0 Finde ich gut

Deutschland forscht fürs Digitale: das Wissenschaftsjahr 2014

Surfen, twittern, online shoppen: Die Digitalisierung hat unsere Welt schneller, virtueller und gefährlicher gemacht. In zahlreichen Ausstellungen, Veranstaltungen und Aktionen soll das Wissenschaftsjahr 2014 „Die digitale Gesellschaft“ des BMBF zeigen, wohin die Reise geht – und welche Rolle deutsche Forschung dabei spielt.

Unser Alltag wird noch digitaler werden. Davon ist Wolfgang Wahlster überzeugt. Der Informatiker leitet das Deutsche Zentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI): die größte Institution ihrer Art weltweit. Bei der Eröffnungsveranstaltung zum Wissenschaftsjahr 2014 Mitte Februar in Berlin sowie in einem Videoblog hat Wahlster als Experte für „Mensch-Maschine-Schnittstellen“ seine Ideen zur Entwicklung der digitalen Gesellschaft formuliert.

Wahlster glaubt, dass bis 2020 „alle unsere digital veredelten Alltagsgegenstände von der Armbanduhr über die Heizung bis zum Auto“ im sogenannten „Internet der Dinge“ miteinander vernetzt sein werden – auch dank deutscher Forschung. Und am Arbeitsplatz unterstützt die „smarte“ Maschine als Assistenzsystem den Menschen, und zwar nach seinen persönlichen Bedürfnissen.

Wie sieht die Fabrik der Zukunft aus? - Prof. Dr. Wolfgang Wahlster (DFKI)

Ist die digitale Gesellschaft „lebenswerter“?

Wie für einen Großteil deutscher Informatiker und Ingenieure ist die digitale Gesellschaft auch für Wahlster nötig, um Freizeit und Arbeitsalltag „noch lebenswerter gestalten zu können“. Viele Bundesbürger sehen dies anders. 39 Prozent der Deutschen fürchten sich vor dem Einfluss digitaler Technik auf ihr Leben. Das geht aus einer Studie hervor, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2014 in Auftrag gegeben hat. Vor allem ältere Menschen sind eher skeptisch.

Bei aller Werbung für den Forschungsstandort Deutschland ist das Wissenschaftsjahr 2014 für Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) deshalb auch ein Aufklärungsmittel: „Wir wollen, dass sich die Menschen selbstbestimmt und sicher in der digitalen Welt bewegen können“. Die digitale Gesellschaft ist nicht mehr aufzuhalten, lautet die Botschaft. Forschung ist ein zentrales Instrument, um die Chancen auszubauen, Risiken abzuschwächen – und nicht zuletzt: um Deutschland als Wirtschaftsstandort zu stärken.

So sieht es auch die Sprecherin des Wissenschaftsjahres 2014 beim BMBF, Henderika Hillebrand. „Wissenschaft und Forschung spielen als Treiber und Begleiter des digitalen Wandels eine wichtige Rolle. Deswegen ist es das Ziel des Wissenschaftsjahres, dass Bürgerinnen und Bürger sich mit Forscherinnen und Forschern austauschen und diskutieren."

Wissenschaftsjahr 2014: Forschung interaktiv vermitteln

Um der Öffentlichkeit den neuesten Stand der Forschung zu vermitteln, setzen die Macher des Wissenschaftsjahres 2014 konsequenterweise auf die Möglichkeiten eines multimedialen Internetauftritts. Neben der Datenautobahn nutzen sie aber auch traditionellere Verkehrswege. Die Wanderausstellung „ScienceStation“ etwa macht in zahlreichen deutschen Bahnhöfen Halt. Und ab Mai 2014 ankern mit dem Schiff „MS Wissenschaft“ in rund 40 Städten Deutschlands und Österreichs interaktive Präsentationen ausgewählter Forschungsprojekte.

Bei der Vermittlung der Forschungsergebnisse stehen vor allem Schülerinnen und Schüler im Fokus. Pädagogisch betreute „SchulKinoWochen“ präsentieren Spielfilme über Hacker, soziale Netzwerke oder Robotertechnik in der Altenpflege. Und über eine „Forschungsbörse“ können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den Unterricht eingeladen werden.

Hintergrund: Das Wissenschaftsjahr

Das Wissenschaftsjahr ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und der gemeinnützigen Organisation Wissenschaft im Dialog (WiD), die Forschung an die breite Öffentlichkeit vermitteln will. Es wird seit dem Jahr 2000 zu gesellschaftlich und politisch relevanten Forschungsthemen aus allen Fachrichtungen ausgerichtet und von zahlreichen Kooperationspartnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft unterstützt.

Wer sind Deutschlands „digitale Köpfe“?

Eine wichtige Initiative zum Wissenschaftsjahr 2014 ist auch „Deutschlands digitale Köpfe“ der Gesellschaft für Informatik (GI). Mit Hilfe einer prominent besetzten Jury soll die Initiative jene Menschen ausfindig machen, „die mit ihren Innovationen und Leistungen die digitale Zukunft unseres Landes prägen werden“.

Forscherinnen und Forscher werden dabei eine zentrale Rolle spielen. „Digitale Köpfe“ wie der etablierte Informatikprofessor Wolfgang Wahlster etwa. Aber auch der wissenschaftliche Nachwuchs, der mit Smartphone, Tablet-PC und der Daten-Cloud groß geworden ist.

März 2014

Jetzt kommentieren