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3 Fragen zum European XFEL an Serguei Molodtsov

Professor Dr. Serguei Molodtsov ist wissenschaftlicher Direktor des Röntgenlasers European XFEL. Der russische Physiker kam 1991 als Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung an die Freien Universität (FU) Berlin. Was bedeutet es für ihn, am European XFEL mitzuarbeiten und welchen Stellenwert hat die Forschungsanlage für die internationale Zusammenarbeit?

Deutschland ist seit Neuestem Heimat des weltgrößten Röntgenlasers, des European XFEL. Die Röntgenblitze ermöglichen in bislang unbekannter Präzision, winzigste Teilchen und extrem schnelle Prozesse zu untersuchen.

Der Röntgenlaser European XFEL

Herr Professor Molodtsov, als einer der drei wissenschaftlichen Direktoren des European XFEL sind Sie unter anderem für das Forschungsprogramm zuständig, das am Röntgenlaser durchgeführt wird. Was bedeutet es für Sie, an diesem Projekt mitzuarbeiten?

Serguei Molodtsov: Ich habe meine Tätigkeit beim European XFEL vor vielen Jahren aufgenommen und ich muss sagen, dass dies ein wichtiger Wendepunkt meiner wissenschaftlichen Karriere war. Meine Position als wissenschaftlicher Direktor hat mir ganz neue und bisher unbekannte Tätigkeitsfelder erschlossen und beinhaltet die Aufgaben des Projektmanagements ebenso wie spannende neue Forschungsmöglichkeiten in den Grenzbereichen der Wissenschaft.

In den vielen Jahren intensiver Arbeit habe ich sehr viel gelernt. Am 1. September 2017 feierte unser gesamtes Konstruktionsteam die Einweihung des weltweit stärksten Freie-Elektronen-Lasers für Röntgenlicht (X-Ray Free-Electron Laser) – dem European XFEL.

Die ersten Nutzer nahmen einzigartige Messungen in den Experimentierkabinen weit unter der Erde vor. Derzeit entwickeln wir neue Pläne für weitere spannende Verbesserungen unserer Einrichtung. Ich bin sehr stolz darauf, dem European-XFEL-Projekt anzugehören.

Warum ist der European XFEL so wichtig?

Serguei Molodtsov: Der European XFEL ist der größte Freie-Elektronen-Laser für Röntgenlicht der Welt und generiert ultrakurze Lichtblitze. Die Einrichtung bietet Wissenschaftlern aus Forschung und Industrie weltweit einzigartige Möglichkeiten, Erkenntnisse über den Nanokosmos zu gewinnen und der Gesellschaft nutzbar zu machen. Die neuartige Beschleunigertechnologie des European XFEL dient Forschern zur Untersuchung der atomaren Struktur und Dynamik von Materie und bietet damit Zugang zu einer Vielzahl neuer Forschungsmöglichkeiten.

So werden Wissenschaftler zum Beispiel in die Lage versetzt, die Herstellung innovativer Materialien zu verstehen und zu steuern oder die Struktur und Funktion von Biomolekülen zu enträtseln. Mit dem so gewonnenen Wissen können neue Pharmazieprodukte entwickelt werden. Zudem können im Labor Zustände von Materialien untersucht werden, die eigentlich nur im Inneren von Planeten und Sternen vorkommen. Das kann uns wichtige Hinweise zur Lösung unserer Energieprobleme liefern.

Zur Person

Professor Dr. Serguei Molodtsov ist seit 2010 wissenschaftlicher Direktor und Mitglied der Geschäftsführung des European XFEL. Der russische Physiker kam 1991 als Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung an die FU Berlin und ist seitdem Mitglied des weltweiten Humboldt-Netzwerkes. 2013 wurde er zum Professor für Strukturforschung mit XFELs und Synchrotronstrahlung an der Technischen Universität (TU) Bergakademie Freiberg berufen. Seit 2016 ist er Professor an der ITMO University in St. Petersburg. An der Technischen Universität (TU) Dresden ist er Honorarprofessor.

Sie sind seit mehr als 25 Jahren Humboldtianer. Was bedeutet für Sie die internationale Zusammenarbeit, für die der European XFEL ja ebenfalls steht?

Serguei Molodtsov: Ich bin der Alexander von Humboldt-Stiftung außerordentlich dankbar. Durch sie bekam ich die Gelegenheit, während meines ersten Deutschlandaufenthalts an der Freien Universität Berlin (Fachbereich Physik – AG Kaindl) mit vielen hervorragenden Wissenschaftlern aus allen Teilen der Welt zusammenzuarbeiten. Vor allem während meiner Zeit in Berlin habe ich gelernt, wie wichtig eine wirklich internationale Zusammenarbeit für erfolgreiche und produktive Forschung ist.

Durch die einzigartigen Forschungsmöglichkeiten am European XFEL konnten wir erstklassige Wissenschaftler aus vielen verschiedenen Ländern für eine Zusammenarbeit gewinnen, und zwar nicht unbedingt nur aus den Partnerländern des Projekts. Insgesamt sind Vertreter von 45 Nationen an unserer Einrichtung beschäftigt. Dadurch kommen sehr unterschiedliche nationale Wissenschaftskulturen zusammen, die sich gegenseitig fordern und fördern. Aus diesem Zusammenspiel erwachsen zahlreiche Ideen, die zu konkreten grundlegenden Erkenntnissen, aber auch Anwendungsentwicklungen, neuen Produkten und Produktoptimierungen führen können.

Interview: Sabine Giehle

Gemeinsam schaffen wir’s? Wie groß muss Forschung werden?

Der European XFEL konnte nur entstehen, weil sich elf europäische Länder an seiner Entwicklung und seinem Bau beteiligt haben. Wie ist Ihre Meinung: Brauchen wir solche Großprojekte und brauchen wir die internationale Zusammenarbeit, um die Herausforderungen der Zukunft zu stemmen? Diskutieren Sie mit uns und anderen Alumni in der Community-Gruppe Studium, Forschung und Bildung.

Community-Diskussion

November 2017

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Kommentare

Vikramaditya Mathur
22. Dezember 2017

Forschung im Bereich Rein Physik kann soeben interessant sein und Anwendungen fuer Menschheit im taegliche Leben wohl befinden. Pharmazeutische Anwendungen beneotigen ein solche Spritze im den Arm fuer ein neue Reihe Molekuelen und nicht nur noch kombi-Drogen oder neue Mischungen. Das ist ein toll Beispiel des Ost-West zusammenarbeit das kann das Ball rollen im Zukunft fuer mehr solche Pionierarbeit. Ein Dankeschoen zu Dr. Molodtsov und das Forschungskomplex in Deutschland.

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