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Tropentag 2019: Ein Klassentreffen der Ideenbringer

Bevölkerungswachstum, Urbanisierung, Klimawandel – diese globalen Phänomene werden unsere Zukunft bestimmen und den Druck auf natürliche Ressourcen erhöhen. Mehr als 700 Teilnehmer aus 74 Ländern diskutierten beim Tropentag 2019 in Kassel über gemeinsame nachhaltige Lösungen.

Beim Tropentag bekommen alle eine Plattform, ihre Forschungsergebnisse zu präsentierten – nicht nur angesehene Experten. „Junge Studierende und Forschende lernen hier, ihre Ergebnisse vor Publikum zu präsentieren. Aber natürlich nehmen auch Repräsentanten großer Institute an der Konferenz teil“, erklärt Organisator Dr. Eric Tielkes. „So kommt ein produktiver Austausch zustande.“ Für viele Teilnehmende fühle sich das an wie ein großes Klassentreffen: „Man sieht sich wieder, tauscht sich aus, lässt sich inspirieren“.

Der Tropentag ist eine interdisziplinäre Konferenz, die sich mit dem aktuellen Stand der Forschung zu Landwirtschaft in den Tropen und Subtropen beschäftigt. Viel Wert wird dabei auf die Vernetzung der internationalen Teilnehmerinnen und Teilnehmer gelegt.

Lösung globaler Probleme

Denn Ressourcenaustausch und Wissenstransfer ist essenziell für die Lösung globaler Probleme – das sieht auch Eva Seifert aus dem Team Alumni-Projekte, das unter anderem die Fachlichen Alumni-Sonderprojekte im DAAD koordiniert, so. Im Rahmen des Tropentags organisiert der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) seit mehreren Jahren ein Fachliches Alumni-Sonderprojekt. Es richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Führungskräfte aus Entwicklungs- und Schwellenländern, die in Deutschland studiert oder geforscht haben. Die Alumni können sich so weiterbilden und Kontakte zu Forschenden, Regierungsverantwortlichen und anderen Stakeholdern knüpfen. „Durch Workshops, Seminare und Poster-Sessions kommen unsere Alumni in Kontakt mit den anderen Teilnehmenden und tauschen sich aus – ich sehe hier viel Potenzial“, sagt Eva Seifert.

Das Alumniportal Deutschland hat mit vier Alumni über ihre Erfahrungen beim Tropentag 2019 gesprochen. Haben sich ihre Erwartungen erfüllt? Konnten sie wertvolle Kontakte knüpfen? Und welche neuen Ideen nehmen sie mit nach Hause?

Liza Melina Meza Flores
Projektkoordinatorin beim Fondo de las Américas del Perú in Peru

„Ich möchte mein Wissen einbringen und es für andere nutzbar machen“.

Teilnehmerin Liza Melina Meza Flores © Christina Iglhaut

„Ich bin Umweltingenieurin und Projektkoordinatorin beim Fondo de las Américas del Perú, einer Nichtregierungsorganisation, die sich unter anderem mit dem Schutz von Wäldern beschäftigt. Derzeit arbeite ich an einem Entwurf für meine Promotion. Auf dem Tropentag konnte ich wertvolle Kontakte knüpfen, unter anderem zu Keynote Speaker Daniel J. Hawkins. Er erklärte, wie er seine wissenschaftlichen Erkenntnisse aktiv einsetzt, um damit Veränderungen in Kolumbien voranzutreiben. Genau das will ich in Peru erreichen. Ich möchte mein Wissen einbringen und es für andere nutzbar machen. Hawkins hat mir klargemacht: Um etwas zu verändern, braucht es immer beides, Engagement und Wissenschaft. Unser Gespräch hat mich in meinem PhD-Vorhaben weiter bestärkt. Auf der Konferenz habe ich bereits einige Professoren kennengelernt, die potenzielle Betreuer für meine Dissertation wären.“

Dr. Ines Ksentini
Assistenzprofessorin am Institut de l’Olivier in Tunesien

„Ich weiß jetzt, dass ich auf dem richtigen Weg bin“.

Teilnehmerin Dr. Ines Ksentini © Christina Iglhaut

„„In gewisser Weise sind wir Forschenden Opportunisten, weil wir immer auf der Suche nach Kooperationen und Möglichkeiten sind, unsere Ergebnisse zu vergleichen. Mein Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Pflanzenschutz vor schädlichen Insekten, insbesondere bei Oliven-, Granatapfel- und Mandelbäumen. Wir versuchen, organische und bezahlbare Methoden zur Schädlingsbekämpfung zu entwickeln, wie Bakterien oder Pilze, die gut wirken, aber die Umwelt schonen. Viele Bauern setzen leider immer noch chemische Spritzmittel ein, weil sie billiger sind. Während unserer dem Tropentag vorgeschalteten Seminarwoche an der Universität Göttingen besuchten wir ein Familienunternehmen, das organische Schädlingsbekämpfungsmittel beim Maisanbau einsetzt. Es war schön zu sehen, dass es auch in der Praxis funktionieren kann. Ich möchte mit den Forschenden in Kontakt bleiben und sie nach Tunesien einladen. Ich weiß jetzt, dass ich auf dem richtigen Weg bin.““

Dr. Trung Duc Tran
Wissenschaftler an der Vietnam Academy of Agricultural Sciences

„In Entwicklungsländern ist man ganz besonders auf diese Art von Austausch angewiesen, denn unsere Ressourcen vor Ort sind begrenzt“.

Teilnehmer Dr. Trung Duc Tran © Christina Iglhaut

„Wir müssen zusammenarbeiten und Menschen miteinander in Dialog bringen. Genau das geschieht beim Tropentag. Während der Konferenz hingen an allen Wänden Poster, die die verschiedenen Projekte der Konferenzteilnehmenden vorstellten. Jeder konnte sehen, wie vielfältig unsere Forschungsgebiete und Herausforderungen sind – aber wir können gemeinsam Lösungen finden. In Entwicklungsländern ist man ganz besonders auf diese Art von Austausch angewiesen, denn unsere Ressourcen vor Ort sind begrenzt. Im Moment legen wir in Vietnam wenig Augenmerk auf die Umwelt oder beispielsweise schonende Düngung. Es geht vor allem um Profit. Während der Alumni-Workshops habe ich gelernt, dass diese Aspekte aber einbezogen werden sollten. Verschiedene Anbausysteme haben unterschiedliche Auswirkungen und es ist wichtig, das richtige Konzept für Vietnam zu finden.“

Dr. Trung Duc Tranhat auf dem Tropentag 2019 einen Poster-Award der Vereinigung „Ecoland“ gewonnen.

Jared Ochieng
Projektmanager beim Micro Enterprises Support Programme Trust in Kenia

„Menschen, die leidenschaftlich an ihrer Forschung interessiert sind und dies auch zeigen – das inspiriert mich“.

Teilnehmer Jared Ochieng © Christina Iglhaut

„Ich kann als Forscher nicht erfolgreich sein, ohne mich mit anderen Menschen zu vernetzen. Deshalb bin ich nach Kassel gekommen. Die Präsentation der Keynote Speakerin Carla D. Martin von der Harvard University blieb mir besonders in Erinnerung. Ihr Vortrag hieß ‚Wie schmecken gute Absichten?‘. Sie sprach über Interessenskonflikte und moralische Verantwortung in der Kakao-Schokoladenindustrie. Die Dimension und Reichweite ihres Ansatzes haben mich fasziniert. Sie war sehr leidenschaftlich, nahm viele Länder in den Blick und analysierte das Gesamtbild. Ich denke, genau darum geht es bei solchen Veranstaltungen: Menschen zu treffen, die leidenschaftlich an ihrer Forschung interessiert sind und dies auch zeigen. Das inspiriert mich.“

Autorin: Christina Iglhaut

Fachliche Alumni-Sonderprojekte

In den Alumni-Sonderprojekten erhalten in Deutschland ausgebildete Fachkräfte aus Entwicklungsländern die Gelegenheit, mit deutschen Wissenschafts- und Wirtschaftsvertretern auf wichtigen Messen und Kongressen in Verbindung zu kommen.

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Alumni-Sonderprojekte

Oktober 2019

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