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Blog-Initiative „IchNehmsOhne“: „Precycling ist eindeutig im Kommen“

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„IchNehmsOhne“: „Precycling ist eindeutig im Kommen“

Es begann mit einem guten Vorsatz an Silvester – und wurde zu einer wegweisenden Precycling-Aktion. Die Blog-Initiative „IchNehmsOhne“ gibt Tipps für den Einkauf ohne Verpackung. Ein Gespräch mit den Macherinnen Miriam Klaussner und Julia Bayer.

An Silvester 2013 sitzen Miriam Klaussner und Julia Bayer mit Freunden zusammen und sprechen über gute Vorsätze. Mehr Sport wollen sie treiben, sich gesünder ernähren, und überhaupt: umweltbewusster leben. Vielleicht ganz ohne Papier- und Plastikmüll? Die beiden Journalistinnen wetten, dass sie es schaffen, eine Woche lang ganz auf Verpackungen zu verzichten. Und berichten in einem Blog darüber. 10.000 Klicks in einer Woche: Die Resonanz ist enorm.

Aus dem einwöchigen Precycling-Experiment sind inzwischen schon zwei Jahre geworden – wenn auch in gemäßigter Form. Und der Blog „IchNehmsOhne“ zieht immer weitere Kreise.

Auch Shampoo gibt es ohne Verpackungsmüll

Frau Klaussner, Frau Bayer, ein Leben ohne Verpackung geht doch gar nicht. Oder?

Miriam Klaussner: Doch. Es geht. Selbst in dieser radikalen ersten Woche ging es erstaunlich gut. Das hat uns selbst gewundert. Es gab natürlich Dinge, die einfacher waren als andere.

Was war leichter, was schwerer?

Julia Bayer: Problemlos war es, sich Brot, Obst oder Gemüse direkt in den mitgebrachten Jutebeutel packen zu lassen. Selbst im Supermarkt, wo es wegen der Hygienevorschriften an der Käsetheke Vorbehalte gab. Da mussten wir dann auf den Markt gehen.

Süßigkeiten und Knabbereien waren echte Herausforderungen. Aber es gibt ja offen angebotene Bruchschokolade beim Konditor. Und Chips kann man selber machen. Schwierig waren auch Zahnpasta, Duschgel und Kosmetik. Da haben wir uns mit Seife am Stück beholfen – und Friseuren Shampoo aus der Großpackung abgekauft. Das ist aber relativ teuer – ebenso wie loser Reis im Feinkostgeschäft.

Ihr Leben ist also teurer geworden?

Miriam Klaussner: Eigentlich nicht. Wir haben nämlich festgestellt, dass wir nur noch so viel einkaufen, wie wir auch verbrauchen, also nichts mehr wegschmeißen müssen. So relativiert sich die Ersparnis beim Einkauf im Discounter.

Julia Bayer: Besonders viel spart man, wenn man statt Flüssigseife wieder Seife am Stück verwendet. Und für lose Kaffeebohnen aus der Rösterei in die mitgebrachte Dose gibt es sogar Rabatt.

„IchNehmsOhne“- Blog: Die Precycling-Plattform

Leben Sie immer noch so radikal verpackungsfrei wie am Anfang?

Miriam Klaussner: Nein. Inzwischen haben wir uns jetzt bei einer „alltagstauglicheren“ Variante eingependelt. Weniger Verpackungsmüll ist das Ziel. Dabei hilft uns auch unser Blog. Der war am Anfang ja eher eine Art Erlebnisbericht über das Experiment. Inzwischen ist er eine Plattform, für die wir zum Thema tiefer journalistisch recherchieren. Etwa zur Frage, ob Bambusbesteck wirklich eine Alternative zur Plastikgabel an der Pommesbude ist.

Und auf der Sie wiederum Anregungen von Nutzern erhalten?

Julia Bayer: Genau. Wie man Kosmetik oder Deo selber machen kann zu Beispiel. Andererseits dient „IchNehmsOhne“ den Nutzern auch dazu, sich untereinander auszutauschen. Und wir integrieren die Ergebnisse dieser Diskussionen wieder in unsere Artikel.

Haben Sie das Gefühl, dass verpackungsfreies Einkaufen in Deutschland Schule macht?

Miriam Klaussner: Ja, unbedingt. Gerade im letzten Jahr war das so eine Art Zeitgeistthema. 2014 haben deutschlandweit gleich mehrere verpackungsfreie Läden aufgemacht. Diese Angebote werden auch immer öfter positiv gesehen. Precycling ist eindeutig im Kommen.

Video: Miriam Klaussner von „IchNehmsOhne“ zu Gast beim WDR

Verpackungsmüll vermeiden: Ideen aus der Crowd

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Miriam Klaussner: Wir wollen auf unserer Seite einen deutschlandweiten City-Guide anbieten, in dem jeder nachschauen kann, ob und wo es in seiner Nähe verpackungsfreie Produkte gibt. Dafür suchen wir Scouts, die uns Angebote aus ihrem Umfeld melden. Also ein echtes Projekt der „Crowd“.

Julia Bayer: Ein „IchNehmsOhne“-Logo haben wir ja schon. Das können sich Läden, die mindestens ein verpackungsfreies Produkt anbieten, an die Eingangstür kleben oder ins Schaufenster stellen.

Diskussion über Precycling und Verpackungsmüll in der Community

Haben Sie Tipps für einen möglichst verpackungsfreien Alltag? Halten Sie dies überhaupt für sinnvoll? Diskutieren Sie mit in unserer Community und schildern Sie dort Ihre Erfahrungen!

Interview: Thomas Köster

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Paula Rodrigues

Paula Rodrigues sagt...

30. Dezember 2015

Ich fand diese Idee super! Die Welt braucht eine solche Haltung und das muss eigentlich stimuliert werden. Gratuliere! Dieser Artikel hat mir geholfen, besser darüber nachzudenken.



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