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Der humanistische Robotik-Visionär

Die technischen Entwicklungen unserer Zeit sollen vor allem dem Menschen dienen. Mit dieser Überzeugung treibt Sami Haddadin die Robotikforschung in Deutschland voran.

„Wenn die Menschheit in fünfzig Jahren auf unsere Zeit zurückblickt, wird deutlich werden, wie stark sich die Welt durch Robotik und Künstliche Intelligenz (KI) verändert hat“, sagt Sami Haddadin. „Das wird dann vergleichbar sein mit der Erfindung des Steinkeils oder des Webstuhls.“ Eine konkrete Prognose, wohin diese Technologien die Menschheit führen werden, findet er schwierig. Klare Überzeugungen hat Haddadin trotzdem: „Die Technologie sollte immer dem Menschen dienen.“

Der 38-jährige Haddadin ist Gründungsdirektor der Munich School of Robotics and Machine Intelligence an der TU München (MSRM). Das seit 2018 bestehende Forschungszentrum hat einen innovativen Forschungsansatz: Mithilfe von Maschinenintelligenz, das heißt der Verknüpfung von KI und Robotik, wollen die Wissenschaftler nachhaltige Technologien und Lösungen für zentrale Herausforderungen unserer Zeit erarbeiten. Die Basis dafür ist eine langfristig angelegte, interdisziplinäre Grundlagenforschung.

Roboter, die helfen

In drei großen Forschungsfeldern wollen die Experten Grundlagenforschung und praktische Anwendungen verknüpfen und gemeinsam mit Industriepartnern und möglichen Anwendern der Technologie die Ergebnisse im Alltag erproben. Neben der Verbesserung von Roboterassistenten für die Unterstützung älterer Menschen im Alltag (Geriatronik) sollen kollektiv lernende, sichere Roboterassistenten für die Industrie sowie Medizinroboter für minimalinvasive Chirurgie weiterentwickelt werden. Außerdem arbeiten die Forscher daran, autonome Transportsysteme und Roboterteams beispielsweise für die Inspektion und Instandhaltung von Großinfrastrukturen in die Anwendung zu bringen.

Sami Haddadin treibt die Neugier, schon seit seiner Kindheit in der Nähe von Hannover.Austausch über unterschiedliche Meinungen, den Gedanken freien Lauf lassen und Dinge offen ansprechen, das hat mich von klein auf begleitet“, sagt der Sohn eines jordanischen Arztes und einer Finnin.

Er ist weit gekommen: Auf seine Promotion 2011 an der RWTH Aachen folgten zwischen 2011 und 2013 mehrere Forschungsaufenthalte im Silicon Valley. Für die Erfindung des sensiblen und intuitiv bedienbaren Roboterassistenten Franka wurde er zusammen mit seinem Bruder 2017 mit dem Deutschen Zukunftspreis Im März wird ihm der Leibniz-Preis 2019 verliehen, der wichtigste deutsche Forschungsförderpreis. Bereits mit Anfang 30 wurde Haddadin 2014 auf den Lehrstuhl für Regelungstechnik an der Leibniz Universität Hannover berufen. „Das war für mich etwas ganz Besonderes. Gerade, weil es oft heißt, in Deutschland sei es nahezu unmöglich, so jung einen Ruf in unserem Fach zu bekommen“, sagt er.

Ingenieur unter Medizinern

Haddadin versteht sich als Ingenieur im ursprünglichsten Sinne, als jemand, der „kreiert“, der Werkzeuge erschafft. Und zwar Werkzeuge, die das Leben der Menschen verbessern. Auch hier macht er den Einfluss seiner Familie geltend: In der Medizinerfamilie standen das Miteinander und die Wertschätzung von Menschenleben immer an erster Stelle. „Mich haben Fragen wie: Wie hilft man Menschen? und: Was kann man konkret dazu tun? von klein auf interessiert – und letztlich zum Ingenieursstudium und zur Robotik gebracht.“

Seit rund zwei Jahren hat sich Haddadin aus dem operativen Betrieb um Franka zurückgezogen, um sich wieder voll auf die Forschung zu konzentrieren. Im April 2018 ist er an seine alte Wirkungsstätte München zurückgekehrt. Dort hatte er zwischen 2002 und 2009 Elektrotechnik, Informatik und Technologiemanagement an der TU München und der Ludwig-Maximilians-Universität München studiert. Ab 2005 hatte er zusätzlich am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in der Robotik geforscht. Alles Grundsteine seiner heutigen Arbeit.

Standort Deutschland mit großem Potential

Obwohl er reizvolle Forschungsangebote aus den USA erhielt, hat er sich für den Forschungsstandort Deutschland entschieden. „Ich bin hier tief verwurzelt“, sagt er. Außerdem würden in Deutschland und Europa gute Werte vertreten. Hier gehe es darum, nachhaltig zu forschen, zu gestalten und zu wirken. „Meine Entscheidung für den Wissenschaftsstandort Deutschland war immer auch ein Statement“, so Haddadin. In München kann er nun seine preisgekrönten Visionen von den menschenfreundlichen Robotern vorantreiben.

Vielfältige Optionen für Nachwuchswissenschaftler

Junge Wissenschaftler finden an vielen deutschen Universitäten gute Studienbedingungen für die Fächer Elektrotechnik und Informationstechnik. Im CHE Ranking schneiden beispielsweise folgende Universitäten besonders gut ab:

https://www.rwth-aachen.de/cms/~a/root/?lidx=1

Exzellente Bedingungen für Elektrotechniker gibt es auch an außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Deutschland, wie zum Beispiel:

Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik an der RWTH Aachen

An der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der RWTH Aachen werden Ingenieure für den Führungsnachwuchs in Lehre und Forschung sowie in Industrie und Gesellschaft ausgebildet. Bekannt ist die Fakultät vor allem für die enge Verknüpfung von Forschung und Lehre. Ermöglicht wird diese vor allem durch starke Kooperationen innerhalb der RWTH Aachen, innerhalb der Jülich-Aachen-Research Alliance (JARA) und mit assoziierten Instituten und externen Forschungspartnern.

www.elektrotechnik.rwth-aachen.de

 

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im  Research in Germany-Newsletter im Februar 2019 auf Englisch publiziert.

Juli 2019

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