
Pollibrick Pavillion in Taiwan
Abfall aus Plastik gibt es wahrlich genug. Jährlich wandern allein in Deutschland 800 Millionen Plastikflaschen in den Müll. Ein Großteil davon, nämlich 500 Millionen, wird zu allem Überfluss um die halbe Welt nach Asien geschickt. Dem auf Umweltrecht spezialisierten Rechtsanwalt Hartmut Gaßner ist das seit langem ein Dorn im Auge.
„Im Sinne der Nachhaltigkeit wäre es doch geschickter, den gebrauchten Kunststoff wieder zu verarbeiten und vor Ort als Baustoff zu nutzen“, findet er. Deshalb unterstützt der Berliner Anwalt den taiwanesischen Architekten Arthur Huang und seinen neuen Öko-Baustoff, genannt Pollibricks. Gaßner betreut das Zulassungsverfahren der Pollibricks in Deutschland.
Ein Deutscher ist Vorreiter der Plastikmüll-Architektur
Die Idee des Bauens mit Rycyling-Plastik stammt ursprünglich aus Deutschland. Einer der Vorreiter der Plastikmüll-Architektur ist der Zimmermann Andreas Froese aus Herford: Er zeigt den Menschen in Ländern wie Honduras, Nicaragua, Brasilien und Thailand, wie man mit Erde, Schutt oder Sand befüllte PET-Flaschen mit etwas Mörtel Häuserwände baut. Das nimmt den Müll von der Straße und liefert umweltschonend und preisgünstig Wohnraum.
Der aus Taiwan stammende Architekt Arthur Huang übernahm die Idee und verfeinerte sie: Der 43-jährige Harward-Absolvent entwickelte ein besonderes Verfahren und erfand eine Bienenwaben-Architektur, die sich besonders zum Bau von Wohn- und Arbeitsräumen eignet. Dabei lässt er den Plastikmüll zu neuen, mit Luft gefüllten Hohlformen gießen. Das Material ist lichtdurchlässig, dämmt gut, ist bruchsicher, schwer entflammbar und lässt sich ineinander stecken. Durch die Luft in und zwischen den einzelnen Bauelementen erzielen die sogenannten Pollibricks hervorragende Dämmwerte. In Taiwan gelten sie als Baustoff der Zukunft und in Europa stehen sie kurz vor der Einführung.
Plastikmüll als Baustoff der Zukunft?
Was aus Pollibricks entstehen kann, zeigt das Beispiel des spektakulären “EcoArk”. Der 130 Meter lange und 26 Meter hohe Pavillon steht seit November 2010 auf der Internationalen Gartenschau in Taipeh. Die Wände des Ausstellungsgebäudes bestehen aus 1,5 Millionen recycelten Kunststoffflaschen, die an einem zerlegbaren Stahlgerüst befestigt sind. Der von Huangs Firma Miniwiz realisierte Fashion-Pavillon kann dadurch vollständig abgebaut und an anderen Orten wieder aufgebaut werden. Trotzdem ist es stabil genug, um Erdbeben und Wirbelstürme unbeschadet zu überstehen.
Das einzige in Deutschland aus Pollibricks errichtete Gebäude steht auf dem Gelände des Energieforums Berlin. Arthur Huang und Rechtsanwalt Gaßner hoffen, dadurch Kooperationspartner zu finden. Einer, der bereits Interesse zeigt, ist Alexander Rudolphi. Der Professor für nachhaltiges Bauen an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung im deutschen Eberswalde sieht neben den Dämmwerten vor allem die ausgezeichnete Ökobilanz als entscheidenden Vorteil: Gemessen an einer konventionellen Bauweise erscheint es möglich, mehr als 70 Prozent des mit dem Bau verbundenen Treibhauspotenzials einzusparen. Ein weiterer Vorteil bestehe darin, dass das gesamte System nach der Nutzung wieder leicht demontierbar und recyclebar ist, meint Rudolphi. Deshalb sieht er vor allem auch einen Einsatzbereich in temporären Bauwerken wie zum Beispiel Ausstellungs- und Verkaufsgebäuden sowie Montage- und Messehallen.



Empfehlen
Drucken
RSS-Feed
Hilfe









cortigiano
06.04.2012 20:49 Uhr
Schlecht ist, dass der Artikel weder Datum noch Autor/in nennt.
Angela Gottfroh
03.02.2012 15:09 Uhr
Wie sieht es mit den Chemikalien aus, die fuer die Herstellung des Plastiks benutzt werden (Weichmacher, Solvents etc.). Selbst Nahrungsmittel - Verpackungsmaterial soll ja nicht mehrfach benutzt werden, um ein Austreten dieser Chemikalien zu verhindern. Gibt es langjaehrige Messungen des Raumklimas in einem solchen Bau, z. B. in den Laendern wo es dem Artikel nach schon laenger verwendet wird?
Prof. Dr. Amal Abdou
02.02.2012 19:55 Uhr
woraus bestehen die Fundamente?<br /> Welche Forschungen verweisen auf Klima in verschieden Jahreszeiten oder auch in verschieden Regionen