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Politische Partizipation von Frauen in Kenia erforschen

Die neue Verfassung hat in Kenia viele Hoffnungen geweckt. Ob sie auch der politischen Partizipation von Frauen nutzt, das erforscht Shillah Memusi an der Graduiertenschule BIGSAS in Bayreuth.

Wenn es nach Shillah Memusis Plänen gegangen wäre, dann hätte sie im schottischen Edinburgh ihre Doktorarbeit geschrieben. An der dortigen Universität war sie zur Promotion zugelassen. Doch es haperte an der Finanzierung. "I never thought of Germany when I was looking for a university to gain my PhD. If I had been looking into an engineering programme, yes, but African Studies in Germany?"

Über Manchester und Nairobi nach Bayreuth

Auf den Tipp eines Freundes hin gibt sie bei der Internetrecherche „African Studies“ und „Deutschland“ in die Suchmaske ein und landet schnell auf den Seiten der Bayreuth International Graduate School of African Studies (BIGSAS) an der Universität Bayreuth. Ihren Master hatte sie bereits am Global Development Institute der University of Manchester absolviert, danach an der Strathmore Law School in Nairobi geforscht. Mit Bayreuth wählte sie für ihre Dissertation einen der renommiertesten Orte in Deutschland, wenn es um Afrikastudien geht. Im Januar 2019 startete dort auch noch das Exzellenzcluster "Africa Multiple". Diese BMBF-Förderung für die Spitzenforschung bringt unter anderem neue Professuren und mehr Interdisziplinarität in die Bayreuther Afrikastudien. Auch die Zusammenarbeit mit afrikanischen Wissenschaftsinstitutionen wird weiter ausgebaut. Shillah Memusi geht in ihrer Dissertation der Frage nach, wie die neue kenianische Verfassung, für die die Bevölkerung in einem Referendum 2010 gestimmt hat, tatsächlich das Leben der Menschen verändert hat – insbesondere das der Frauen. „Es gab einen großen Hype um die neue Verfassung. Meine Idee war also zu prüfen, wie sich die Veränderung vollzieht." schildert Memusi ihre Motivation.

Hält die Verfassung, was sie verspricht?

Vom BIGSAS als Junior Fellow aufgenommen, lebt Memusi seit Oktober 2015 in Bayreuth, unterbrochen von sieben Monaten Feldforschung in ihrer Heimat. Die Kenianerin hat in ihrer Doktorarbeit untersucht, wie es um die politische Repräsentation von Frauen in Kenia bestellt ist – am Beispiel der beiden südlichen, vorwiegend von Maasai bewohnten Bezirke Kajiado und Narok. Die 2013 in Kraft getretene Verfassung verspricht in dieser Hinsicht viel: Sie legt fest, dass den Bezirksparlamenten, der Nationalversammlung und dem Senat jeweils mindestens ein Drittel Frauen angehören muss. Eine Maßgabe, die auf Bezirksebene zwar erfüllt wurde. Allerdings nur deshalb, weil Frauen, wie von der Verfassung vorgesehen, für Abgeordnetensitze nominiert wurden, die für sie reserviert sind. Gewählt wurde bei den Wahlen 2017 keine einzige Frau. Immerhin wurden aber erstmals Frauen als Gouverneurinnen und Senatorinnen gewählt. Der Frauenanteil in der Nationalversammlung und im Senat liegt aktuell nur bei 23 Prozent.

Frauen sind auf der ganzen Welt mit wenigen Ausnahmen politisch unterrepräsentiert. In dieser Debatte kommt es darauf an zu verstehen, was Frauen von politischer Partizipation abhält, und die Politik auf ihre Unterrepräsentation abzustimmen.

 

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Was Frauen vom politischen Engagement abhält

„Frauen sind auf der ganzen Welt mit wenigen Ausnahmen politisch unterrepräsentiert. In dieser Debatte kommt es darauf an, die Realitäten zu verstehen, die Frauen von politischer Partizipation abhalten, und die Politik auf ihre Unterrepräsentation abzustimmen.“ erklärt Memusi. In Kenia sei es für Frauen schwierig, sich politisch zu engagieren, weil ihnen – von Männern wie Frauen – der Vorwurf gemacht werde, sie würden ihre "eigentlichen Pflichten" vernachlässigen, also zu Hause für die Familie zu sorgen. "It is largely a matter of socialisation, and how this influences attitudes and behaviour towards public and political engagement", erklärt Memusi. Sie sieht mangelnde Bildung und finanzielle Ressourcen als weitere Barrieren auf dem Weg zur politischen Partizipation. Bei den Maasai kommt außerdem die Sprachbarriere hinzu. In den ländlichen Regionen würden sie häufig keine der beiden Amtssprachen, Englisch oder Swahili, ausreichend gut beherrschen. „Die Verfassung wurde nicht in locale Sprachen übersetzt.“ sagt Memusi.

Die Verfassung mit Leben füllen

Trotz aller Begeisterung über die neue Verfassung wüssten die meisten Menschen nicht, welche Bedeutung die neuen Rechte der Frauen für das alltägliche Leben haben, so lautet eine von Memusis Schlussfolgerungen. Der Gesetzestext muss erst noch mit Leben gefüllt werden. Dafür sieht die Wissenschaftlerin die staatlichen Institutionen in der Pflicht. „Sie müssen in die Gemeinden zurückkehren und herausfinden, wie sie sich mit der öffentlichen Beteiligung von Frauen auf lokaler Ebene befassen können.“ Shillah Memusi hat ihre Doktorarbeit kürzlich eingereicht. Wenn ihre Empfehlungen nun noch beherzigt werden, das heißt, wenn die Politik sich auf die Wissenschaft stützt, dann wird dies das schönste Ergebnis für die junge Forscherin sein.

Bayreuth International Graduate School of African Studies (BIGSAS)

Fast 100 Junior Fellows aus 27 Ländern in Afrika, Amerika, Asien und Europa promovieren derzeit an der Graduate School of African Studies, die seit über zehn Jahren am Institut für Afrikastudien der Universität Bayreuth besteht. Die jungen Forscher werden dort während ihrer Dissertation von dreiköpfigen Teams begleitet. Die Betreuer und Mentoren kommen von der Universität Bayreuth oder einer der sechs Partneruniversitäten in arabisch-, englisch-, französisch- und portugiesischsprachigen Ländern Afrikas, und sie repräsentieren so unterschiedliche Disziplinen wie Anthropologie, Geografie, Geschichte, Jura, Linguistik, Literatur, Medienwissenschaft, Religionswissenschaft, Soziologie und politische Wissenschaft.

www.bigsas.uni-bayreuth.de

 

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Research in Germany-Newsletter auf Englisch publiziert.

April 2019

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