„Wir brauchen eine Million Lösungen“

Wir konsumieren, um jemandem unsere Zuneigung zu zeigen, unseren sozialen Status zur Schau zu stellen oder um glücklich zu sein. Dieser Konsum stellt jedoch eine massive Belastung für unseren Planeten dar. Wenn die Weltbevölkerung bis 2050 die Zahl von 9,6 Milliarden überschreitet, bräuchten wir drei Erden, um unseren heutigen Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Wir müssen also etwas ändern. Aber was? Und wie? Unternehmer und Alumnus des Bundeskanzler-Stipendiums Saahil Parekh spricht mit William Young, Professor für Nachhaltigkeit und Wirtschaftswissenschaft an der University of Leeds, über nachhaltigen Konsum. Wie können wir Lebensmittelabfälle reduzieren und welche Chancen birgt die Pandemie für den nachhaltigen Konsum? Auf diese und weitere Fragen gibt dieses Video -Interview Antwort (auf Englisch).

Prof. William Young, Lehrstuhl für Nachhaltigkeit und Wirtschaftswissenschaft, University of Leeds

William Young hält die Professur für Nachhaltigkeit und Wirtschaftswissenschaft am Sustainability Research Institute an er britischen University of Leeds. Als Wissenschaftler befasst er sich vornehmlich mit dem Nachhaltigkeitsverhalten von Verbrauchern und Organisationen und arbeitet mit Unternehmen, Verbraucherverbänden und staatlichen Behörden zusammen. Er entwickelt Experimente, mit denen unter realen Bedingungen überprüft werden kann, ob und wie auf Verhaltensänderungen abzielende Interventionen das Verhalten und die Nachhaltigkeit messbar beeinflussen können. Young hat bereits zahlreiche Organisationen zum Thema beraten, darunter neben Lebensmitteleinzelhändlern und -herstellern auch die Internationale Organisation für Normung (ISO) und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP). In seiner aktuellen, geförderten Forschung untersucht er u. a. internationale Datensätze zum realen Verbraucherverhalten auf Nachhaltigkeitsaspekte. Außerdem beschäftigt er sich mit der Frage, wie sich Einzelhandel und Verbraucher an klimawandelbedingte Unterbrechungen der Lebensmittelversorgung anpassen können und wie der Lebensmittelhandel mit Interventionen das Verbraucherverhalten in Richtung einer gesunden, nachhaltigen Ernährung lenken kann. In seinem Fachbereich nachhaltiger Konsum kooperiert Young u. a. mit Forscherinnen und Forschern aus Deutschland, auch in betreuender Funktion.

Saahil Parekh, Unternehmer und Alumnus des Bundeskanzler-Stipendiums

Saahil Parekh ist indischer Unternehmer und Alumnus des Bundeskanzler-Stipendiums der Alexander von Humboldt-Stiftung. Schon zu Beginn seines Studiums der Volkswirtschaftslehre am Indian Institute of Technology (ITT) in Kharagpur war er vom Themenkomplex Nachhaltigkeit fasziniert. Seit etwa fünf Jahren setzt er sich insbesondere mit nachhaltigen Ernährungssystemen auseinander. Er gründete das soziale Unternehmen “Khetify” im indischen Neu-Delhi, das im Bereich der urbanen Landwirtschaft tätig ist, und erhielt ein Bundeskanzler-Forschungsstipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung. Als Stipendiat hatte er Gelegenheit, die ernährungspolitischen Netzwerke verschiedener Städte der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) aus eigener Erfahrung kennenzulernen. So arbeitete er in dieser Zeit mit dem Ernährungsforum Zürich am Aufbau einer Community lokaler Lebensmittel-Start-ups in der Stadt. Mittlerweile lebt Parekh wieder in Indien und engagiert sich dort für das junge Unternehmen Gourmet Garden in Community-Aufbau- und Aufklärungsinitiativen rund um „gutes Essen“ (aus nachhaltigem Anbau, nachhaltig bezogen, ohne Chemikalien und Pestizide).

Autorin: Christina Iglhaut

Juli 2021

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