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Alumni-Arbeit an Hochschulen ist Netzwerken und Beziehungspflege

Die Verbindung zur Alma Mater und zu früheren Kommilitoninnen und Kommilitonen halten, Beziehungen zu Professoren pflegen und wissen, was die Universität an interessanten wissenschaftlichen Themen zu bieten hat – all das bieten die Alumni-Netzwerke der Hochschulen. Was aber macht eine gute Alumni-Arbeit aus? Welche Instrumente und Strategien sind sinnvoll und empfehlenswert?

„Das Allerwichtigste“, sagt Silke Rodenberg, „ist die persönliche Ansprache. Alumni wollen sich als Einzelperson fühlen und individuell angesprochen werden.“ Silke Rodenberg weiß, wovon sie spricht. Sie ist seit 2004 Leiterin der zentralen Alumni-Initiative der Universität Heidelberg. Seit 1996 gibt es die Initiative Heidelberg Alumni International (HAI), die sich bis 2010 ausschließlich an ehemalige ausländische Studierende gewandt hat.

Vorzeigeprojekt für die Alumni-Arbeit: Die Heidelberg University Association in New York

Das Besondere: Die Universität Heidelberg unterhält ein eigenes Verbindungsbüro in New York. 2008 entstand dort die Heidelberg University Association. Sie organisiert in den USA die transatlantischen Kooperationen der Hochschule, kümmert sich um den Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern und um die Beziehungspflege zu den Alumni. „Unsere internationale Alumni-Arbeit in den USA ist natürlich ein Vorzeigeprojekt“, erklärt Silke Rodenberg. Denn diese wird dort hauptamtlich von einer Mitarbeiterin erledigt. An anderen Universitäten und Fachhochschulen sind für die Alumni-Arbeit sehr oft ehrenamtliche Helfer oder Mitarbeiter zuständig, die die Alumni-Arbeit neben anderen Aufgaben erledigen.

Effiziente Alumni-Arbeit – da sind die Universitäten in den USA Vorbild. In Nordamerika haben schon 1821 die Absolventen des Williams College in Williamsburg, Massachusetts den ersten Alumni-Club gegründet und sind stolz auf 28.000 Alumni. In Deutschland wird seit rund zehn Jahren an der Beziehungspflege zu den Ehemaligen gearbeitet. Immerhin – denn nach Einschätzung von Silke Rodenberg gibt es in Deutschland wohl keine Universität oder Hochschule mehr, die sich nicht in Sachen Alumni-Arbeit engagiert.

Wichtige Bausteine der Alumni-Arbeit: Interaktion über Soziale Netzwerke

„Ohne Facebook, Xing & Co. geht es nicht“, erklärt Bernd Hackstette, Leiter des Alumni-Büros der Universität Göttingen. Genau wie Silke Rodenberg hält er den Einsatz von Sozialen Medien in der Alumni-Arbeit neben der persönlichen Ansprache für unerlässlich.

Doch welche Bausteine gehören zu einer effizienten Alumni-Arbeit? Neben einer gut gepflegten Datenbank, Print-Produkten wie Magazinen und Online-Infos wie etwa Newsletter, sind Plattformen im Internet ein entscheidender Baustein bei der Beziehungspflege. Rodenberg: „Alles, was interaktiv läuft, ist notwendig und sinnvoll.“ Austausch über Soziale Netzwerke wie Facebook, Xing oder auch das Alumniportal Deutschland und universitätseigene Alumni-Seiten mit eigenem Login, all das ist gelebte Interaktion und keine Einbahnstraße. Dabei nutzt Bernd Hackstette in China zum Beispiel den Mikroblog bei Sina-Weibo, denn Twitter und Facebook sind dort verboten.

Hackstette sieht hier noch einen weiteren Nutzen: „Wir erreichen über die Sozialen Netzwerke viele Alumni, darüber hinaus aber auch zahlreiche passive Mitleser. Die reagieren vielleicht nicht sofort, halten aber über diese Kanäle langfristig ebenfalls den Kontakt zu Alumni und vernetzen sich mit ehemaligen Kommilitonen oder wieder mit ihrer Uni oder Fachhochschule.“

Alumni-Arbeit ist Beziehungspflege vom ersten Semester an

Nicht jede Universität hat so berühmte Alumni wie die Universität Göttingen mit dem früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker oder dem ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder, die sich bei Veranstaltungen den Fragen der Studierenden stellen oder Videobotschaften senden. „Bei der Beziehungspflege darf man nicht warten, bis die Studenten weg sind“, sagt Bernd Hackstette. „Alumni-Arbeit beginnt im ersten Semester.“ Wichtig sei, dass ehemalige Studierende Vorträge vor Erstsemester-Studenten halten, um sie von der Wichtigkeit des Netzwerkens zu überzeugen. „Beziehungspflege persönlich oder über Alumni-Portale haben für die spätere Karriere eine nicht zu unterschätzende Türöffner-Funktion.“

Juli 2013

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