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Lebenswerte Stadt der Zukunft

Die Metropolen weltweit wachsen: 2050 werden in den Ballungsräumen voraussichtlich 6,4 Milliarden Menschen leben – fast so viele wie die gesamte Erdbevölkerung heute. Um dem Zustrom aus den ländlichen Regionen Platz zu bieten, müssen nach Schätzung der Asian Development Bank allein in den Großstädten Asiens täglich 20.000 neue Wohnungen entstehen, 250 Kilometer Straßen gebaut sowie Leitungen für sechs Millionen Liter Trinkwasser verlegt werden. Das sind enorme Herausforderungen für die Stadtplanung.

Einwohner entscheiden mit

Gefragt sind intelligente Lösungen für eine Stadt der Zukunft: Sie soll nicht nur als Versorgungs- und Verkehrsnetz funktionieren, sondern ihren Einwohnern auch ein lebenswertes Umfeld bieten. Wie das gehen könnte, untersucht Frauke Kraas, Professorin für Anthropogeographie an der Universität Köln. Mit Kamera, GPS-Gerät und Satellitenbildern erkundet sie Megacities wie Neu Delhi, Dhaka und Hongkong und macht eine Bestandsaufnahme etwa der Wasser- und Abwasserkanäle. Wichtig für Stadtplanung sind die Erfahrungen der Bewohner. „Wir dürfen die Probleme nicht isoliert betrachten, sondern müssen auch daran arbeiten, die Stadtbevölkerung in die Entscheidungsprozesse einzubeziehen“, sagt Kraas.

Die Kölner Professorin ist Vorsitzende des "Forum for Urban Future in Southeast Asia" (ForUm), das den Austausch von Expertenwissen zum Ziel hat. Doch der Export von deutschem Know-how allein löst in den asiatischen Megastädten keine Probleme. Viele Probleme sind gerade dadurch entstanden, dass man bei der Stadtplanung zu wenig die regionalen und lokalen Besonderheiten beachtet hat. So orientierten sich die Stadtplaner in Asien lange Zeit an ihren europäischen Kollegen und errichteten Hochhäuser, die sie durch Stadtautobahnen erschlossen. Das hat den Verkehr vervielfacht.

Wohnen und Arbeiten verknüpfen

Heute denkt man anders. Die Stadt der Zukunft muss Wohnen und Arbeiten besser verknüpfen und so organisiert sein, dass sich Autofahren nicht mehr lohnt. Stadtplaner Sebastian Seelig von der Technischen Universität Berlin arbeitet mit Kollegen im Iran im Projekt „Young Cities“ zusammen: Es geht um den Bau neuer Trabantenstädte in der Umgebung von Teheran. Eine ist Hashtgerd, 65 Kilometer westlich der Hauptstadt gelegen. Bis 2016 soll hier eine halbe Million Menschen leben. Das Trinkwasser soll nachhaltig gewonnen und Gebäude auf traditionelle Weise belüftet werden. Schattenspender und Grünanlagen machen das Stadtleben erträglich.

Einer der bekanntesten Absolventen der TU Berlin ist der Deutschland-Alumnus Wu Siegfried Zhiqiang. Mit Unterstützung des DAAD hat der Architekt und Stadtplaner neun Jahre in Berlin studiert und promoviert, heute gibt er sein Wissen als Professor an der Tongji-Universität in Shanghai weiter. Zhiqiang war Chefplaner des Geländes der Expo 2010. Unter dem Motto „Eine bessere Stadt, ein besseres Leben“ hat die Weltausstellung in Shanghai gezeigt, wie die Stadt der Zukunft aussehen könnte. Zhiqiang betont: „Wir brauchen eine neue Generation von Städten.“ Schon 1997 forderte er in einer „Erklärung für Stadtplaner im 21. Jahrhundert“ die Harmonie von Menschen, Natur, Gesellschaft sowie von Geschichte und Zukunft.

Vorbild Masdar City

Wie könnte diese Harmonie aussehen? Bestimmt nicht so, wie sich der römische Architekt Vitruv vor gut 2000 Jahren gelungene Stadtplanung vorgestellt hatte: als ästhetisches Vorbild mit Straßen wie Schachbrettmuster und als Ausdruck politischer und sozialutopischer Ideen. Eher wie Masdar City, das derzeit im Wüstensand des Emirats Abu Dhabi entsteht. In der Ökostadt für 50.000 Menschen sollen höchste nachhaltige Nutzung von Energie und geschlossene Stoffkreisläufe verwirklicht werden. Nur Elektroautos sind erlaubt, die zudem als Energiepuffer für Strom aus den solarthermischen und photovoltaischen Kraftwerken dienen. Masdar – die „Quelle“ – soll ihrem Namen alle Ehre machen: als Quelle neuer Ideen für das urbane Leben der Zukunft.

Das Thema in der Community

Wie sieht Ihre Stadt der Zukunft aus? Welche Metropolen erfüllen wichtige Anforderungen heute schon, welche haben noch viel zu tun? Leben Sie vielleicht selbst in einer 10.000.000-Einwohner-Metropole? Oder leben Sie lieber auf dem Land? Was sind Ihre Meinungen und Erfahrungen? Die Diskussionen und Fragen zum Thema sind so vielfältig und facettenreich wie die Megastädte selbst. In unserer Community können Sie in der Gruppe "Megastädte - Megacities" zu allen Aspekten der Megacities im Forum diskutieren, eigene Fotos hochladen und sich in Blogs beteiligen.


August 2011

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