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Karrierechancen für Klimaexpertinnen und -experten

Gesucht sind Nachwuchsführungskräfte. Menschen, die bereit sind, mit wissenschaftlicher Expertise Verantwortung zu übernehmen. Schließlich sollen sie sich mit weitreichenden Fragestellungen des Klimawandels beschäftigen, aus natur- und ingenieurwissenschaftlicher Perspektive ebenso wie aus rechtlichen, wirtschaftlichen, gesundheitsbezogenen oder gesellschaftlichen Blickwinkeln. Das Internationale Klimaschutzstipendium (IKS) der Alexander von Humboldt-Stiftung für junge Klimaexperten aus Entwicklungsländern ermöglicht es ausgewählten Nachwuchswissenschaftlerinnen- und -wissenschaftlern, ein Jahr lang ein forschungsnahes Projekt in den Bereichen Klimaschutz und klimarelevanter Ressourcenschutz bei einem selbst gewählten Gastgeber in Deutschland durchzuführen.

Vielfältige Karrieren

Wie vielfältig dieses Stipendienprogramm berufliche Karrieren fördert, zeigte die Festveranstaltung zu seinem zehnjährigen Bestehen in Bonn. Zahlreiche Alumni sind in wissenschaftlichen Institutionen erfolgreich, andere in der Arbeit für NGOs. Dass der Wechsel in die freie Wirtschaft ebenfalls gelingt, zeigt zum Beispiel der Weg des chinesischen IKS-Alumnus Jiang Shan. Als Stipendiat forschte er 2013 und 2014 an der Technischen Universität Hamburg (TUHH) zu Nachhaltigkeitsstrategien von chinesischen und europäischen Konzernen. Heute ist er Geschäftsführer der von ihm gegründeten Green Finance Platform Susfinteq mit Sitz in Zürich und Shanghai. „Wir helfen Interessierten dabei, gezielt umweltfreundliche Investments zu tätigen und analysieren dabei Unternehmen auch mit Künstlicher Intelligenz.“

In Bonn traf Shan andere IKS-Alumni wieder und nutzte die Möglichkeit zur Vernetzung. Ganz im Sinne Alexander von Humboldts: „Wenn es jemals einen Netzwerker gegeben hat, dann war es Humboldt“, sagte Dr. Thomas Hesse, stellvertretender Generalsekretär der Humboldt-Stiftung in seiner Begrüßungsrede. Hesse erinnerte auch an die wissenschaftliche Pionierarbeit Humboldts in der Klimaforschung. Auf seinen großen Forschungsreisen erkannte dieser sowohl in Südamerika als auch in Russland die fatalen Auswirkungen rücksichtloser Rodung in den Wäldern – und schrieb darüber. Erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit war denn auch ein Bereich der Karriereentwicklung, der auf der Bonner Jubiläumsveranstaltung thematisiert wurde. In einem World Café diskutierten die Teilnehmenden Fähigkeiten, auf die es ihrer Ansicht nach besonders ankommt, etwa auch Stärken im Konfliktmanagement, in der Netzwerkarbeit oder bezüglich ihrer Weltoffenheit. Für das Alumniportal Deutschland haben wir mit drei der IKS-Alumni gesprochen.

Maryam Bakhshi, Beraterin für effiziente Energienetze

Als sich Maryam Bakhshi im Jahr 2013 erfolgreich um das Internationale Klimaschutzstipendium bewarb, „war der Klimawandel im Iran noch kein Thema“. Die junge Umweltingenieurin wollte das nicht einfach hinnehmen. „Durch seine Rolle als Pionier in der Entwicklung der Erneuerbaren Energien reizte mich Deutschland für einen Forschungsaufenthalt besonders“, erzählt sie. Am Berlin Centre for Caspian Region Studies (BC CARE) der Freien Universität Berlin bearbeitete sie während ihres Stipendiums das Projekt „Strategien zur Förderung der Bioenergie im Iran: Ressourcen-Schonung und Klimawandel“.

Die Vorteile der Bioenergie hatte Bakhshi schon zuvor als Mitarbeiterin einer Teheraner Beratungsfirma untersucht. Nach wie vor forciert sie einen ökologischen Wandel ihres Heimatlandes: Als Beraterin arbeitet sie für das Projekt ireema (Iranian Energy Efficiency Market), das die iranische Vize-Präsidentschaft für Wissenschaft und Technologie bei der praktischen Implementierung eines integrierten Energieeffizienzmarktes unterstützt.

Juan Auz, Anwalt für den Klimaschutz

„Die Beschäftigung mit Fachdisziplinen jenseits der Rechtswissenschaft war ein entscheidender Gewinn meines Stipendiums“, betont Juan Auz aus Ecuador. Am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, an dem Natur- und Sozialwissenschaftler eng zusammenarbeiten, hat er 2018 und 2019 seine Auseinandersetzung mit juristischen Fragen des Klimawandels vertieft. Auz hat die ecuadorianische NGO Terra Mater mitgegründet und sich in leitender Funktion für die Fundación Pachamama engagiert; beide Organisationen stärken die Rechte der indigenen Bevölkerung Amazoniens.

„Zu dem Thema wollte ich intensiver forschen. Das Internationale Klimaschutzstipendium hat mir dazu die Gelegenheit gegeben“, sagt Auz, der während seiner Zeit in Potsdam auch publizierte und an Konferenzen teilnahm. Aktuell promoviert er an der Hertie School of Governance in Berlin. Sein Engagement für NGOs setzt er als Berater fort. Erst vor wenigen Tagen war er in Washington, um bei der Inter-American Commission on Human Rights einen Report vorzustellen, der sich damit beschäftigt, welche Auswirkungen der Klimawandel auf die Rechte benachteiligter Bevölkerungsgruppen hat.

Dr. Lijuan Miao, Wissenschaftlerin mit Weitblick

Warum sie sich für das Internationale Klimaschutzstipendium beworben hat? Dr. Lijuan Miao nennt mehrere Gründe – und lässt dabei Leidenschaft erkennen: „Der Klimawandel betrifft unser Leben unmittelbar, und ich will mich gegen die globale Erwärmung einsetzen.“ Das Klimaschutzstipendium hat sie 2017 und 2018 an das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) in Halle (Saale) geführt; mit dem Institut ist sie nach wie vor verbunden.

Schon vor ihrer Zeit in Halle hat sie als Gastwissenschaftlerin in Cambridge intensiv zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Vegetation und Tierhaltung auf dem Mongolischen Plateau geforscht und an der Beijing Normal University promoviert. „Die deutsche Forschungslandschaft hat mich aber besonders gereizt“, sagt Miao. Auch hebt sie die Bedeutung ihrer gastgebenden Wissenschaftler in Halle hervor, Dr. Daniel Müller und Dr. Zhanli Sun: „Sie haben großen Wert auf Qualifizierung und Weiterbildung gelegt. Nach wie vor unterstützen sie meine Karriereplanung, sodass ich zuletzt auch für die Marie Sklodowska-Curie Fördermaßnamen vorgeschlagen worden bin. Außerdem ist mir eine leitende Position angeboten worden, falls ich in meine Heimat China zurückkehren möchte.“

Autor: Johannes Göbel

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Oktober 2019

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