Nach COVID-19: Survival-Guide für Doktoranden und Postdoktoranden

Wie können junge Forschende das Leben während und nach der Corona-Krise meistern? Ingenieur und Postdoktorand Sarvesh Kumar Srivastava aus Indien gibt Tipps für die Arbeit von zu Hause, die Erweiterung sozialer Netzwerke und für mehr Kreativität.

Die Verbreitung des Coronavirus hat unsere Welt und unseren Alltag lahmgelegt. Überall müssen die Menschen physische Distanzierung praktizieren. So etwas wurde in diesem Ausmaß bisher noch nie erprobt. Als Postdoktorand und Studentenvertreter kam mir jedoch eine gruselige Erkenntnis: Physische Distanzierung ist für uns Forschende nichts Neues. Wir machen seit Langem Witze darüber, dass bei einer Naturkatastrophe oder der Zombie-Apokalypse Postdoktoranden und Doktoranden weiter in ihren fensterlosen Labors arbeiten und nichts mitbekommen.

„Not macht erfinderisch“ – das haben Postdoktoranden und Doktoranden verinnerlicht. Zu wissen, dass Reagenzien begrenzt sind, die Unterstützung dürftig ist und der Zeitdruck groß, lässt uns akribisch planen und geschickt zusammenarbeiten. Wie könnte sich die Lage durch Corona ändern?

Betrachten wir das pragmatisch: Jahr für Jahr kommen Studien im renommierten Wissenschaftsmagazin „Nature“ zu dem Ergebnis, dass Doktoranden und Postdoktoranden – genau diejenigen, die wissenschaftliche und technologische Innovation vorantreiben – meist unterbezahlt und überarbeitet sind sowie psychische Probleme haben, und das sechsmal häufiger als der Durchschnitt (Evans et al. Nature Biotech. 36, 282; 2018).

Impfstoffe – wie überhaupt die meisten technologischen, wissenschaftlichen und medizinischen Innovationen – entstehen, weil Doktoranden und Postdoktoranden den Betrieb am Laufen halten. Man könnte gar behaupten, dass der Trend bei Beschäftigten an der Basis, etwa Pflegekräften im Gesundheitswesen, in allen Bereichen ähnlich ist. Es wird Zeit, dass Regierungsbehörden und Geldgeber dringend notwendige Reformen einleiten.

In diesem Beitrag sollen jedoch bewährte Methoden für den wissenschaftlichen Nachwuchs in einer Welt nach Corona vorgestellt werden. Diese Liste ist längst nicht vollständig und dient nur der Anregung von Diskussionen zwischen verschiedenen Foren und Interessengruppen.
 

Über den Autor

Ingenieur und Postdoktorand Sarvesh Kumar Srivastava

Mit einem Ingenieurdiplom in Biotechnologie (Indien), einem Master in Nanotechnologie (Spanien), einer Promotion in Chemieingenieurtechnik (Japan, 2014) und Postdoc-Stellen in Deutschland und Kanada wurde Sarvesh Kumar Srivastava zum Weltenbummler. Im Rahmen seines Hans-Christian- Ørsted-Stipendiums ging er im Dezember 2017 ans Department of Health Technology der Technischen Universität Dänemark (DTU).

1. Denken Sie noch einmal darüber nach

Die Arbeit von zu Hause aus kann eintönig sein, aber sie bietet auch Flexibilität. In der Forschung wurde eindeutig nachgewiesen, dass Flexibilität entscheidend dazu beiträgt, aktiv zu werden. Es wird Zeit, Dinge noch einmal neu anzugehen. Vielleicht können Sie an jene brillante Idee von damals wieder anknüpfen. Greifen Sie über https://sci-hub.tw/ von zu Hause aus auf Forschungsergebnisse zu.

2. Lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf

Die meisten meiner Kollegen finden, dass nicht die Isolation, sondern die Unsicherheit ein Problem darstellt (man denke an die Verzögerung geplanter Arbeit). Um Abhilfe zu schaffen, kann man die Initiative ergreifen und vorläufige Forschungsergebnisse kommunizieren, um wieder Kontrolle zu gewinnen. Jetzt ist außerdem die Gelegenheit, um an Abbildungen für die nächste Konferenz oder das nächste Manuskript zu arbeiten, oder an der komplexen Simulation, die Sie testen wollten – lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf! Testen Sie www.biorender.com für professionelle wissenschaftliche Abbildungen – es ist einfach, intuitiv und kostenlos.

3. Beschäftigen Sie sich oder tun Sie mal gar nichts

Wenn Sie Doktoranden fragen, was sie darüber denken, ihre Dissertation online zu verteidigen, lautet die Antwort: „So ein Ende hatte ich mir nicht vorgestellt.“ Dass ein solch wichtiger Lebensabschnitt virtuell zu Ende geht, ist gewöhnungsbedürftig. Doch es verringert nicht die Leistung. Für diejenigen von uns, die noch in der „Experimentierphase“ sind, ist es in Ordnung, sich mehr mit Hobbys zu beschäftigen. Sie könnten an einem Onlinekurs zu einem ganz anderen Thema teilnehmen oder einfach eine Weile gar nichts tun (ohne Schuldgefühle).

4. Stellen Sie Ihr Talent zur Schau

Erweitern Sie Ihre sozialen Netzwerke. Kommentieren und teilen Sie LinkedIn-Beiträge anderer Arbeitssuchender, um ihre Sichtbarkeit zu erhöhen – „Sharing is Caring“. Zeigen Sie Ihr Showreel, Ihre 3-D-Modelle oder gelungenen Schaubilder online (wählen Sie veröffentlichtes Material, um Pannen zu vermeiden). Stellen Sie Ihr Talent zur Schau und machen Sie Recruitern klar, was Sie Wichtiges zu ihrer Arbeit beitragen können. Jedes Unternehmen braucht jetzt mehr denn je gescheite Leute – wie Sie.

5. Zeigen Sie Solidarität

Nicht zuletzt sollten Sie sich mit Freunden über Ihre Gefühle austauschen. Wenn Sie Expat sind oder Kolleginnen und Kollegen aus dem Ausland haben, wissen Sie, dass die soziale Isolation besonders hart sein kann. Zeigen Sie Solidarität. Und treffen Sie sich zum virtuellen Kaffee, Bier oder Bingo.

Man kann sich zu Recht fragen, wie viele brillante Unternehmen in dieser ansonsten schwierigen Zeit entstehen werden. Wenn intelligente Menschen weniger eingespannt sind und Zeit haben, darüber nachzudenken, was sie wirklich wollen, können wir ab jetzt nur Besseres erwarten.

Autor: Sarvesh Kumar Srivastava

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Wie empfinden Sie die Situation von Promovierenden und Postdoktoranden? Haben Sie weitere Tipps für junge Forschende während und nach der Corona-Krise?

Mai 2020

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