1 Finde ich gut

Windenergie aus dem Meer – ein neues Kapitel für Deutschland

21 Windräder mit Rotoren von 93 Metern Durchmesser, jedes größer als der Kölner Dom – im Mai 2011 haben sie sich offiziell in Bewegung gesetzt. Die erste rein kommerzielle Offshore-Windkraftanlage Deutschlands wurde eröffnet. Das sei ein neues Kapitel beim Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Die Anlage „Baltic 1“ steht 16 Kilometer vor der Ostseeküste und versorgt künftig rund 50.000 Haushalte. Der Strom fließt über ein 60 Kilometer langes Seekabel an Land. Betreiber von „Baltic 1“ ist Energie Baden-Württemberg (EnBW), einer der vier großen deutschen Energie-Konzerne.

Offshore-Windparks nutzen den Vorteil, dass auf hoher See fast immer Wind weht. Somit liefern die Anlagen permanent Strom. Sie sind allerdings teuer und schwer zu bauen. Die Verankerung im Meeresboden ist eine Herausforderung. Das größte Problem ist aber der Netzausbau an Land: Bis 2020 sind laut Deutscher Energie-Agentur (DENA) rund 3.600 Kilometer zusätzliche Leitungen erforderlich.

Dennoch glaubt EnBW an eine lohnende Investition. Das Unternehmen bereitet bereits „Baltic 2“ vor, ein sechsmal größerer Windpark, 32 Kilometer vor der Insel Rügen. 2013 sollen dann 80 Windräder Strom für 340.000 Haushalte gebaut werden. Für die beiden Baltic-Parks investierte EnBW rund 1,3 Milliarden Euro. Von „Baltic 2“ soll außerdem ein Kabel zu einem dänischen Windpark gelegt werde. Mit der Koppelung der beiden Strommärkte erhoffen sich die Beteiligten den Aufbau eines Ostseestromnetzes, das bis 2030 etwa 5.000 Windräder umfassen soll. Sie produzieren dann soviel Strom wie 25 Atomkraftwerke.

 

Mit Windenergie auf Rang drei 

Auch in der Nordsee entstehen immer mehr Windparks, etwa vor Dänemark oder in der Themse-Mündung – häufig mit deutschen Technologien oder deutscher Beteiligung. Kein Wunder: Schon jetzt beliefern rund 2.500 deutsche Unternehmen der Windkraftbranche etwa 30 Prozent des Weltmarkts. Beim Ausbau der Windenergie liegt Deutschland auf Rang drei hinter China und den USA. Bis 2030 soll der Markt von rund 30 Milliarden Euro auf 200 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr wachsen, so Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie (BWE).

Trotz des Erfolges der Windenergie wird weiter entwickelt. Die Universitäten in Oldenburg, Hannover und Bremen haben deshalb ihre Forschungen in einem Zentrum für Windenergieforschung namens ForWind zusammengeschlossen. Auch das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik in Bremerhaven und Kassel will die Technologie vorantreiben. Die Wechselwirkungen von Wetter, Gelände und Rotor etwa müssen noch genauer untersucht werden, um die Windgeschwindigkeit einige Sekunden im voraus bestimmen und die Rotoren optimal ausrichten zu können. Auch Technologien wie Kohlefasern oder Supraleiter spielen künftig eine größere Rolle, will man die Leistung der Windanlagen steigern. Windparks sollen schließlich genauso zuverlässig werden wie Gasturbinen.

Mai 2011

Dieser Text ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz. Möglicherweise unterliegen zusätzliche Inhalte wie Bilder und Videos jeweils zusätzlichen Bedingungen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit den Nutzungsbedingungen und der Datenschutzrichtlinie einverstanden. Zudem gilt folgende Regelung für die korrekte Benennung der Urheber und Quelle sowie Übersetzungen.

Kommentare

blub
30. September 2011

blop

Jetzt kommentieren