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Wie nachhaltig leben wir im Jahr 2030, Herr Angenent?

Ich stelle mir vor, dass wir 2030 kaum noch fossile Energieträger nutzen. Der Ölimport ist komplett gestoppt, Kohle wird nicht mehr eingesetzt, und auch die Verwendung von nicht erneuerbarem Erdgas ist reduziert. Verkehrsmittel wie Autos, Busse oder Lkws fahren mit Elektroantrieb. Wir heizen unsere Häuser mithilfe von Solaranlagen auf den Dächern.

Um beim Verzicht auf fossile Rohstoffe weiterhin kohlenstoffhaltige Produkte, wie zum Beispiel Plastik oder bestimmte Chemikalien, produzieren zu können, müssen wir alternative Quellen für den Werkstoff finden. Schon jetzt kann Kohlenstoff aus organischen Abfällen gewonnen oder mithilfe chemischer Prozesse aus industriellen Abgasen recycelt werden. Allerdings benötigen die hierfür verwendeten Metallkatalysatoren sauberes CO2 – dies bedeutet eine kostenintensive Reinigung der Abgase vor ihrer Verwendung. Zur Minimierung dieser Kosten arbeiten wir daran, Bakterien für die Gewinnung von Kohlenstoff einzusetzen. Diese mikrobiell produzierenden Katalysatoren brauchen nicht denselben Reinheitsgrad wie Metallkatalysatoren. Dadurch sind sie, obwohl sie mit geringerer Geschwindigkeit arbeiten, finanziell gesehen im Vorteil.

Prof. Dr. Largus (Lars) T. Angenent

Humboldt-Professor für Angewandte Mikrobiologie an der Universität Tübingen

Angenent erforscht unter anderem, wie Bakterien zur Synthese von Treibstoffen, Chemikalien und Lebensmitteln optimiert und eingesetzt werden können.

Die Hoffnungsträger sind winzig klein und leben in komplexen Gemeinschaften: Bakterien spielen eine Schlüsselrolle bei der Gasfermentation, einer wichtigen Quelle für die saubere Energie der Zukunft. Wie Bakterien zur Synthese von Treibstoffen und Chemikalien optimiert und eingesetzt werden, erforscht Largus Angenent. Der international führende Bioverfahrenstechniker hat die Grundlagen seiner jüngsten Arbeiten selbst erforscht, indem er die Zusammensetzung und das Zusammenspiel von Mikrobengemeinschaften beispielsweise in der Luft von Krankenhäusern oder in Fermentierungsanlagen analysierte. Diese Erkenntnisse setzt er erfolgreich in Anwendungen um, etwa mit seiner eigenen Firma, in der Mikroben zur Speicherung von Wasserstoff und Kohlendioxid in Form von Methan entwickelt und optimiert werden. An der Universität Tübingen soll Angenent am Zentrum für Angewandte Geowissenschaften Impulse für die Entwicklung neuer Technologien geben und mit Kollegen aus benachbarten Disziplinen wie beispielsweise am Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin die Analyse von Mikrobiomen vorantreiben. Er soll so dazu beitragen, dass die in Deutschland starke Grundlagenforschung auf diesem Gebiet auch in der Anwendung internationale Spitze wird.

Quelle: Website der Alexander von Humboldt-Professur

Aber eine gute wissenschaftliche Methode allein reicht nicht. Letztlich entscheiden technologische und ökonomische Faktoren über die Umsetzbarkeit einer Idee. Entscheidend wird sein, ob die von uns entwickelten Verfahren skalierbar sind: Lassen sich unsere Ideen in industriellem Maßstab umsetzen, und sind sie dabei auch noch rentabel? Generell gilt: Forschung ist nicht planbar, und das ist gut so. Fragestellungen entwickeln sich oft spontan – die besten Fragen sind die, von denen du vor fünf Jahren nicht gedacht hättest, dass du sie dir einmal stellen würdest. Wenn ich dennoch einen Blick in die Zukunft wage, dann bin ich überzeugt: 2030 werden wir meiner Vision von einer nachhaltigen Welt ein ganzes Stück näher gekommen sein.   

Wie sieht Ihre Vision für das Jahr 2030 aus? Wie nachhaltig werden wir leben? Werden wir den Weg zu einer Bioökonomie meistern? Was kann jeder Einzelne beitragen? Sagen sie uns Ihre Meinung in den Kommentaren!

Januar 2020

Kommentare

Daniela
23. Januar 2020

Das ist interessant. Ich hätte vermutet, dass eine Solaranlage in Deutschland attraktiver ist. Aber wenn man global denkt, ist es dann nicht doch eine effiziente Alternative? Zum Beispiel, wäre es nicht effizienter in Afrika Solaranlagen zu bauen, als über 40 neue Kohlekraftwerke?

Prof. Dr. Dieter Böning
15. Januar 2020

Das Heizen mit Solaranlagen auf den Dächern scheint mir illusorisch. Ich "ernte" Strom mit einer Solaranlage, was sich sehr lohnt. Aber in der Hauptheizperiode von Dezember bis Mitte Februar ist der Ertrag sehr gering (z. B. letzten Dezember 40 kWh gegenüber etwa 400-500 in den hellsten Monaten).

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