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Tropentag 2019: Impulsgeber für Neues

In Äthiopien und anderen afrikanischen Ländern ist die Fruchtbarkeit des Ackerbodens ein wichtiges Thema. Ist der Boden zu sauer, kann Getreide nur wenige Nährstoffe aufnehmen. „Das ist ein großes Problem, denn das kann vor allem bei Kindern oder schwangeren Frauen zu Mangelernährung führen“, sagt Dr. Tesfaye Shiferaw Sida.

Der 36-Jährige ist Wissenschaftler am International Maize and Wheat Improvement Center in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba. Die Non-Profit-Einrichtung beschäftigt sich mit Agrarforschung und setzt sich für die Entwicklung von verbessertem Saatgut und Anbaupraktiken ein. Sida ist stolz darauf, dass er im September beim Tropentag 2019 vorläufige Ergebnisse einer Studie präsentieren kann, in der er den Zusammenhang von sauren Böden und schlechter Nährstoffaufnahme untersucht hat. Der Tropentag ist eine jährliche interdisziplinäre Konferenz zu Agrarforschung, natürlichem Ressourcenmanagement und ländlicher Entwicklung in den Tropen und Subtropen und findet vom 18. bis 20. September 2019 an der Universität Kassel statt.

Ideen austauschen und netzwerken

Teilnehmer Dr. Tesfaye Shiferaw Sida aus Äthiopien © privat

„Es ist weltweit eine der wichtigsten Veranstaltungen, um Menschen zu treffen, die sich mit meinem Forschungsgebiet beschäftigen, mit ihnen Ideen auszutauschen und Kooperationen aufzubauen“, sagt Sida. Auf der Konferenz kommen Forschende, Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Nichtregierungsorganisationen sowie Studierende zusammen.
Im Rahmen des Tropentags organisiert der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) seit mehreren Jahren ein Fachliches Alumni-Sonderprojekt. Es richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Führungskräfte aus Entwicklungs- und Schwellenländern, die in Deutschland studiert oder geforscht haben. Auch Tesfaye Shiferaw Sida, der von 2008 bis 2009 an der TU Dresden studiert hat, gehört zu diesen Deutschland-Alumni. Insgesamt 50 Alumni werden am Tropentag teilnehmen.

Multiplikatoren für den Wissenstransfer

Die DAAD-Sonderprojekte sollen die Kompetenzen der Alumni in Hinblick auf entwicklungsrelevante Fragestellungen erweitern. Indem sie lokale, überregionale und internationale Netzwerke mit anderen Alumni aufbauen, werden die Alumni zu Multiplikatoren für den Wissenstransfer. „Ziel ist es, dass sie das neu erworbene Wissen weitergeben, wenn sie wieder in ihren Heimatländern sind“, sagt Eva Seifert aus dem Team Alumni-Projekte, das unter anderem die Fachlichen Alumni-Sonderprojekte im DAAD koordiniert. Die Alumni erhalten im Vorfeld des Tropentags einwöchige Weiterbildungsseminare an der Universität Göttingen oder an der Universität Kassel am Standort Witzenhausen. Dort geht es vor allem um technische und soziale Innovationen, durch die sich die Landwirtschaft in ländlichen Regionen nachhaltig weiterentwickeln lässt. 

Ideen für Herausforderungen im eigenen Land

Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft und aus privaten Unternehmen halten dazu in Witzenhausen Vorträge und leiten Workshops. Exkursionen führen die Alumni zu einem landwirtschaftlichen Betrieb, der die eigenen Produkte selbst weiterverarbeitet und vermarktet. Außerdem lernen die Teilnehmenden landwirtschaftliche Geräte kennen, die die Universitäten selbst entwickelt haben, wie einen solarbetriebenen Obsttrockner.

„Es geht nicht darum, dass diese Lösungen eins zu eins in den jeweiligen Ländern der Teilnehmenden eingesetzt werden sollen“, sagt Franziska Böhm, die das Seminar in Witzenhausen organisiert. Vielmehr wollen die Organisatorinnen und Organisatoren Ideen aufzeigen, wie eigene Lösungen für das jeweilige Land gefunden werden könnten. „Das Seminar soll Impulsgeber für Neues sein.“

Teilnehmende aus 21 Ländern

Bei dem Seminar in Göttingen geht es um Pflanzenzucht, biologischer Pflanzenschutz und Mischanbau. Neben Expertenvorträgen zu diesen Themen besuchen die Teilnehmenden aus 21 Ländern einen Hersteller biologischer Pflanzenschutzmittel und eine Saatgutfirma. Sie diskutieren kontroverse Themen und tauschen sich über gute Beispiele und Herausforderungen aus. „Wir wollen die Teilnehmenden motivieren, ihre eigenen Themen nach außen zu kommunizieren und in ihren eigenen Institutionen voranzutreiben“, sagt Dr. Simone Pfeiffer, die das Seminar in Göttingen organisiert. 

Ein Pool von Wissen

Foto Liza Meza: Teilnehmerin Liza Meza aus Peru © privat

Liza Meza weiß, wie Teilnehmende vom Tropentag profitieren. Sie war 2015 dabei und arbeitet derzeit als Projektkoordinatorin beim Fondo de las Américas del Perú, einer Nichtregierungsorganisation, die sich unter anderem mit dem Schutz von Wäldern beschäftigt. Ihr gefiel an der Konferenz, dass die Teilnehmenden aus sehr unterschiedlichen Regionen kamen und sehr unterschiedliche berufliche Hintergründe hatten. Für sie ist der Tropentag deshalb „ein großer Wissenspool“. Als hilfreich empfand sie die vorgestellten Best-Practice-Beispiele. So hat sie etwa ein Bio-Zertifizierungssystem aus Uganda kennengelernt. „Die Konferenz hilft dabei, aus bewährten Denkmustern auszubrechen, neue Ideen zu bekommen und diese für die eigenen Projekte zu nutzen“, sagt Meza.

Vernetzen mit klugen Köpfen

Foto Jared Ochieng: Teilnehmer Jared Ochieng aus Kenia © privat

Jared Ochieng wird dieses Jahr zum ersten Mal am Tropentag teilnehmen. Er ist Projektmanager beim Micro Enterprises Support Programme Trust in Kenia. Dort vernetzt er unter anderem Kleinbauern mit Mikrofinanz-Einrichtungen und Abnehmern. Nachdem er 2018 seinen Master in Pflanzenzucht gemacht hat, strebt er einen PhD an. Beim Tropentag möchte er sein PhD-Vorhaben weiterentwickeln und möglicherweise eine Betreuerin oder einen Betreuer dafür finden. „Der Tropentag gibt mir die Möglichkeit, mich mit einigen der besten Köpfe in Pflanzenzucht und Genetik zu vernetzen“, sagt Ochieng. Bei der Konferenz wird er zudem Forschungsergebnisse zur Zucht von Brombeeren in Kenia vorstellen. „Ich erhalte eine Plattform, um meine Forschung internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vorzustellen. Das ist das Beste, was einem als jungem Wissenschaftler passieren kann."

Autor: Hendrik Bensch

Fachliche Alumni-Sonderprojekte

In den Alumni-Sonderprojekten erhalten in Deutschland ausgebildete Fachkräfte aus Entwicklungsländern die Gelegenheit, mit deutschen Wissenschafts- und Wirtschaftsvertretern auf wichtigen Messen und Kongressen in Verbindung zu kommen.

Wollen Sie sich ebenfalls in Ihrem Fachbereich weiterbilden? Entdecken Sie hier die große Bandbreite der Fachlichen Alumni-Sonderprojekte. Aktuelle Ausschreibungen für Alumni werden auf dem Alumniportal Deutschland veröffentlicht. 

Alumni-Sonderprojekte

August 2019

Kommentare

Federico Escalante Gallardo
5. September 2019

Muy importante información seguiré,sus comentarios por este medio

Federico Escalante Gallardo
5. September 2019

Muy importante información seguiré,sus comentarios por este medio

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