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Wenn Wissenschaft und Öffentlichkeit sich treffen

Science Slam, Lange Nacht der Wissenschaften, Stadt der Wissenschaft – diese Konzepte haben eines gemeinsam: Sie wollen ein breites Publikum an aktueller Forschung teilhaben lassen. Doch können sie wirklich zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit vermitteln? Warum ist das überhaupt wichtig?

Das Verhältnis von Wissenschaft und Öffentlichkeit ist nicht leicht zu bestimmen. „Die meisten Deutschen finden Forschung für bessere Handys gut, für Kernenergie aber schlecht“, sagt Wissenssoziologe Peter Weingart. Seit rund zehn Jahren gibt es immer mehr Versuche, Wissenschaft und Öffentlichkeit zum Dialog anzuregen: den Vortragswettbewerb „Science Slam“ und die Auszeichnung „Stadt der Wissenschaft“ zum Beispiel.

Der Duftforscher Hanns Hatt findet diese Entwicklung gut: „Meine Forschung wird durch Steuern finanziert. Deshalb haben die Menschen ein Recht darauf, etwas von meiner Arbeit zu erfahren.“ Seiner Meinung nach sollten sich alle Wissenschaftler bemühen, ihre Forschung für jeden verständlich zu machen. Der Professor der Ruhr-Universität Bochum will dafür ein Vorbild sein. Für sein Bemühen, Wissenschaft und Öffentlichkeit zu verbinden, zeichnete die Deutsche Forschungsgemeinschaft Hanns Hatt 2010 mit dem Communicator-Preis aus. „Veranstaltungen wie der Science Slam können die Menschen für das begeistern, was Wissenschaft leistet“, sagt er. „Gerade in meiner Disziplin sehen sie, dass Forschung für ihr Leben eine Bedeutung hat.

Wie verstehen sich Wissenschaft und Öffentlichkeit?

Peter Weingart glaubt nicht, dass die neuen Formate der Wissensvermittlung einen echten Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit herstellen. „Fast jede Wissenschaft ist heute sehr abstrakt und benutzt eine komplizierte Sprache“, sagt der Professor von der Universität Bielefeld. „Die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Laien kann deshalb nicht richtig funktionieren.“Die Besucher von Science Slams suchen nach Meinung von Peter Weingart Unterhaltung – gute Wissenschaft ist aber präzise und meist komplex. Was meinen Sie: Kann der Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit trotzdem gelingen? Wie wichtig ist es für eine Gesellschaft, dass die Erkenntnisse der Wissenschaft in die Öffentlichkeit getragen werden? Gibt es in Ihrem Land ähnliche Formate wie den Science Slam oder die Lange Nacht der Wissenschaften?

Hier kommen Wissenschaft und Öffentlichkeit zusammen

Der Klassiker: Dies Academicus Der Dies Academicus – zu deutsch: Hochschultag – führt an manchen Hochschulen schon seit über 20 Jahren Wissenschaft und Öffentlichkeit zusammen. In jedem Semester öffnet die Hochschule an diesem Tag ihre Pforten für interessierte Laien. Sie können Vorlesungen zur aktuellen Forschung hören.

Schnell und verständlich: Science Slam „Bühne frei für die Wissenschaft!“: Das ist das Motto der Science Slams, die es seit rund vier Jahren in Deutschland gibt. Beim Science Slam stellen Wissenschaftler in zehn Minuten ihre Forschung einem breiten Publikum vor, meist in einer Bar. Spannend, anschaulich und unterhaltsam soll der Vortrag sein – damit jeder versteht, worum es geht, und auch noch Spaß hat.

Blick hinter die Kulissen: Lange Nacht der Wissenschaften Bei der „Langen Nacht der Wissenschaften“ treffen sich Wissenschaft und Öffentlichkeit dort, wo Forschung zu Hause ist: in Instituten und Laboren. Vom frühen Abend bis in die Nacht zeigen Wissenschaftler Experimente und erklären ihren Gästen, an welchen Themen sie gerade forschen.

Für lokale Initiativen: Wissenschaftsstadt Seit 2005 vergibt der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft jedes Jahr den Titel „Stadt der Wissenschaft“. Um die Auszeichnung zu erhalten, muss eine deutsche Stadt ein Konzept vorweisen, wie sie Wissenschaft und Öffentlichkeit erfolgreich vernetzen will. 51 Städte haben sich letztes Jahr beworben. 2012 war Lübeck Wissenschaftsstadt.

Januar 2012

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Kommentare

Christine Kortenbruck
22. Mai 2012

Ich finde alle diese Formate notwendig und extrem hilfreich! Wir alle finanzieren Forschung mit unseren Steuergeldern und haben deshalb zumindest das Recht zu erfahren, woran geforscht wird. Forschung und Wissenschaft hatte auch in Deutschland mal einen viel höheren Stellenwert und war meiner Ansicht nach deutlich besser in der Gesellschaft verankert als heute. Und die ständig steigenden Besucherzahlen bei Tagen der Offenen Tür zeigen, dass die Bevölkerung sich sehr dafür interessiert. Was ist schlecht daran, sich von Forschung auch unterhalten zu lassen? Wenn ich etwas erfahre, was neu war für mich, ist es doch in Ordnung. Der Anspruch von vielen Wissenschaftlern, dass die Leute das auch bitte alles verstehen sollen, ist einfach zu hoch und führt dann wieder zu Frust, weil man alles wieder \"viel zu einfach und unpräzise\" formulieren muss. Viele Besucher wollen das oft nicht bis ins letzte Detail verstanden haben, aber sie wollen sich faszinieren lassen, es interessiert sie und natürlich wollen sie auch Unterhaltung. Und oft fragen sie auch durchaus konkret nach. Was will man denn noch mehr?

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