghdar ein interdisziplinäres Optical Imaging Center auf: „Wichtig ist jetzt, die besten Ideen mit Bedacht auszuwählen“, sagt der Forscher, dem es nicht leicht fällt, seinen sprudelnden Einfällen Grenzen zu setzen. „Wenn wir dann noch Grundlagenforschung mit Anwendung verbinden können, ist das unglaublich schön.“

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August 2011

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