Corona in Bangladesch: „Eine Gelegenheit für einen radikalen Wandel“

Shafiqul Alam arbeitet bei der GIZ Bangladesch als Senior Advisor im Bereich erneuerbare Energien. Von Januar 2018 bis April 2019 war er Stipendiat der Humboldt-Stiftung am Ecologic Institut in Berlin. Außerdem ist er Alumnus des Ecologic Institut und der Renewables Academy (RENAC) in Berlin.

Wie geht es Ihnen aktuell in der Corona-Krise?

Anfangs hat mich die Wucht, mit der COVID-19 die ganze Welt trifft, völlig überwältigt. Als dann am 8. März 2020 der erste Infektionsfall in Bangladesch auftrat, geriet ich in Panik. Mittlerweile leben wir nun schon über drei Monate mitten in der Pandemie, und verglichen mit den ersten Tagen sind meine Familie und ich jetzt gelassener.

Ich bin gleich zu Beginn auf Homeoffice umgestiegen. Neben meiner Arbeit nutze ich die Vorteile des Online-Shoppings und ähnlicher Dinge, sodass ich nicht nach draußen muss. Ich verbringe viel Zeit mit meiner Familie, aber auch mit dem Schreiben von Artikeln für Nachrichtenmedien zu den Themen COVID-19, Klimawandel und erneuerbare Energien.

Wie hart trifft das Coronavirus Bangladesch?

Unmittelbar nachdem das Virus im März 2020 erstmals festgestellt wurde, musste die Regierung von Bangladesch ihre Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionsrate und der weiteren Ausbreitung hochfahren. Mit Wirkung zum 26. März verkündete sie einen landesweiten Urlaub, damit in den Büros die Arbeit eingestellt wird. Außerdem wurden nicht notwendige Aktivitäten und Bewegungen eingeschränkt. Die Frage, ob der wirtschaftliche Betrieb wieder aufgenommen werden soll oder nicht, ist für die Regierung ein doppeltes Dilemma. Angesichts der noch immer steigenden Infektionszahlen birgt eine Lockerung der Maßnahmen die Gefahr, dass sich die Krankheit weiter ausbreitet. Andererseits hat ein landesweiter Lockdown auf unbestimmte Zeit verheerende Folgen für viele Tagelöhner und andere arme Menschen. Unter Berücksichtigung dieser ökonomischen Faktoren wurde das öffentliche Leben wieder hochgefahren, doch gelten nun besondere Abstandsregeln für Menschen und Unternehmen. Die Regierung überwacht zudem kontinuierlich die Lageentwicklung, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich hoffe, dass die Regierungen im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Hilfspakete auch Aspekte der Nachhaltigkeit berücksichtigen. Es wäre eine Gelegenheit für einen radikalen Wandel in der Politik, was erneuerbare Energien und die Green Economy angeht.

Darüber hinaus hat uns COVID-19 vor Augen geführt, dass die meisten Länder im Pandemiefall verletzlich sind. Ich gehe davon aus, dass nach dem Abklingen der Pandemie mehr ins Gesundheitswesen investiert wird, und hoffe, dass die Regierungen darüber nachdenken, wie sie die weltweite Zusammenarbeit im Gesundheitssektor verbessern können.

Interview: Marlene Thiele

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Juli 2020

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